08.09.2015, 13:26 Uhr | 0 |

IFA 2015 in Berlin Comeback des Plattenspielers: Panasonic zeigt Technics-Prototyp

Vor fünf Jahren stellte Panasonic die Produktion von Plattenspielern ein. Als Folge des Schallplattenbooms gibt es jetzt eine Neuauflage. Aber auch zahlreiche andere Hersteller präsentieren auf der IFA die nostalgischen Abspielgeräte. Aufgemotzt mit einem digitalen Ausgang.

Internationale Funkausstellung IFA
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So spacig wie auf dem Foto geht es nicht überall auf der IFA 2015 zu. Auch Nostalgie ist im Spiel: Der Plattenspieler feiert ein Comeback. 

Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Dual, der traditionsreiche Schwarzwälder Hersteller von Unterhaltungselektronik, präsentiert auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin zwei Plattenspieler. Damit ist er in bester Gesellschaft. Die Geräte, deren Knistern manch ein Musikfreund im CD-Zeitalter vermisst, erleben einen Boom. Von wenigen 100 € bis deutlich mehr als 1000 €: Alles ist zu haben.

Mehr als 500 Modelle werden angeboten. Zahlreiche Hersteller, die die Geräte ausgemustert hatten, haben eine Neuauflage gestartet, denn die Zahl der Schallplattenverkäufe wächst stetig.

Während 2006 in Deutschland nur noch 300.000 Plattenalben verkauft wurden, waren es laut Statista im vergangenen Jahr schon 1,2 Millionen. Was ein Klacks ist gegenüber den Verkaufszahlen von Musik-CDs. Die lagen 2014 bei 87,1 Millionen, allerdings bei sinkender Tendenz.

Aufatmen bei den Disc Jockeys

Zu den spektakulärsten Neuerscheinungen auf dem Plattenspielermarkt zählt Technics, eine Marke des japanischen Giganten Panasonic. Auf der IFA ist allerdings nur ein Prototyp zu sehen. 2016 soll er in den Handel kommen. Die Produktion des legendären Vorgängermodells 1210, das jeder Disc Jockey nutzte, der etwas auf sich hielt, war vor fünf Jahren eingestellt worden.

Wie der 1210 hat auch der künftige Technics-Plattenspieler einen Direktantrieb. Die Kraft des Motors wird also nicht per Riementrieb auf den Teller übertragen wie bei den meisten Modellen. „Plattenspieler sind für unsere Marke ein Produkt mit hohem Kult-Faktor“, sagt Michiko Ogawa, Pianistin und Chefin der Marke Technics.

Lupenrein analog geht es bei modernen Plattenspielern allerdings nicht mehr zu. Die meisten bieten die Möglichkeit, Musik auf digitale Abspielgeräte zu übertragen. Denn für den mobilen Gebrauch sind Plattenspieler ungeeignet.

Nostalgische Geräte ziehen junge Menschen an

Vor allem junge Menschen kehren zurück zur Schallplatte. Musik von der CD empfinden sie als kalt und seelenlos, im Gegensatz zu der von den Vinyl-Scheiben. Außerdem fasziniert sie das nostalgische bedienen des Arms mit der Abspielnadel, so Branchenkenner.

Deshalb leben Unternehmen wie Dual, Thorens in der Schweiz, Music Hall und Denon in den USA, das britische Unternehmen Rega oder Pro-Ject in Österreich, um nur einige zu nennen, wieder auf, auch wenn es um relativ geringe Stückzahlen geht.

Den Kultstatus auf die Spitze getrieben hat Gramovox aus Chicago. Das Unternehmen stellt einen Plattenspieler vor, dessen Scheibe sich senkrecht dreht. Innerhalb von gerade mal drei Stunden sammelte das Unternehmen auf der Fundraising-Plattform Kickstarter 50.000 $ ein – Beweis dafür, dass das Vinyl-Zeitalter nicht vorbei ist.

Engpass Plattenpressen

Der Boom könnte dennoch enden, denn die Maschinen, in denen die Platten gepresst werden, sind äußerst betagt. Und neue werden nicht gebaut. Vor allem kleinere Unternehmen in den USA, die noch Platten pressen, fahnden weltweit nach eingemotteten Maschinen, um die stetig wachsende Auftragsflut in zumutbarer Zeit bewältigen zu können.

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Von Wolfgang Kempkens
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