01.10.2014, 15:27 Uhr | 0 |

ANTI-TERROR-PROJEKT Bomben schon in der Bauphase entdecken

Mithilfe eines Netzwerks verschiedener Sensoren können Forscher jetzt frühzeitig Spuren illegalen Bombenbaus in Gebäuden, Abwasserkanälen oder in der Luft entdecken. Sie nutzen dazu spezielle Laser, die aus den Messdaten Bilder erzeugen. So sollen Terroranschläge leichter aufgeklärt oder sogar verhindert werden.

Quantenkaskadenlaser
Á

Der am Fraunhofer IAF entwickelte Quantenkaskadenlaser kann selbst geringe Spuren von unterschiedlichen Gefahrstoffen aus der Distanz detektieren. 

Foto: Fraunhofer IAF

Für eine Bombe braucht es nicht viel. Wenige, frei verkäufliche Materialien und eine Anleitung aus dem Internet reichen. Um Terroristen auf die Spur zu kommen, die in der heimischen Küche Sprengsätze herstellen, hat die EU das Projekt Emphasis gestartet, in dem vier Forschungsinstitute und drei Unternehmen zusammenarbeiten. Das Fraunhofer-Institut für Angewandte Festkörperphysik (IAF) hat jetzt ein Verfahren präsentiert, mit dem der Bombenbau frühzeitig entdeckt werden kann.

Abfallprodukte des Bombenbaus werden registriert

Bei der Methode werden verschiedene Sensoren platziert, etwa auf Hochhäusern, in Abwasserkanälen oder Luftschächten. Die Messfühler registrieren auffällig hohe Konzentrationen von Abfallprodukten, wie sie beim illegalen Bombenbau typisch sind, beispielsweise aus Kunstdünger.

Werden bestimmte Werte überschritten, gibt das Sensorennetz eine Meldung an eine Einsatzzentrale. Die Fraunhofer-Forscher setzen ein bildgebendes Verfahren ein, für das sie so genannte Quantenkaskadenlaser nutzen. Die Laser strahlen Licht im Infrarotbereich ab, dessen Wellenlänge zwischen 7,5 und 11 Mikrometern liegt. In diesem Wellenlängenbereich zeigen chemische Verbindungen ganz charakteristische Linien bei der Absorption des Lichts. Es entsteht also eine Art Fingerabdruck für jede Substanz, und der wird in Echtzeit auf einem Monitor visualisiert.

Wenn entsprechende Werte in der Zentrale registriert werden, lässt sich ihr Ursprungsort mit weiteren Verfahren genauer eingrenzen. „Unsere Lasertechnologie kann bereits geringe Spuren von Gefahrstoffen aus einer Entfernung von etwa 20 Metern zuverlässig detektieren«, erklärt Dr. Frank Fuchs, der das Projekt am Fraunhofer IAF leitet. Einsatzkräfte müssen also nicht erst direkt in die „Bombenküche“ vordringen, um die Quelle exakt zu ermitteln.

Auch Trinkwasseranalyse wird einfacher

Das Institut hat seine Entwicklung in einer normalen Küche in Südschweden präsentiert – die nationale schwedische Agentur für Sicherheitsforschung koordiniert das Projekt „Emphasis“. Auslöser für die internationale Forschungsinitiative waren Anschläge wie jene in London am 7. Juli 2005. Damals explodierten drei Bomben in U-Bahnen und eine in einem Doppeldeckerbus, 56 Menschen starben.  Die Sprengsätze waren mit einfachsten Mitteln hergestellt und in Rucksäcken deponiert worden.

Die neue Technik lässt sich nach Ansicht der Forscher in Zukunft vielfältig einsetzen, nicht nur bei der Suche nach Sprengmitteln etwa in Gepäckstücken an Flughäfen. Auch die Analyse von Trinkwasser werde einfacher und billiger, weil aufwändige chemische Laborverfahren überflüssig würden, und in der Industrie könnten die Quellen von Verunreinigungen mithilfe dieser laserbasierten Spektroskopie schneller lokalisiert werden.

Anzeige
Von Werner Grosch
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden