18.06.2013, 13:29 Uhr | 0 |

Le Bourget eröffnet Milliarden-Aufträge für Airbus und Boeing auf der Luftfahrtschau in Paris

Die 50. Pariser Luftfahrtschau in Le Bourget ist erneut die große Bühne für den Konkurrenzkampf zwischen Boeing und Airbus. Beide Unternehmen erwarten in Le Bourget Milliardenaufträge. Airbus hat in diesem Jahr allerdings mit dem erfolgreichen Erstflug seines direkten Dreamliner-Konkurrenten A350 am vergangenen Freitag in Toulouse ein Zeichen gesetzt.

Militärtransporter A400M von Airbus
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Blickfang in Le Bourget in Paris: der Militärtransporter A400M von Airbus, hier in einer Version der französischen Luftwaffe.

Foto: Airbus

Zur weltgrößten Luftfahrtmesse Le Bourget bei Paris, die noch bis Ende der Woche dauert, haben sich 2215 Aussteller aus 44 Ländern angekündigt. Von großem Interesse sind aber nur 2 Aussteller aus 2 Ländern: Die US-amerikanische Firma Boeing mit Sitz in Chicago und die europäische EADS Tochterfirma Airbus mit Sitz im französischen Toulouse. Denn diese beiden erbitterten Konkurrenten benutzen – nicht zum ersten Mal – die Messe als große Bühne und ziehen schon im Vorfeld der Luftfahrtmesse mächtig übereinander her.

Da lässt es sich EADS-Chef Tom Enders nicht nehmen, über die Probleme des US-amerikanischen Flugzeugbauer Boeing bei seinem Pannenflieger Dreamliner zu lästern: „Anders als einer unserer Konkurrenten müssen wir unsere Nieten nicht bei Wal-Mart besorgen.“ Ein Seitenhieb auf die überstürzte Präsentation des Dreamliner genannten neuen Langstrecken-Flugzeugs, der Boeing 787. Denn Boeing-Mitarbeiter hatten sich bei der Vorstellung des Dreamliners provisorisch mit Nieten aus dem Baumarkt behelfen müssen, weil ihnen kurz vor der Präsentation das Material ausgegangen war. Boeings Marketingmanager Randy Tinseth stichelte zurück. Airbus werde sich Mühe geben, „die Fans zu unterhalten. Für uns ist das eine von 52 Wochen des Jahres.“

Erster Flug eines A350 wurde ein Mediencoup

Und in der Tat unterhielt Airbus die Fans und landete genau drei Tage vor Beginn der spektakulären Luftfahrtmesse einen gigantischen Mediencoup: Am Freitag, 14. Juni 2013,  um Punkt zehn Uhr hob der nagelneue Airbus A350 in Toulouse-Blagnac zum ersten Mal ab. Nach vier Stunden und sechs Minuten landete der direkte Dreamliner-Konkurrent A350 wieder unter großem Applaus. „Es ist einfach fantastisch“, jubelte Airbus-Chef Fabrice Brégier nach der sicheren Landung des Superfliegers. EADS-Chef „Major Tom“ setzte gleich noch eine verbale Spitze in Richtung Boeing. „Ich könnte mir vorstellen, dass er über Le Bourget fliegt.“

Wenn der A350 über Le Bourget fliegt, dann wohl am kommenden Freitag. Denn am Freitag hat Frankreichs Staatspräsident Francois Hollande seinen Besuch angesagt. Und am Freitag öffnen sich die Pforten für das Publikum. Und das wird in Scharen nach Le Bourget strömen. Es werden rund 350.000 Besucher erwartet, die bis zum kommenden Sonntag geöffnet ist. Viel Publikum also, für eine Ehrenrunde des A350 über das Messegelände. „Aus kommerzieller Sicht hätte der Erstflug zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können“, sagt Airbus-Verkaufschef John Leahy. „Ich denke, dass wir bald einige neue Aufträge für den A350 sehen werden.“ Leahy hält auch unbeirrt an seinem Ziel festhält, in diesem Jahr 25 Riesenflieger des Modells A380 zu verkaufen. „Wenn ich ein paar mehr verkaufe, werden es eben ein paar mehr.“

