08.12.2015, 13:38 Uhr | 0 |

Jedes 2. Auto steht Peking erstickt im Smog: Produktion gedrosselt, Schulen geschlossen

So dreckig war die Luft in Peking in diesem Jahr noch nie: Die Luftverschmutzung ist aktuell so schlimm, dass die Hälfte der Autos nicht mehr fahren darf und die Industrieunternehmen ihre Produktion herunterfahren. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. 

Zum ersten Mal seit Einführung einer vierstufigen Gefahrenskala im Jahre 2013 haben die chinesischen Behörden schlimmste Alarmstufe Rot ausgerufen. Am Montag sind die Belastungen mit dem gefährlichsten Feinstaub mit weniger als 2,5 Mikrometer Durchmesser nach offiziellen chinesischen Angaben auf 242 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft gestiegen. Das gilt in China als „stark verschmutzt“.

Spitzenwerte von über 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter

Diese winzigen Staubteilchen gelten deshalb als so brandgefährlich, weil sie tief in die Lunge eindringen und über die Lungenbläschen in das Blut gelangen können. Sie gelten als Krebs auslösend. Der Grenzwert der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter, der als unbedenklich gilt, wurde damit um das Zehnfache überschritten. Alarmstufe Rot gilt bis Donnerstagmittag. Dann, so hoffen die Wetterexperten, ist der dunstige Spuk wieder weggeblasen.

Schon seit über einer Woche plagen sich die 22 Millionen Einwohner Pekings mit exorbitant hohen Feinstaubbelastungen. Spitzenwerte von über 1000 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft wurden nach offiziellen Messungen am Montag und Dienstag vergangener Woche gemessen. Das ist das 40-fache der WHO-Empfehlung. Der chinesische Künstler Nut Brother hat diese Smogbelastungen zum Anlass genommen, um daraus einen Ziegelstein zu backen.

Schulen und Kindergärten bleiben geschlossen

Staatsfernsehen und Rundfunk rieten den drei Millionen Einwohnern Pekings über 60 Jahren zu Hause zu bleiben. Allen anderen wurde empfohlen, ihre Atemschutzmasken wieder aufzusetzen. Der Autoverkehr wurde inzwischen eingeschränkt: Nun dürfen Autos je nach Nummernschild abwechselnd nur an geraden oder ungeraden Tagen fahren. Auch 30 % der Autos von Behörden müssen sich dieser Regel unterwerfen.

Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Arbeiten auf offenen Baustellen sind einzustellen. Heizkraftwerke und Boiler müssen stillgelegt werden, Fabriken werden geschlossen.

China ist der größte Kohlendioxid-Emittent

Die Nachricht passt ideal zur derzeit in Paris laufenden UN-Konferenz. Denn China gilt in internationalen Verhandlungen traditionell als Bremser in Sachen Klimaschutz. China gilt in diesen Konferenzen immer noch als Entwicklungsland. Dabei hat China heute mit seinem globalen Anteil von 24 Prozent am globalen Kohlendioxidausstoß den bisherigen Platzhirsch USA verdrängt. China ist der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen.

epa05059011 A child wearing protective mask against smog rides a scooter assisted by a relative in Beijing, China, 08 December 2015. City schools closed on 08 December as Beijing issued its first-ever smog red alert, advising residents to stay indoors and children not to go to school until 10 December lunchtime. The new alert issued by the city's emergency management headquarters represented the highest-level warning issued for the first time since a four-colour scale was introduced in 2013. EPA/ROLEX DELA PENA +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Kind mit Atemmaske in Peking: Wegen der enormen Luftverschmutzung sind Schulen und Kindergärten in Peking geschlossen.

Foto: Rolex Dela Pena/dpa

Peking hat nun versprochen, in Paris eine aktive und vor allem konstruktive Rolle einzunehmen, damit es am Freitag dieser Woche zu einem völkerrechtlich verbindlichen Klimavertrag kommt.

Täglich über 4000 Todesfälle wegen ungesunder Luft in China

Die enorme Umweltverschmutzung in China schadet aber nicht nur dem Klima. Für die Chinesen ist sie inzwischen lebensgefährlich: Tag für Tag sterben in China mehr als 4000 Menschen an den Folgen der Luftverschmutzung, das sind rund 1,5 Millionen pro Jahr. Todenursachen sind Lungenkrebs, Asthma und andere Atemwegserkrankungen. Angesichts dieser drastischen Zahlen dürfen sich die 17 schmutzigsten Städte Deutschlands fast als Luftkurorte anpreisen.

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Von Detlef Stoller
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