25.04.2016, 13:21 Uhr | 0 |

Eröffnung Hannover Messe Merkel und Obama machen Reklame für TTIP-Abkommen

Mit der Einladung an die deutsche Industrie, neue Fabriken in den USA zu gründen, hat US-Präsident Barack Obama gemeinsam mit Bundeskanzlerin Angela Merkel die Hannover Messe eröffnet. Am Montag warben beide auf ihrem Messerundgang für das Freihandelsabkommen TTIP.

Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama auf der Hannover Messe 2016
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Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama beim Rundgang am Montag auf der Hannover Messe: Am Stand des Automatisierungstechnik-Unternehmens ifm electronic probieren beide eine 3D-Brille aus.

Foto: Christian Charisius/dpa

Noch nie hat ein US-Präsident die Hannover Messe eröffnet. Doch in diesem Jahr sind die USA Partnerland und mit 460 Unternehmen doppelt so stark wie üblich auf der weltweit wichtigsten Industriemesse vertreten. „Wenn Sie eine Fabrik gründen wollen, kommen Sie in die USA", sagte Obama bei der Eröffnung. „Wir bieten Ihnen niedrige Kosten und wenig Bürokratie.“

Die USA erleben regelrecht eine Re-Industrialisierung. Die geht zwar an einstigen Hochburgen der industriellen Fertigung wie Detroit vorbei, das immer noch, trotz der Erholung der amerikanischen Autoindustrie, eine Krisenregion ist mit über 20 Prozent Arbeitslosigkeit.

Besucher fotografieren mit ihren Smartphones beim Rundgang von Bundeskanzlerin Merkel (CDU) und US-Präsident Obama am 25.04.2016 über die Hannover Messe (Niedersachsen). Die USA sind dieses Jahr das Partnerland der Messe. Der US-Präsident hält sich für einen zweitägigen Besuch in Deutschland auf. Foto: Kay Nietfeld/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Da kann keiner widerstehen: Besucher halten massenhaft ihre Smartphones hoch, um Bundeskanzlerin Merkel und US-Präsident Obama beim Rundgang auf der Hannover Messe zu fotografieren.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Aber in anderen Regionen und anderen Sparten boomt die Produktion und industrielle Fertigung wieder. Nicht nur die IT-Industrie mit Aushängeschildern wie Apple, Google und Microsoft boomt. Auch Unternehmen wie Boeing, Tesla, GE, SpaceX oder Pfizer, Ford und General Motors laufen rund. Zudem kurbeln die niedrigen Energiepreise in den USA nicht nur das Wachstum an, sondern sorgen auch dafür, dass die USA ein günstiger Industriestandort geworden sind.

Merkel: Sozial- und Umweltstandards durch TTIP nicht bedroht

Und natürlich warben Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz der Kritik aus Teilen der Industrie und Bürgerinitiativen für das Freihandelsabkommen TTIP. Es sei wichtig, den Handel weiter anzukurbeln. Der Vorwurf, dass beispielsweise Umwelt- und Sozialstandards abgebaut werden, treffe nicht zu, so Obama.

„Standards bleiben bei TTIP erhalten oder werden erhöht", betonte Merkel. Die Kanzlerin hob hervor, das Abkommen sei ausverhandelt und Europa müsse rasch das Zeitfenster nutzen, um das Abkommen mit dem noch amtierenden US-Präsidenten abzuschließen. So schnell werde sich solch ein Zeitfenster nicht mehr öffnen. Das Abkommen sei eine Chance, die wirtschaftliche Dynamik in Europa zu beschleunigen, die nicht so groß sei, wie man sich das wünsche.

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Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama am Stand des Verbindungstechnikers Weidmüller.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Zugleich biete sich derzeit durch die Verschmelzung von Industrie und Internet die Chance, neue Standards zu setzen. Deutschland kenne die Stärke der US-Unternehmen im Internet. Industrie 4.0 biete nun der deutschen Industrie die Chance, das Internet mit Deutschlands Stärke, dem Maschinenbau, zu verknüpfen. Jetzt würden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Schon seit Juli 2013 verhandeln die Europäische Union und die USA über ein Freihandelsabkommen. Bislang ist der Entwurf für das Abkommen geheim, selbst Bundestagsabgeordnete dürfen den Entwurf nur in einem streng gesicherten Leseraum einsehen, aber keine Notizen und Kopien anfertigen.

Merkel und Obama nehmen sich viel Zeit für Aussteller

Am Montagvormittag hatten Obama und Merkel ausgewählte Stände auf der Hannover Messe besucht. So begutachteten sie am Stand des US-Konzerns Autodesk eine Unterschenkel-Prothese für die Paracycling-Sportlerin Denise Schindler aus dem 3D-Drucker. Beim Familienunternehmen Phoenix Contact ließen sich beide Politiker neben einer Nachbildung des Autos aus „Zurück in die Zukunft“  eine neue Ladetechnik für Elektroautos vorstellen.

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Sie verstehen sich gut und können sogar die gleichen Gesten: Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama. Beide warben auf der Hannover Messe für das Freihandelsabkommen TTIP.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Die kleinste 3D-Kamera der Welt und 3D-Brillen wurden Merkel und Obama bei „ifm electronics“ vorgestellt. Auch bei Siemens machen beide Halt, wo sie von Siemens-Chef Joe Kaeser erwartet wurden. Der schenkte beiden einen Golf-Schläger, beschriftet mit Merkels Motto „Wir schaffen das!" und Obamas Wahlkampfmotto „Yes, we can“.

Während die Medien spekulierten, dass es sich um Obamas letzten Besuch in Deutschland handelt, kündigte der US-Präsident an, gerne noch einmal als Privatmann zurück zu kommen. Er habe zwar schon gutes deutsches Bier und Weißwurst genossen, sei aber noch nie auf dem Oktoberfest gewesen. Deshalb werde er noch einmal wiederkommen. Und ein Besuch des Oktoberfestes sei sicher auch viel schöner, wenn man nicht als Präsident,dort auftauche. 

Hier finden Sie weitere Berichte zur Hannover Messe

Der Konvoi von US-Präsident Barack Obama fährt unter Polizeischutz am 25.04.2016 auf dem Messe-Schnellweg zur Hannover Messe in Hannover (Niedersachsen). Die USA sind dieses Jahr das Partnerland der Messe. Der US-Präsident hält sich für einen zweitägigen Besuch in Deutschland auf. Foto: Hauke Dittrich/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Es war am Montag ausgesprochen schwer, zur Hannover Messe durchzudringen. Der Autoverkehr blieb im Großraum Hannover in langen Staus stecken. Gleichzeitig war die ICE-Schnellstrecke zwischen Hannover und Kassel wegen Bauarbeiten gesperrt. Auch auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover kam es zu Störungen. Im Bild die Autokolonne von US-Präsident Barack Obama auf einem gesperrten Autobahnabschnitt.

Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa

 

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Von Axel Mörer-Funk
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