11.03.2014, 11:50 Uhr | 1 |

Drei Jahre Fukushima Radioaktives Meerwasser aus Fukushima hat amerikanische Ostküste erreicht

Vor Vancouver haben Wissenschaftler jetzt erste Spuren eines Cäsium-Isotops nachgewiesen, das durch die Atomkatastrophe von Fukushima vor genau drei Jahren in den pazifischen Ozean gelangt ist. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese radioaktiven Spuren die amerikanische Pazifikküste entlang fließen und Kalifornien erreichen. 

Der zerstörte Atomreaktor in Fukushima.
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Genau vor drei Jahren zerstörte ein verheerendes Erdbeben und ein Tsunami das Atomkraftwerk Fukushima.

Foto: Tepco

Das durch die Reaktorkatastrophe von Fukushima in den pazifischen Ozean gelangte radioaktive Material hat die kanadische Westküste erreicht. Vor Vancouver registrierten Forscher des Woods Hole Oceanographic Institute (WHOI) in Massachusetts erhöhte Mengen von Cäsium-134 und Cäsium-137. Das sind zwei Isotope, die bei der Atomkatastrophe vor genau drei Jahren in großen Mengen freigesetzt wurden. Noch ist die US-Küste nicht betroffen, die amerikanischen Wissenschaftler erwarten aber, dass die Kontamination nun zunehmen wird und sich weiter nach Süden ausbreitet.

Allerdings sind die jetzt gemessenen Konzentrationen so gering, dass keine gesundheitlichen Gefahren bestehen. Die Radioaktivität ist mit 0,9 Becquerel pro Kubikmeter nicht bedenklich. Sie liegt noch unter dem US-Grenzwert für radioaktives Cäsium in Trinkwasser von 28 Becquerel. „Diese Werte sind ganz klar noch keine biologische oder gesundheitliche Gefahr für Kanada“, betont John Smith vom Bedford Institute of Oceonography im kanadischen Dartmouth.

Radioaktives Wasser aus Fukushima hat sich stark verdünnt

Damit haben sich aber die Befürchtungen des vergangenen Jahres nicht bewahrheitet, dass das kontaminierte Wasser in einer Art Blase zur Ostküste fließt. Inzwischen hat sich das verstrahlte Wasser stark verdünnt. Allerdings gehen die Forscher in den USA davon aus, dass sich die radioaktive Belastung des an die Küste gespülten Wasser verstärken wird.

Wie genau sich die Radioaktivität im Pazifik entwickelt, wollen die US-Forscher aus Massachusetts durch das Projekt „Wie radioaktiv ist unser Ozean?“ erreichen. Forscher und Institute, aber auch Privatleute, sind aufgerufen, Standorte für Wasserproben voorzuschlagen. Die Analyse der Proben durch das WHOI soll durch Spenden finanziert werden.

„Das einzige Cäsium-134 im Nordpazifik stammt aus Fukushima“

Schon im Juni 2013 wurden im Pazifik leicht erhöhte Werte sowohl von Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von 30 Jahren als auch von dem kurzlebigeren Isotop Cäsium-134 mit einer Halbwertszeit von nur zwei Jahren festgestellt. Speziell dieses Cäsium-Isotop gilt Wissenschaftlern als eindeutiger Marker für die Herkunft aus der Atomruine von Fukushima. „Das einzige Cäsium-134 im Nordpazifik stammt aus Fukushima“, erklärt Ken Buesseler vom WHOI. Denn im Gegensatz zum langlebigen Cäsium-137, das auch durch vergangene Atomwaffentests in den Pazifik gelangte, kommt das kurzlebige Cäsium-Isotop normalerweise nicht im Meerwasser vor.

Mit den jetzt festgestellten Belastungen bestätigt sich die Prognose, die die Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung in Kiel schon am 9. Juli 2012 im Fachmagazin „Environmental Research Letters“veröffentlichten. Darin wagten die Kieler Forscher um den Diplom-Ozeanographen Erik Behrens die Prognose, dass das Cäsium-Isotop 137 aus den havarierten Reaktoren etwa drei Jahre brauchen, um die amerikanische Ostküste zu erreichen.

Der nach Nordosten fließende Kuroshio-Strom treibt Isotope nach Kanada

Aus ihren Simulationen konnten die Forscher ablesen, wie stark Strömungen, Wind und Wellen die radioaktiven Partikel im Ozean verteilt haben. Es ist vor allem der von Japan aus nach Nordosten fließende Kuroshio-Strom, der die Radionukleide vor die kanadische Küste transportiert. Dieser Kuroshio-Strom sorgt aber auch dafür, dass sich das verseuchte Wasser stark verdünnt.

