14.04.2014, 10:43 Uhr | 0 |

Minimale Bremse für Wirtschaft Weltklimarat: Erderwärmung lässt sich noch stoppen

Der Weltklimarat sieht noch Chancen, die Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Zwar müsse dafür schnell ein Wechsel zu klimafreundlichen Energien erfolgen. Doch der verlangsame das durchschnittliche Wirtschaftswachstum um lediglich 0,06 Prozent. 

Bis zum Jahr 2100 könnte die Erderwärmung um 4,8 Grad steigen
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Falls die Welt wie gewohnt weitermacht, sind die Folgen fatal: Bis zum Jahr 2100 steigt die Erderwärmung dann um 4,8 Grad. Der Süden Europas könnte dadurch zur Wüste werden. 

Foto: dpa/Tobias Kleinschmidt

Bis Mitte des Jahrtausends muss die Welt die Kohlendioxid-Emissionen um 40 bis 70 Prozent drosseln, um zu verhindern, dass sich die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad erhöht. Dieses Ziel lässt sich noch erreichen. Dazu müssten die Investitionen im Energiebereich drastisch umgeschichtet werden. Das ist eine der beiden Kernaussagen im jüngsten Bericht des Weltklimarats (IPCC), der am Sonntag in Berlin getagt hat. Die zweite lässt hoffen: Das Wirtschaftswachstum werde durch eine Umschichtung um gerade mal 0,06 Prozentpunkte verlangsamt. 

„Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten“

„Es kostet nicht die Welt, den Planeten zu retten“, zitiert die Welt Ottmar Edenhofer, Co-Vorsitzender des aktuellen IPCC-Berichts. Die Erfahrungen in Deutschland, dem Land, das am weitesten auf dem Weg weg von fossilen Energien zu sein scheint, sind allerdings andere. Die Kosten für Strom belasten die Menschen immer stärker. Energieintensive Unternehmen müssen massiv entlastet werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben und Arbeitsplätze zu erhalten. Die Elektromobilität kommt nicht vom Fleck, und zu allem Überfluss nimmt die Produktion von Kohlestrom noch zu, weil die Kosten sonst noch drastischer stiegen.

Weltweit sieht es noch schlimmer aus. Die Kohlendioxidemissionen waren nie höher als heute. Der Anstieg war nie größer als in den vergangenen zehn Jahren. Ein Ende dieser fatalen Entwicklung ist nicht abzusehen. Ehe emissionsfreie Techniken zur Strom- und Wärmeproduktion tatsächlich spürbare Entlastung bringen, sind gewaltige finanzielle Anstrengungen nötig. Nach Einschätzung von Experten werden diese in den ersten 10 bis 20 Jahren die Energiekosten weiter in die Höhe treiben.

Erde könnte sich um 4,8 Grad erwärmen 

Wenn die Welt jedoch weitermacht wie bisher, sind die Folgen nicht weniger fatal. Die Erwärmung stiege bis zum Jahr 2100 um bis zu 4,8 Grad, wobei es regional noch schlimmer kommen könnte. Auf lange Sicht werde es teurer, nichts oder wenig zu tun als energisch umzuschwenken, heißt es in dem Bericht. Die landwirtschaftlichen Anbauzonen beispielsweise würden sich dramatisch verschieben. Der Süden Europas etwa könnte zur Wüste werden. 

Für Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, ist der IPCC-Bericht wie ein Gong. Auf Klimaschutz zu verzichten, sei auch ökonomisch nicht zu verantworten. Deutschland bleibe bei seinem Weg, langfristig vollständig auf erneuerbare Energien zu setzen. Bisher wurden die Reduktionsziele allerdings nie erreicht. Bis 2020 soll, verglichen mit 1990, der Ausstoß an Treibhausgasen um 40 Prozent sinken. Auch diese Marke dürfte Deutschland deutlich verfehlen, obwohl es weltweit kein Land gibt, das mehr für den Klimaschutz tut.

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Von Wolfgang Kempkens
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