23.02.2015, 12:47 Uhr | 0 |

Gründerenkel mit dabei Borgward 2.0: Chinesen wollen Autolegende auf den Markt bringen

Borgward ist wieder da: Der im Jahre 1961 spektakulär in die Pleite gerutschte legendäre Autohersteller aus Bremen meldet sich nach 54 Jahren zurück. Auf dem Automobilsalon in Genf will der Enkel des Borgward-Gründers, Christian Borgward, Anfang März 2015 seine Pläne für Borgward 2.0 der Öffentlichkeit vorstellen.

Borgward Isabella
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Beliebtes Familienauto der 1950er-Jahre: der Borgward Isabella.

Foto: Borgward AG

Auf dem 85. Internationalen Automobilsalon in Genf wird die Pressekonferenz am 3. März 2015 um 13 Uhr in Halle 2 am Stand 2051 eines der wichtigsten Events dieser Leistungsschau rund um den rollenden Luxus auf vier Rädern sein. Dann will Christian Borgward, der Enkel des legendären Carl F. W. Borgward, die Wiederauferstehung der Kultmarke verkünden. „Der Relaunch von Borgward ist ein Kindheitstraum von mir, der nun Realität wird“, sagt der 48-jährige gelernte Einzelhandelskaufmann Christian Borgward.

Der Enkel hat in Wolfsburg mit einem Getränkehandel unter dem Slogan „Borgward bringt's“ beruflich allenfalls durch seine Lieferfahrzeuge noch mit Automobilen zu tun. Ein Kindheitstraum: Seit 2005 ist er in Sachen Relaunch von Borgward aktiv, am 21. Mai 2008 gründete der Enkel die Borgward AG mit Sitz in Luzern.

Comeback in Genf zum 125. Geburtstag des Patriarchen Borgward

An seiner Seite ist Karlheinz L. Knöss, der früher die Unternehmenspresse bei Daimler-Chrysler Nutzfahrzeuge geleitet hat. „Vor einem Jahrzehnt haben wir mit der Planung begonnen, und nun sind wir bereit für unseren nächsten Schritt. Inspiriert von den Werten und dem innovativen Geist hinter der Marke Borgward und mit festem Willen zum Erfolg werden wir ein neues Kapitel in der Geschichte unseres Unternehmens aufschlagen“, sagt Knöss. „Genf ist ein sehr wichtiger Schritt für unsere Zukunft und wir können es kaum erwarten wieder dort zu sein.“

Schön gesagt. Denn der Ort und das Jahr für Borgward 2.0 sind gut gewählt. 2015 ist der 125. Geburtstag von Firmengründer Carl Friedrich Wilhelm Borgward, der am 10. November 1890 in Altona geboren wurde. Und in Genf präsentierte Borgward im März 1949 auf dem 19. Genfer Autosalon mit dem Hansa 1500 seine erste Nachkriegskonstruktion.

Es folgten mit der Isabella und dem P100 einige der Traumwagen der Nachkriegszeit. Gerade dieser Oberklassewagen setzte Maßstäbe in Sachen Fahrkomfort und Ausstattung. Er besaß als erstes europäisches Automobil eine Luftfederung. Und die Isabella von 1955 galt als Auto, welches den Komfort eines Familienfahrzeugs mit der PS-starken Wendigkeit eines Sportwagens verband.

Mehr als eine Millionen Fahrzeuge hergestellt

Bis zur Pleite am 11. September des Jahres 1961 war Borgward nach eigenen Angaben zeitweise der drittgrößte Autohersteller Deutschlands. Die Borgward-Pleite war zur damaligen Zeit die größte Unternehmensinsolvenz Deutschlands. Das Unternehmen beschäftige in seinen besten Zeiten mehr als 23.000 Arbeiter. Bis zum bitteren Ende sollen in Bremen-Sebaldsbrück mehr als eine Million Fahrzeuge vom Band gerollt sein.

 

Jetzt will der Wolfsburger Getränkehändler an diese Borgward-Traditionen anknüpfen. Leicht wird das nicht. Denn Borgward ist im Prinzip einzig in Deutschland eine bekannte Marke. Deshalb warnt der Automobilexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen: „Borgward ist im Ausland unbekannt, Russen, Chinesen, Araber und Amerikaner kennen die Marke nicht. Um eine neue Marke für den Massenmarkt zu etablieren, braucht man sehr viel Geld.“

Fakt ist: Seit März 2014 ist der chinesische Nutzfahrzeugriese Beiqi Foton Motors Inhaber der Borgward-Markenrechte. Aufsichtsratsvorsitzender der Borgward AG ist Gründer-Enkel Christian Borgward. 

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Von Detlef Stoller
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