Es geht um viele Milliarden Euro

Die Hoffnung ist realistisch: Flugzeugfinanzierer Doric Asset Finance hat bereits angekündigt, 20 Exemplare des Großraumflugzeugs bestellen zu wollen            . Doric und Airbus gaben am Montag zu Beginn der Luftfahrtmesse bekannt, dass Doric eine Absichtserklärung unterzeichnet habe. Der Deal hat laut Airbus-Preisliste einen Gesamtwert von 6,58 Milliarden Euro, ist also keine Kleinigkeit. Doric will die A380-Maschinen an mehrere Fluggesellschaften weiterverkaufen. Einige Kunden habe er schon an der Hand, sagte Doric-Chef Mark Lapidus.

Mit dem A350 als direkten Konkurrenten zum Dreamliner scheint Airbus den Nerv der Zeit ziemlich gut getroffen zu haben. Schon in der zweiten Jahreshälfte 2014 soll der A350 bei Qatar Airways abheben. Als erste Kunde übernimmt die Airline aus den Emiraten dann die A350-900 mit 314 Sitzplätzen und einer Reichweite von 14.600 Kilometern. Für Mitte 2016 ist die kleinere A350-800 angekündigt, die über 270 Sitze verfügt, im Jahr darauf soll die größere Version A350-1000 mit 350 Plätzen folgen.

Der A350 verkauft sich glänzend. Ende Mai bestellte Singapore Airlines 30 zusätzliche Maschinen der 900er-Ausführung. Insgesamt orderten bisher 33 Unternehmen 613 Maschinen der A350-Reihe, die je nach Ausstattung im Listenpreis bis zu 250 Millionen Euro pro Stück kosten. Zum Vergleich: Der Dreamliner kostet mit 155 Millionen Euro fast einhundert Millionen Euro weniger. Und dieser Preisunterschied ist auch in den bisherigen Absatzzahlen abgebildet. Airbus hat bisher 613 des A350 verkauft, Boeing immerhin schon 833 Dreamliner.

Bei den Mittelstreckenjets konnte Airbus zu Messebeginn Vollzug vermelden und verwandelte eine schon seit März bekannte Bestellungen in einen festen Auftrag. Lufthansa-Flottenmanager Nico Buchholz und Airbus-Verkaufschef John Leahy unterzeichneten einen schon im März angekündigten Vertrag über 100 Jets der A320-Familie, ein Mittelstreckenflieger. Bei 30 Maschinen setzt die Lufthansa auf die herkömmliche Version des Fliegers. Die übrigen 70 Exemplare sollen in der modernisierten „neo“-Version mit sparsameren Triebwerken ausgeliefert werden, dabei je zur Hälfte als A320neo und als Langversion A321neo.

Am Dienstag bestellte der britische Billigflieger Easyjet 35 Airbus A320 sowie 100 Maschinen der besonders sparsamen Version A320neo. Die Bestellung hat laut Preisliste einen Wert von 9,9 Milliarden Euro. Easyjet hat allerdings einen kräftigen Rabatt ausgehandelt, so das Unternehmen. Zudem sicherte sich die Fluggesellschaft Kaufoptionen für 100 weitere A320neo.

Boeing und Airbus wollen jeweils die Hälfte des Langstreckenmarktes

Glaubt man den Prognosen von Airbus und Boeing, so kommen für beide noch viele Aufträge hinzu. Boeing sieht in den nächsten 20 Jahren allein im Langstreckenmarkt einen weltweiten Bedarf von 7830 Maschinen, Airbus rechnet mit immerhin noch 6497 Maschinen. Airbus will mit seiner A350 Boeing Marktanteile abjagen. „Wir wollen 50 Prozent von diesem Markt und wir werden 50 Prozent von diesem Markt bekommen“, sagt Airbus-Chef Brégler selbstbewusst. „Das sagen wir auch“, kontert sogleich Boeings Zivilflugzeugssparten-Chef Ray Conner. „Das wird ein großartiger Wettbewerb. Wir freuen uns schon darauf. Wir denken, dass wir die besseren Produkte haben und dass die besseren Produkte gewinnen werden.“

