20.06.2014, 12:15 Uhr | 0 |

EU scheut schärfere Grenzwerte Quecksilberausstoß deutscher Kraftwerke ließe sich einfach halbieren

Die Stein- und Braunkohlekraftwerke in Deutschland könnten ohne große Probleme ihren hohen Quecksilberausstoß stark senken, ohne die Strompreise wesentlich zu erhöhen. Bei Einsatz aktueller Techniken, die bis zu 95 % des Quecksilbers aus dem Rauchgas entfernen, würde der Strompreis pro Kilowattstunde um lediglich 0,005 Cent steigen. Bei einem Durchschnittshaushalt mit 4000 kWh Verbrauch würde das eine Mehrbelastung von nur 20 Cent im Jahr bedeuten, berichtet die aktuelle Ausgabe der Wochenzeitung VDI nachrichten.

Kohlekraftwerk in Mehrum (Niedersachsen)
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Die Kohlekraftwerke in Deutschland sind für rund 70 Prozent aller Quecksilberemissionen verantwortlich

Foto: dpa/Daniel Reinhardt

„Das liegt im Bereich des Vernachlässigbaren“, sagte Wolfgang Esser-Schmittmann, Geschäftsführer der Firma Carbon Service & Consulting (CSC) in der Nähe von Köln. Der Hersteller von Aktiv- und Filterkohle und Spezialist für die Reinigung von Rauchgasen aus Kraftwerken hat die Kosten für die VDI nachrichten berechnet. Ein 1000-MW-Braunkohlekraftwerk brauche jährlich 500 Tonnen Aktivkohle, die jährlichen Betriebskosten lägen bei 400.000 Euro. Das wären 0,005 Cent pro Kilowattstunde. Das Erstaunliche: Obwohl die Technik bereits erprobt ist, scheut sich die EU, ähnlich scharfe Grenzwerte wie in den USA einzuführen.

Grüne wollen Pilotprojekte in NRW anstoßen

Wibke Bruns, energiepolitische Sprecherin der Grünen im nordrhein-westfälischen Landtag, will die Energiekonzerne des Landes dafür gewinnen, die verfügbaren Techniken schon anzuwenden. „Wir wollen durch Pilotprojekte zeigen, es geht technisch, es ist umsetzbar und es ist auch finanziell absolut im Rahmen“, sagte Bruns den VDI nachrichten.

5,2 Tonnen Quecksilber in einem Jahr in die Luft geblasen

Die Kohlekraftwerke in Deutschland sind für rund 70 % aller Quecksilberemissionen verantwortlich. 2012 haben die 46 Stein- und 23 Braunkohlekraftwerke knapp 5,2 Tonnen Quecksilber in die Luft geblasen. Größte Verschmutzer waren das Vattenfall-Braunkohlekraftwerk Jänschwalde mit 505 kg und das RWE Steag-Steinkohlekraftwerk Voerde mit 186 kg. „Mit dem Stand der Technik ließen sich diese Emissionen mehr als halbieren“, sagte Christian Tebert, Experte für Industrieemissionen bei der Hamburger Beratungsfirma Ökologie und Politik (Ökopol).

Neueste Verfahren mit Aktivkohle entfernen Quecksilber fast völlig

Mit neuesten Verfahren lässt sich das Quecksilber sogar fast komplett entfernen. Genutzt wird dazu Aktivkkohle, die mit 5 % bis 25 % Schwefelsäure oder 10 % an Bromsalzen benetzt wird. Damit reagiert das Quecksilber zu Salzen und ließe sich leicht entfernen. Der Quecksilbergehalt im Abgas lässt sich damit von mehr als 500 μg/m3 auf unter 10 μg/m3 senken, versichert Esser-Schmittmann. Nach diesem Verfahren arbeiteten schon mehr als 100 Anlagen in Europa.

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Von Axel Mörer-Funk
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