12.01.2015, 11:55 Uhr | 0 |

Grüne Woche in Berlin Beschichtung macht Bio-Kunststoff sicher genug für Lebensmittel

Fraunhofer-Forscher aus Würzburg wollen Bio-Kunststoffen in der Lebensmittelindustrie zum Durchbruch verhelfen: Sie haben eine Schutzschicht entwickelt, die Gerüche, Wasserdampf und Sauerstoff blockiert. Zu sehen ist der Prototyp auf der Grünen Woche in Berlin. 

Bislang ist Bioplastik für die Lebensmittelindustrie wenig verlockend
Á

Bislang ist Bioplastik für die Lebensmittelindustrie wenig verlockend. Das könnte sich ändern. Bioabbaubare Funktionsschichten der Fraunhofer-Forscher sollen Waren künftig vor Gerüchen, Wasserdampf und Sauerstoff schützen. 

Foto: Fraunhofer ISC

Der Blick in den Testkomposter des Würzburger Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) beweist: Bereits nach sechs Wochen zeigt die neue beschichtete biologische Folie deutliche Zersetzungserscheinungen – sie ist kompostierbar. Das ist keineswegs selbstverständlich. Denn diese neuartige Verpackungsfolie ist mit einer hybriden Kunststoffbeschichtung auf Basis von Biopolymeren versehen. Und diese wirkt als Barriereschicht gegen Wasserdampf, Sauerstoff und Geruchsstoffen.

Bio-Kunststoffe als Verpackungen sind noch wenig zufriedenstellend

Der Nachteil heutiger Bio-Kunststoffe ist, dass sie schnell reißen und nicht wirklich biologisch kompostierbar sind. Bei Lebensmittelverpackungen aus Bio-Kunststoff kommt noch dazu, dass die Inhalte schnell den Geschmack anderer Lebensmittel im Regal annehmen.

Das europäische Projekt DibbioPack packt diese unbefriedigende Situation an: Ausgestattet ist das im März 2012 gestartete Forschungsprojekt mit 7,7 Millionen Euro. Mitbeteiligt ist das Würzburger ISC. „Wir hoffen, mit unserer Beschichtung kompostierbare Folien so veredeln zu können, dass nachhaltige Verpackungen genauso funktionieren wie herkömmliche und ein Erfolg am Markt werden“, sagt Sabine Amberg-Schwab, die am ISC den Fachbereich funktionelle Barriereschichten leitet.

Beschichtung aus Würzburg funktioniert wie ein Lack

Die ISC-Wissenschaftler um Sabine Amberg-Schwab blickten auf die Natur, um eine Lösung für das Problem zu finden. „Wir verwenden in unterschiedlichen Rezepturen Naturstoffe, die biologisch abbaubar sind und von sich aus eine gute Barrierewirkung entfalten“, erklärt sie. Nun haben sie eine Funktionsschicht mit namens bioORMOCER entwickelt, die wie ein einfacher Lack auf biologisch abbaubaren Folien aufgetragen werden kann.

Á

Jedes Jahr landen in Deutschland rund drei Millionen Kunststoffverpackungen im Müll. Weniger als die Hälfte davon landet in der Wiederverwertung. Der Durchbruch des Bioplastiks in der Lebensmittelindustrie könnte die Umwelt entlasten. 

Foto: dpa/David Ebener

Dieser Lack bildet dann die funktionale Barriere, hält Wasserdampf, Sauerstoff, Aromen oder auch chemische Substanzen vom Inhalt fern oder lässt sie umgekehrt nicht entweichen. BioORMOCER ist eine chemische Modifikation von Biopolymeren wie Cellulose und Chitosan, damit diese überhaupt zu verarbeiten sind. Die Schicht kann auch mit zusätzlichen Funktionen – zum Beispiel antibakteriellen – ausgestattet werden. Sie eignet sich somit für die Verpackung von Lebensmitteln, Kosmetika und Pharmazeutika. 

Jetzt geht es an den Praxistest

„Das neue Verpackungsmaterial muss genauso gut wie das sein, das dem derzeitigen Stand der Technik entspricht“, betont Amberg-Schwab. Im nächsten Schritt wollen die ISC-Forscher ihren Lack daher im Pilotmaßstab per Rolle-zu-Rolle-Verfahren auf bioabbaubare Folien aufbringen. Auf der Fachschau nature.tec der Grünen Woche, die vom 16. bis zum 25. Januar in Berlin stattfindet, präsentieren die Forscher einen Prototyp ihrer mit bioORMOCER beschichteten Folie.

Das ist ein großer Fortschritt: Denn bisher hat sich Bio-Plastik in Verpackungen noch nicht flächendeckend durchsetzen können. Leider. Denn jährlich werden in Deutschland fast drei Millionen Kunststoffverpackungen entsorgt. Kaum die Hälfte davon landet in der Wiederverwertung. Der übliche Weg ist die Verbrennung. Oder die Verpackung landet in der Natur. Bis sich eine Plastiktüte zersetzt hat, vergehen allerdings 400 Jahre. 

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden