12.12.2013, 15:55 Uhr | 0 |

Böse Überraschung Treibhausgas PFTBA ist 7100-fach klimaschädlicher als CO2

Seit etwa 60 Jahren wird die Chemikalie Perfluorotributylamin (PFTBA) für die Herstellung elektronischer Geräte verwendet. Aber erst jetzt hat sich herausgestellt, dass es als Treibhausgas weitaus größeren Effekt auf die Klimaerwärmung hat als CO2.

PFTBA ist klimaschädlicher als CO2
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PFTBA hat den höchsten Strahlungswirkungsgrad, den Forscher jemals gemessen haben. Das Treibhausgas belastet die Atmosphäre 7100-fach stärker als Kohlendioxid. Derzeit lässt es sich auch nicht aus dieser entfernen.

Foto: dpa/Patrick Pleul

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts kommt die Chemikalie Perfluorotributylamin (PFTBA) unter anderem als wärmeleitende Substanz in elektronischen Geräten zum Einsatz. Das entstehende Treibhausgas ist schon seit Jahrzehnten in der Atmosphäre vorhanden, doch bislang war niemandem bewusst, welchen Schaden es dort anrichtet.

7100-fach umweltschädlicher als Kohlendioxid

Es trägt "stärker zur Wärmespeicherung bei als sämtliche bis heute gefundenen Chemikalien". Diese Schreckensnachricht kommt von Forschern der Universität von Toronto. Sie haben festgestellt, welch dramatische Auswirkungen das Gas auf die Umwelt hat und die Erkenntnisse auf der Internetseite der Fachzeitschrift Geophysical Research Letters veröffentlicht. PFTBA belastet die Atmosphäre 7100-fach stärker als das uns bekannte Kohlendioxid.

PFTBA lässt sich nicht mehr aus der Atmosphäre entfernen

Das Treibhausgas habe "eine sehr lange Lebenszeit, die sich vermutlich über mehrere Jahrhunderte erstreckt", erklärte Cora Young, Chemikerin aus dem Forscherteam. Alle Mittel, die bisher eingesetzt wurden, um Kohlendioxid entgegenzuwirken, seien hier wirkungslos. PFTBA lässt sich nicht aus der unteren Atmosphäre entfernen oder abbauen.

Allerdings kommt die Chemikalie in nur sehr geringen Konzentrationen vor. So konnten die Chemiker in der Luft Torontos nur 0,18 Teile PFTBA auf eine Trillionen Teile feststellen. Zum Vergleich: Die Konzentration von CO2 lag bei 400 Parts per Million.

Die kanadischen Forscher untersuchen in ihrem Arbeitsalltag, wie lange verschiedene Verbindungen in der Atmosphäre bleiben und wie sie sich auf diese auswirken. Dafür multiplizieren sie den jeweiligen Strahlungswirkungsgrad mit der Konzentration. Grundlage ihrer Forschung ist das bekannte Treibhausgas Kohlendioxid, das hauptverantwortlich ist für den durch Menschen verursachten Klimawandel. Ein weiteres, sehr viel stärker wirkendes Treibhausgas ist Methan.

Der derzeitige Klimawandel hat seine Ursache hauptsächlich in Treibhausgasen, die von Menschen freigesetzt werden. Sie verändern den Strahlungshaushalt der Erde und verringern die Wärmeabstrahlung. Kurzwellige Sonnenstrahlung behindern sie hingegen nicht. 

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Von Petra Funk
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