Auch die Winterstürme haben das Meer ordentlich bis in eine Wassertiefe von 500 Meter durchmischt. Beide Faktoren zusammen sorgten in der Modellrechnung für eine rasche Abnahme der Cäsium-Konzentration.

Zehn Terabecquerel pro Kubikmeter Wasser gelangten in den Pazifik

„Die im März und April 2011 in den Pazifik geflossene Menge an Radioaktivität war mindestens dreimal so groß wie die, die 1986 infolge der Tschernobyl-Katastrophe in die Ostsee eingetragen wurde“, erläutert der Leiter des GEOMAR-Forscherteams, Claus Böning, in der Prognose des Instituts. Sie habe bei rund zehn Terabecquerel – zehn Billionen Becquerel – pro Kubikmeter Wasser gelegen. Nach der Tschernobyl-Katastrophe erreichten die Cäsiumwerte in der Ostsee bis zu 1.000 Becquerel pro Kubikmeter Wasser.

Die Forscher des GEOMAR-Zentrum in Kiel haben schon 2012 berechnet, dass radioaktiv belastetes Wasser aus Fukushima nach drei Jahren die Westküste Nordamerikas erreichen wird. Jetzt wurden erhöhte Caesium-Werte vor Vancouver gemessen. Der Film zeigt, wie das radioaktiv belastete Wasser bis zur Ostküste fließt und anschließend wieder den Weg Richtung Japan nimmt.

Heute ist die Belastung in der Ostsee auf etwa 20 Becquerel pro Kubikmeter Wasser. Das ist gegenüber dem Normalwert leicht erhöht, aber immer noch deutlich unter dem Grenzwert für Trinkwasser. Die jetzt vor der Ostküste Kanadas festgestellten Werte geben aber immerhin Entwarnung und zeigen, dass sich das radioaktive Material stark verdünnt hat und die Belastungen bereits heute unter denen in der Ostsee liegen.

Nach den Modellsimulationen des GEOMAR-Instituts Kiel wird die Cäsium-Belastung des Meerwassers vor der Ostküste auf 10 bis 20 Becquerel pro Kubikmeter Wasser abgesunken sein. Ein Vergleich: In Deutschland gilt ein Grenzwert von 600 Becquerel pro Kilogramm Nahrungsmittel – nur für Milch und Babynahrung gilt ein strengerer Grenzwert. 

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Von Detlef Stoller
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kommentare
07.04.2014, 17:54 Uhr Herbert Klupp
Es ist unglaublich, mit welchen unwissenschaftlichen Methoden, mit tendenzieller und unterstellender "Bericht"erstattung hier ein Popanz an die Wand gemalt wird. Wie der Wahrheitsgehalt gegen Null geht !

Beispielsweise könnte man dann auch von der "bevorstehenden Gefahr für deutsche Innenstädte und Parks durch vagabundierende Elefantenhorden" berichten. Man beschreibe detailliert die Gefahr, die von so einem Elefantenfuß oder - rüssel für Menschen ausgeht. Manchmal liegen doch Menschen auf dem Boden ! Gefahr für Penner, aber auch für Sonnenbadende. Jaja, das kann man alles beschreiben. Und es sollen ja auch schon Menschen in unsere Städten zerquetscht worden sein. Vielleicht (noch) nicht von Elefanten, aber es gibt Fälle, da weiß man es nicht. Also die Gefahr besteht jedenfalls ... Aber vielleicht schleicht sich am Ende auch mal ein Satz ein, der besagt, daß bis jetzt Elefanten nur in Zoos gesichtet wurden ...

Bei Herrn Detlev Stoller und seinem radioaktiven Elefantenszenario würde dem letzten (einzig realistischen) Satz dann der folgende Absatz entsprechen:

ZITAT ANF
Allerdings sind die jetzt gemessenen Konzentrationen so gering, dass keine gesundheitlichen Gefahren bestehen. Die Radioaktivität ist mit 0,9 Becquerel pro Kubikmeter nicht bedenklich. Sie liegt noch unter dem US-Grenzwert für radioaktives Cäsium in Trinkwasser von 28 Becquerel. „Diese Werte sind ganz klar noch keine biologische oder gesundheitliche Gefahr für Kanada“, betont John Smith vom Bedford Institute of Oceonography im kanadischen Dartmouth.
ZITAT ENDE



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