Das darf zumindest für den Dreamliner bestritten werden, mit dem Boeing zahlreiche Probleme hat. Im Januar 2013 hatten sich die neuen Lithium-Ionen-Akkus auf einem Flug entzündet, die Maschine musste notlanden. In der Folge gab es ein mehrmonatiges weltweites Flugverbot für den Dreamliner, das erst seit dem Mai wieder aufgehoben ist. „Boeing hat den Dreamliner zu schnell auf den Markt gebracht“, urteilt Luftfahrt-Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Und die Probleme mit dem Wundervogel sind immer noch nicht ausgestanden. So musste beispielsweise in der vergangenen Woche ein Dreamliner der Japan Airlines auf dem Flug nach Singapur umkehren, weil es ein Problem mit der Enteisungsanlage der Triebwerke gab. Die Enteisungsanlage ist eine von den vielen bahnbrechenden Neuheiten, die im Dreamliner stecken.

Boeing greift Airbus direkt an

Boeing ist fest entschlossen, in Le Bourget zu demonstrieren, dass man die Probleme beim Dreamliner im Griff hat. „Das Thema ist Geschichte“, gibt Connor zu verstehen und denkt derweil nach vorne. Boeing ist mit mehreren Projekten im Gepäck nach Le Bourget gereist. So gibt es Pläne eines gestretchten Dreamliners, der 787-10, der etwas länger ist und 323 Passagieren Platz bieten soll und damit einigen mehr als den maximal 250, die in die aktuelle Dreamliner-Version passen.

Ebenfalls mit im Gepäck hat Boeing die Pläne für einen Nachfolger seiner legendären Triple-Seven, der Boeing 777. Boeing will bis zum Ende des Jahrzehnts ein überarbeitetes Modell mit dem Titel 777X in zwei Versionen auf den Markt bringen, um damit dem größten Modell des A350 etwas entgegenzusetzen. Der 777X soll mit neuen, energieeffizienten Triebwerken und Flügeln aus leichten Verbundstoffen ausgestattet sein. „Wir werden ein großartiges Flugzeug mit einer großartigen Leistung haben“, sagt Boeing-Manager Connor.

Boeing-Chef Jim McNemey lästerte öffentlich, Airbus habe kein Modell, um mit dem 777X konkurrieren zu können. Die Europäer hätten nicht den Mut, ein neues Flugzeug zu lancieren. Airbus-Chef Brégier ließ diesen Vorwurf nicht auf sich sitzen. „Der 777X ist ein Derivat einer existierenden Plattform“, stichelte er. „Unsere Maschine“, er meint damit die größte Version des A350, den A350-1000, „ist real und braucht keine neuen Motoren. Das ist kein Papiertiger wie der 777X.“

Runder Geburtstag in Paris: 50. Messe in Le Bourget

Alle zwei Jahre steigt auf dem Pariser Flughafen Le Bourget die weltgrößte Leistungsschau der Luftfahrtindustrie. In diesem Jahr ist es das 50. Mal, dass im großen Stil 130 Flugzeuge, Hubschrauber und sogar Raumfahrzeuge präsentiert werden. Die Pariser Luftfahrtschau hat eine große Tradition. 1963 wurde der staunenden Öffentlichkeit stolz ein hölzernes Modell der Concorde vorgestellt. Das Großraumflugzeug Airbus A380 flog 2005 zum ersten Mal von Le Bourget aus mit Passagieren.

Das ganz große Kino allerdings hatte das Flugfeld von Le Bourget am 21. Mai 1927. Dort landete der Luftfahrtpionier Charles Lindbergh sicher nach seiner erfolgreichen Atlantiküberquerung von New York nach Paris. Mit seiner einmotorigen „Spirit of St. Louis“, die ein kleiner unbekannter Flugzeughersteller, die Ryan Airlines in San Diego, gebaut hatte.

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Von Detlef Stoller
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