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29.06.2012, 11:00 Uhr | 0 |

Umwelt Sicherer Einsatz chlorierter Lösemittel mittels Chemikalienleasing

Ein serbisches Unternehmen optimiert die Reinigung von Kugellagern und Kardangelenken. Die Düsseldorfer Safechem steht ihm mit ihrer Expertise zur Seite. Für diese Zusammenarbeit wählten sie das Geschäftsmodell Chemikalienleasing. Dabei werden kritische Substanzen zusammen mit dem Know-how eines umweltverträglichen Einsatzes verkauft. Das reduziert den Chemikalienverbrauch und spart Geld.

Auf dem Gelände des serbischen Unternehmens FKL in Temerin nahe der Donaustadt Novi Sad in Serbiens Norden geht es ruhig zu. Nur ab und an schreit einer der dort lebenden 15 Pfauen. In den beiden Produktionshallen aber ist es laut. Kugellager und Kardangelenke werden dort hergestellt. ThyssenKrupp liefert den Stahl.

„Die Auftragsbücher sind voll“, sagt Geschäftsführer Dragan Rodíc. FKL ist eine serbische Erfolgsgeschichte, die 2009 mit der Privatisierung des staatlichen Autozulieferers begann. Heute produziert FKL sechs Tage die Woche in drei Schichten. Der Betrieb beschäftigt rund 650 Mitarbeiter. 95 % der Produkte werden ausgeführt. Fünf Abnehmer sitzen in Deutschland, andere in Italien oder Russland. Und: FKL will expandieren.

FKL trennt eingesetztes Lösemittel per Destillation zur Wiederverwertung

Zu verbessern sei immer etwas, meint Rodíc, zum Beispiel die Reinigung der Metallteile. Hier greift FKL auf ein umfassendes Servicepaket von Safechem, einer Tochter des US-Chemiekonzerns Dow Chemical, zurück. Worum geht es? FKL säubert mit chlorierten Lösemitteln die Kugellager und Kardangelenke von den beim Herstellen und Bearbeiten notwendigen Schneidölen. Diese Lösemittel sind wirksam, aber gesundheitsschädlich. Gereinigt wird in zwei Anlagen. Und einmal die Woche wird das Lösemittel per Destillation vom Öl getrennt und zum Teil wieder eingesetzt.

2010 stellte FKL vom Lösemittel Trichlorethylen (Tri) auf Perchlorethylen (Per) um. Da die Reinigungsanlage auf Tri ausgelegt ist, ergaben sich Probleme. „Der höhere Siedepunkt von Per – 121 °C – gegenüber Tri – 87 °C – beeinflusst die Destillation, bei der das Lösemittel vom Öl getrennt wird“, sagt Lionel Montémont. Er betreut für Safechem das FKL-Projekt.

Die höhere Temperatur kann dazu führen, dass sich Zusatzstoffe im Öl zersetzen und Säuren entstehen, durch die die Anlage sowie die Metallteile korrodieren. FKL vermeidet das, indem es nur wenig Lösemittel vom Schneidöl trennt und wieder einsetzt. Die Folge der ineffektiven Destillation aber ist, dass sich das Öl nur zu 5 % im Destillationssumpf anreichert. Die übrigen 95 % sind Sondermüll, dessen Entsorgung viel Geld kostet.

Weniger Sondermüll durch effektiveren Destillations-Prozess

Safechem hilft nun, diesen Prozess effizienter zu gestalten. Der Trick: Das Lösemittel wird in einer zusätzlichen Destille im Unterdruck vom Schneidöl getrennt bei weniger als 100 mbar siedet Per bereits bei rund 55 °C. „Dabei entstehen deutlich weniger unerwünschte Nebenprodukte“, betont Montémont. Zudem lasse sich bei Unterdruck das Lösemittel wirksamer vom Schneidöl trennen.

Das zahlt sich aus: Der Sumpf wird künftig zu mehr als 95 % aus Öl und zu weniger als 5 % aus Per bestehen. „Es werden bei FKL nur noch rund 5 t Sondermüll anfallen“, ist sich Montémont sicher. Zudem werde das Unternehmen mindestens 80 % weniger Per benötigen.

Für den sicheren Umgang mit dem Lösemittel wird FKL mehrere „Safe-Tainer“ nutzen. Das sind doppelwandige Sicherheitsbehälter aus Stahl. In einem Safe-Tainer liefert die Düsseldorfer Firma das Lösemittel. In einem anderen wird der Sumpf gesammelt, von Safechem abgeholt und zur Entsorgung weitergeleitet. In Temerin stehen zudem vier weitere Behältnisse. Mitarbeiter werden mit ihnen das Lösemittel von der Reinigungs- zur Destillationsanlage und zurück transportieren.

Damit die FKL-Mitarbeiter sicher mit dem Lösemittel umgehen sowie die Safe-Tainer und die zusätzliche Destille des deutschen Anlagenbauers Pero richtig bedienen, wird Montémont sie Mitte Juli ausbilden. Sie werden auch lernen, wöchentlich zu testen, wie viele Säuren sich im Lösemittel befinden. Dazu hat Dow eigens einen Test entwickelt. Übersteigt der Säuregehalt einen kritischen Wert, müssen die Mitarbeiter einen Stabilisator zusetzen, der die Säuren bindet und das Lösemittel wieder stabilisiert.

Von Chemikalienleasing-Modell profitieren beide Firmen gleichermaßen

Für ihre Zusammenarbeit haben sich FKL und Safechem für das Geschäftsmodel Chemikalienleasing entschieden. Der Kugellagerhersteller zahlt monatlich eine feste Leasinggebühr an Safechem und erhält dafür ein Servicepaket, das Lieferung und Rücknahme des Lösemittels, Lösemitteltests, Stabilisatoren, die Destillationsanlage sowie Beratungs- und Schulungsleistungen umfasst.

Mit dem geliehenen Know-how will FKL mindestens 30 % weniger für Metallreinigung und Abfallentsorgung ausgeben. Und Safechem erhält seinen ersten serbischen Kunden.

Von Ralph H. Ahrens | Präsentiert von VDI Logo
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