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01.08.2013, 16:03 Uhr | 0 |

Eine Nuss bremst Klimawandel Wüstenpflanze könnte große Mengen Kohlendioxid binden

Aufforstungen mit der Purgiernuss könnten weltweit große Mengen Kohlendioxid binden und damit den Klimawandel abschwächen. Zudem könnten sie das Klima in Trockengebieten der Erde entscheidend verbessern. Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Hohenheim.

Jatropha curcas
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Der Strauch Jatropha curcas könnte in der Wüste plantagenweise angebaut werden. Die Pflanze beeinflusst das regionale Klima positiv, erhöht die Niederschläge und bindet große Mengen Kohlendioxid.

Foto: Wikipedia

Ein Strauch aus der Familie der Wolfsmilchgewächse mit dem wissenschaftlichen Namen Jatropha curcas ist die große Hoffnung der Klimaforscher der Universität Hohenheim. Die Purgiernuss wächst selbst auf kargen Wüstenböden, bindet dabei aber ungewöhnlich viel CO2. Die Hohenheimer Forschen haben errechnet, dass jedes mit der Purgiernuss aufgeforstete Hektar bis zu 25 Tonnen des Treibhausgases Kohlendioxid jährlich aus der Atmosphäre bindet.

In ihrer Studie stützen sich die Wissenschaftler auf verschiedene Computer-Modelle und nutzen zudem praktische Erfahrungen bestehender Pilotplantagen, in denen der Strauch schon unter Wüstenbedingungen in Ägypten und Indien sowie auf Madagaskar angebaut wurde. Dabei beobachteten die Forscher, dass Jatropha-Plantagen das regionale Klima positiv beeinflussen. Sie tragen zur Wolkenbildung bei und erhöhen die Wahrscheinlichkeit örtlicher Niederschläge.

Dies hat auch Folgen für den Anbau der Pflanze, die nicht gänzlich ohne Bewässerung auskommt. Doch die höheren Niederschlagsmengen reduzieren den künstlichen Wasserbedarf.

„Carbon Farming“ ist umweltfreundlich und effizient

Die Purgiernuss ist ein sukkulenter Strauch, der eine Höhe von bis acht Metern erreichen kann. Die Zweige sind von einer sich abschälenden Rinde bewachsen und tragen fünflappige Blätter an 10 bis 15 cm langen Stielen. Diese Pflanze benötigt nur sehr wenig Wasser. Trotz ihres üppigen Grüns kann sie gut auf kargen, trockenen Böden angebaut werden. Allerdings braucht die Pflanze geringe Wassermengen, weshalb die Forscher beispielsweise trockene Küstenregionen für geeignet halten, wo Meerwasser entsalzt und zur Bewässerung genutzt werden kann.

Wie groß das Klimapotential ist, zeigen Computerberechnungen, wonach bei Bepflanzung von nur drei Prozent der Wüstenfläche der arabischen Halbinsel der komplette CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs in Deutschland gebunden werden könnte.

Die Purgiernuss hätte aber auch enorme wirtschaftliche Effekte der meist armen Regionen, so die Forscher. Die Wüstenpflanze trägt nach wenigen Jahren schon ölhaltige Früchte. Zwar ist das Öl stark giftig und nicht für den Verzehr geeignet. Es ist aber als Energieträger geeignet und kann als Dieselersatz und Lampenöl genutzt werden. Da die Nuss auf Böden wächst, die für Lebensmittelanbau nicht geeignet sind, gibt es auch keine Bodenkonkurrenz mit Ackerpflanzen.  Zudem sorgte die Pflanze für eine Verbesserung der Böden. Insbesondere die bei der Ölpressung entstehenden Presskuchen lassen sich gut als Dünger einsetzen.

„Eine Fläche von rund einer Milliarde Hektar weltweit eignet sich für Carbon Farming“, schätzt der Agrarwissenschaftler Prof. Klaus Becker. „Damit ließe sich eine signifikante Menge des globalen Kohlendioxid-Ausstoßes seit der industriellen Revolution binden“.

Eine Tonne Kohlendioxid binden kostet 42 bis 63 Euro

Auch wirtschaftlich wäre die Wüstenbepflanzung lohnend. So liegen die Kosten für den Anbau laut  Studie zwischen 42 bis 63 Euro pro gebundener Tonne Kohlendioxid. Ähnlich hoch liegen die Kosten etwa bei der unterirdischen Kohlendioxid-Speicherung, für die die Industrieländer erhebliche Mittel aufbringen wollen.  

Um Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu binden, halten die Hohenheimer Forscher natürliche Methoden für deutlich wirksamer und sinnvoller als großtechnische Lösungen. „Aufforstung als Geo-Engineering Maßnahme erscheint uns als der effizienteste und umweltfreundlichste Ansatz, um den Kohlendioxid-Gehalt der Atmosphäre zu verringern“, so Prof. Volker Wulfmeyer. „Natürliche Prozesse sind technischen Maßnahmen meist überlegen.“

Bis der erste große Praxistest erfolgen kann, müssen noch weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Klären müssen die Wissenschaftler noch, ob eine Gefahr der Versalzung in der Wüste besteht und inwieweit sich das regionale Klima durch die Wüstenbegrünung tatsächlich verändern würde.

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Von Petra Funk
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