07.04.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Hannover Messe 2014 DBU präsentiert nachhaltige Lackfolien und Hybridflitzer für die Stadt

So kann Innovation aus dem Mittelstand aussehen: eine umweltschonende Lackfolie, die dem klassischen Lackierverfahren Konkurrenz machen soll, und ein ultraleichtes Stadtmobil, das mit Elektromotor und Pedalkraft angetrieben wird. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt hat beide Neuentwicklungen gefördert und präsentiert sie ab heute auf der Hannover Messe.

Das E-Mobil des Unternehmens Onyx aus Osnabrück
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Das E-Mobil des Unternehmens Onyx aus Osnabrück unterstützt die Pedaltritte des Fahrers mit einem Elektromotor. Sogar ein Beifahrer kann im kleinen Cityflitzer mitfahren. 

Foto: onyx composites

Es müssen nicht immer die Labors und Forschungsabteilungen der großen Firmen und Weltmarktführer sein, in denen innovative und umweltfreundliche Lösungen entstehen. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) fördert die Entwicklung von neuen Produkten, die im Energie- und Ressourceneinsatz besonders effizient sind – und das passiert auch in kleinen und mittleren Unternehmen. 

Zwei Förderbeispiele stellt die DBU jetzt auf der Hannover Messe vor, in diesem Jahr erstmals unter dem Dach des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI).

Folientechnik macht klassischem Lackierverfahren Konkurrenz

Der erste Förderkandidat ist die familiengeführte Lack- und Farbenfabrik Karl Wörwag aus Stuttgart, die 800 Mitarbeiter beschäftigt. Hier kommt eine neue, energiearme und effiziente Methode für den Lackauftrag her, die dem klassischen Lackierverfahren Konkurrenz machen soll. 

Für das neue Verfahren werden der farbgebende Basislack und anschließend der Klarlack unter Reinraumbedingungen auf Folie aufgebracht und vorgetrocknet. Dann wird das Ganze mit einer transparenten Schutzfolie bedeckt. Die etwa ein Millimeter dicke Lackfolie kann nun vorgeschnitten und an jedem gewünschten Standort weiterverarbeitet werden. Dazu wird sie dann in die endgültige Form gezogen und mit UV-Licht ausgehärtet. 

Bei der Lackfolientechnik fallen etliche gravierende Nachteile des herkömmlichen Spritzlackprozesses weg. Es gibt kein Übersprühen mehr, Lösemittel werden ebenfalls nicht mehr freigesetzt. 

Für zwei Anwendungsbereiche haben die Lackierer aus Stuttgart ihre neue Lackfolientechnik bereits bis zur Anwendungsreife gebracht. Für die Beschichtung von Kunststofffenstern und Bauelementen ist die Dekorlackfolie bestens geeignet. 

Für Automobilbauteile wie Pkw-Dachleisten hat Wörwag einen neuartigen Transferlack entwickelt, der aus einer eingefärbten, thermoaktiven Haftschicht und einem UV-Klarlack besteht. Er ist in zwei dünne Schutzfolien eingebettet, die vor der weiteren Applikation entfernt werden. 

Der Lack kann gewissermaßen als Meterware hergestellt und als Rolle aufgewickelt werden. Inzwischen sind die ersten Produkte mit dieser Beschichtung im Handel. 

E-Mobil Onyx bringt zwei Passagiere mit Pedalantrieb durch die Stadt

Die Firma Onyx aus Osnabrück, 2008 gegründet und fünf Mitarbeiter stark, wurde von der DBU mit rund 54.000 Euro für die Entwicklung eines neuen E-Mobils gefördert. Gedacht ist die Kombination aus Elektrofahrzeug und Fahrrad als ideales Fortbewegungsmittel für kürzere Strecken im Stadtverkehr. Das neue E-Mobil, das ohne Akku unter 100 Kilogramm wiegt, sieht aus wie ein Liegerad mit zusätzlicher Karosserie.

Der Einstieg ist tief, vorne sind die beiden Räder kleiner als hinten, Scheiben und Türen sind abnehmbar. Im Innenraum haben zwei Personen nebeneinander Platz. Die tragende Struktur aus Natur-, Glas- oder Kohlenstofffaserkunststoff schützt den Fahrer auch bei Regen und Kälte. Gelenkt und gebremst wird über einen Steuerhebel zwischen den Beinen des Fahrers.

Falls die menschliche Pedalkraft schwächelt, kommt der Elektromotor zum Einsatz. Er ermöglicht eine Reichweite von bis zu 50 Kilometern und ist maximal 45 Stundenkilometer flott. Die Entwickler des E-Mobils haben zwar bereits die ersten erfolgreichen Fahrtests hinter sich gebracht, zu kaufen gibt es das Stadtgefährt allerdings noch nicht. 

Im nächsten Entwicklungsschritt soll jetzt ein realistischer Prototyp entstehen. Durch den Einsatz von Standardteilen aus der Elektrofahrrad-Industrie könnte das E-Mobil für unter 9000 Euro angeboten werden. 

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Von Gudrun von Schoenebeck
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