08.06.2013, 08:00 Uhr | 0 |

Weniger Fleisch, weniger Lebensmittelverschwendung Schone kleine Änderungen im Ernährungsverhalten helfen beim Klimaschutz

Rund 67 Mio. t an Treibhausgasen könnten jedes Jahr alleine dadurch eingespart werden, wenn die Bundesbürger ihren Fleischkonsum auf ein gesundes Maß reduzieren und weniger Lebensmittel auf den Müll werfen würden. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Naturschutzorganisation WWF, Berlin. Diese Einsparung an klimaschädlichen Treibhausgasen entspräche in etwa dem jährlichen Gesamtausstoß Portugals.

Blick in eine Mülltonne.
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Blick in die Mülltonne: Schon dabei lässt sich unschwer erkennen, dass zu viele Lebensmittel in der Tonne statt im Bauch landen. 

Foto: dpa/Patrick Pleul

Erstmals hat der World Wide Fund For Nature (WWF), Berlin, jetzt untersucht, wie stark unsere Ernährung dem Klima schadet. Die Ergebnisse der im November 2012 veröffentlichten Studie sind eindeutig. "Wer in der Mittagspause statt Schinkenbrötchen oder Hamburger, die Pasta mit Tomatensoße oder Ratatouille wählt, betreibt aktiven Klimaschutz", fasst Tanja Dräger de Teran, WWF-Referentin Klimaschutz und Ernährung, die Ergebnisse der Studie "Klimawandel auf dem Teller" zusammen. Selbst wenn jeder Bundesbürger nur einmal pro Woche auf Fleisch verzichten würde, könnte das noch zu einer jährlichen Einsparung von rund 9 Mio. t Treibhausgasemissionen führen. Dies entspreche umgerechnet 75 Mrd. Pkw-Kilometer.

Klimafußabdruck eines Durchschnittsdeutschen liegt bei jährlich rund elf Tonnen CO2

Würden die Deutschen zudem weniger Lebensmittel wegwerfen, ließen sich pro Kopf und Jahr Treibhausgasemissionen in Höhe von rund 800 kg CO2-Äquivalenten einsparen. Derzeit liege der Klimafußabdruck eines Durchschnittsdeutschen bei jährlich rund 11 t CO2.

Änderungen bei der Ernährung beeinflussen den Flächenverbrauch und auch die Höhe der freigesetzten Treibhausgase, wie Steffen Noleppa, Autor der WWF-Studie und Mitbegründer des Berliner Agripol-Netzwerks, anhand eines Beispiels verdeutlichte: Im Jahr 2010 verzehrte jede Person in Deutschland 677 kg an Nahrungsmitteln und damit rund 10 kg mehr als im Vorjahr. Dieser gering anmutende Anstieg erhöht laut Noleppa den Flächenbedarf Deutschlands zur Erzeugung von Nahrungsmitteln um 215 000 ha. Die zusätzlich benötigten Flächen werden im Ausland in Anspruch genommen. Allein 37 000 ha davon liegen in Südamerika, wo die geänderte Landnutzung etwa 5,6 Mio. t an CO2-Emissionen verursacht.

Kleiner Ernährungswandel mit großer Wirkung

Insgesamt erzeugt dieser vergleichsweise kleine Wandel unserer Ernährungsgewohnheiten einen Mehrausstoß an indirekten Treibhausgasemissionen von etwa 40 Mio. t. Dies vergrößert nach den Ergebnissen der Studie auch den bundesdeutschen Klimafußabdruck der Ernährung beträchtlich von 163 Mio. t CO2-Äquivalenten auf 203 Mio. t. Pro Person ist das ein Anstieg von ca. 2 t auf etwa 2,5 t CO2-Äquivalente. Anders formuliert: Rund 20 % des aktuellen Klimafußabdrucks der Ernährung sind durch jüngste Veränderungen im Nahrungsmittelkonsum und den damit zusammenhängenden Landnutzungsänderungen verursacht.

Noleppa: "Wer sich in Deutschland gesünder ernährt, betreibt aktiven Klimaschutz. Gerade unser Fleischkonsum und der dafür nötige Einsatz von Soja in der Tierfütterung sind entscheidend für die Größe unserer Fußabdrücke bei Flächenverbrauch und Ausstoß an Treibhausgasen." Eine gesündere Ernährung gemäß wissenschaftlichen Empfehlungen wirke sich entsprechend positiv auf den Ressourcen- und Klimaschutz aus.

Weltweit würden mehr als 1,8 Mio. ha – das entspricht der Größe Sachsens – an Flächen frei für andere Nutzungen. Zudem könnten 27 Mio. t CO2-Äquivalente an Treibhausgasen vermieden werden. Dies entspricht der Emissionsmenge von 2,3 Mio. Neuwagen bei einem EU-Emissionsgrenzwert von 120 g CO2-Ausstoß pro Kilometer und einer Gesamtfahrleistung von 100 000 km", heißt es in der WWF-Studie.

Sorgloser Umgang: Riesige Mengen landen auf der Müllkippe

Auch der sorglose Umgang der Deutschen mit Nahrungsmitteln wirkt nach den Erkenntnissen Noleppas unmittelbar aufs Klima. Denn die essbaren Lebensmittel, die auf deutschen Müllkippen landen, werden zuvor auf etwa 2,4 Mio. ha Ackerland angebaut. Dies entspricht einem Areal der Größe Mecklenburg-Vorpommerns.

Noleppa: "Eine derartige Landnutzungsänderung verursacht etwa 21,5 Mio. t  CO2-Äquivalente indirekter Treibhausgasemissionen. Hinzu kommen 18,7 Mio. t CO2-Äquivalente an direkten Emissionen, die vermieden werden, da deutlich weniger Nahrungsmittel produziert werden müssten." Insgesamt belaufen die eingesparten Emissionen damit auf etwa 40 Mio. t CO2-Äquivalente, wie der Landwirtschaftsexperte mit Schwerpunkt Massentierhaltung in der WWF-Studie feststellte. Es sei also aktiver Klima- und Flächenschutz, wenn wir Nahrungsmittel rechtzeitig verzehren würden statt sie verkommen zu lassen.

Noleppa: "Gelänge es, die Verbraucher in Deutschland davon zu überzeugen, weniger fleischbetont zu essen und zudem weniger essbare Nahrungsmittel wegzuwerfen, würden über 4 Mio. ha an Acker- und Grünland frei für andere Nutzungen." Die Verhaltensänderungen würden die Umwelt von bis zu 67 Mio. t CO2-Äquivalenten an Treibhausgasen entlasten. Das entspricht etwa der Schadstoffmenge von mehr als 5,5 Mio. Neuwagen mit einer Fahrleistung von 100 000 km." So könne jeder Deutsche durch eine derartige Verhaltensänderung jährlich Treibhausgasemissionen vermeiden, die etwa 7 % der durch ihn verursachten Gesamtemissionen entsprächen.   

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Von Rolf Müller-Wondorf | Präsentiert von VDI Logo
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