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23.07.2014, 06:51 Uhr | 0 |

Fundamente als künstliche Riffe Offshore-Windparks sind beliebte Jagdreviere für Seehunde und Robben

Windkraftanlagen im Meer vertreiben nicht etwa Robben und Seehunde – sie ziehen sie geradezu an. Britische Forscher haben im Windpark Alpha Ventus vor Borkum verblüfft beobachtet, dass die Tiere besonders gerne zwischen den Windkraftanlagen auf Jagd gehen. Die Fundamente der Türme wirken offenbar wie künstliche Riffe, die den Meeressäugern gute Beutereviere bieten. 

Der Windpark Sheringham Shoal vor der britischen Küste
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Der Windpark Sheringham Shoal vor der britischen Küste: Offenbar wirken die Fundamente der Windkraftanlagen im Meer wie künstliche Riffe und bieten neue Lebensräume. Deshalb gehen Robben und Seehunde besonders gerne in Windparks auf Jagd.

Foto: Sheringham Shoal

Vor der deutschen Nordseeküste beobachten Forscher seit längerer Zeit, dass Seehunde und Kegelrobben gerne zu Offshore-Windkraftanlagen schwimmen, um dort auf Jagd zu gehen. Lange gingen die Forscher davon aus, dass Offshore-Anlagen eher Nachteile für die Meeresbewohner bringen und sie vertreiben.

Jagdverhalten durch GPS-Sender dokumentiert

Doch bislang handelt es sich mehr um Beobachtungen und Vermutungen, als um gesicherte Erkenntnisse, dass die großen Meeresbewohner von den Windkraftanlagen angezogen werden. „Insbesondere zu den Auswirkungen auf die Top-Räuber der marinen Nahrungsketten sind die Daten bisher sehr beschränkt", erklären Deborah Russell und ihre Kollegen von der britischen University of St Andrews.

ACHTUNG: DIESER BEITRAG DARF NICHT VOR DER SPERRFRIST, 21. Juli, 18.00 UHR, VERÖFFENTLICHT WERDEN! EIN BRUCH DES EMBARGOS KÖNNTE DIE BERICHTERSTATTUNG ÜBER STUDIEN EMPFINDLICH EINSCHRÄNKEN. HANDOUT - Das Handout zeigt einen Seehund mit einen GPSempfänger und einer Sendeeinheit. Seehunde und Kegelrobben werden bei der Futtersuche von Offshore-Windanlagen angezogen. Foto: Current Biology Russell et al./dpa (zu dpa-KORR. "Manche Seehunde jagen gezielt an Windkraftanlagen" vom 21.07.2014 - ACHTUNG: Nur zur redaktionellen Verwendung im Zusammenhang mit der aktuellen Berichterstattung und nur mit dem Hinweis auf die Quelle: Current Biology Russell et al./dpa) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Seehund mit einem GPS-Empfänger und Sendeeinheit: Forscher der britischen University of St Andrews haben 120 Seehunde und Kegelrobben in der Nordsee mit Sendern ausgerüstet, um ihre Bewegungen aufzuzeichnen.

Foto: Current Biology, Russell et al./dpa

Um das Phänomen besser beobachten zu können, befestigten die britischen Forscher GPS-Sender an 120 Seehunden und Kegelrobben an den Küsten Großbritanniens und der Niederlande. Dadurch konnten die Wissenschaftler die Bewegungen der Tiere in der See genau dokumentieren. Vor den beiden Küsten liegen die Offshore-Windparks Alpha Ventus etwa 45 Kilometer vor der deutschen Insel Borkum und Sheringham Shoal vor der britischen Küste.

Zum Erstaunen der Forscher scheinen es die Tiere zu lieben, regelmäßig zwischen den Turbinen zu schwimmen und auf Jagd zu gehen. Dabei bewegten sich einzelne Tiere völlig zielgerichtet von einer Anlage zur nächsten weiter. Sie folgten auch gerne unterseeischen Pipelines vor der schottischen Küste und waren zum Teil mehrere Tage unterwegs. Dabei spielten Geschlecht und Alter der Tiere keine Rolle. „Diese Tiere suchten zudem auch außerhalb nach Beute, so dass es unwahrscheinlich ist, dass sich dort nur diejenigen aufhalten, die anderswo keinen Erfolg haben", betonen die Forscher.

Künstliche Riffe bieten neue Beutegebiete

Muscheln, Seesterne, Seeanemonen, Seelilien und Fische siedeln sich entlang der Fundamente der Windturbinen an und bieten den Tieren somit ein neues Beutegebiet, erklärt auch das Bundesamt für Seeschiffahrt und Hydrographie und widerlegt damit bisherige Befürchtungen über die Gefahren für Meeresbewohner durch große Windparks auf dem Meer.

Auch die Gefahren für die Zugvögel scheinen nicht so hoch zu sein wie vermutet. Da die Zugvögel eher breitflächig über die Nordsee fliegen und sich nicht an bestimmte Zugstraßen halten, gibt es keine Zusammenstöße mit den Turbinen. Wie es bei schlechter Wetterlage aussieht, wurde bisher noch nicht geklärt. 

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Von Petra Funk
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