28.10.2013, 16:06 Uhr | 0 |

Simulation des Jetstreams Neues Frühwarnsystem soll vor Hitzetod bewahren

Sengende Hitze fordert jedes Jahr weltweit tausende Todesopfer. Ein neues Frühwarnsystem aus den USA soll Hitzewellen 20 Tage vor Beginn erkennen können. Die Feuertaufe in der Praxis steht allerdings noch aus.

Temperaturanzeiger meldet 48 Grad Celsius.
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Gefährlich hohe Temperaturen: Amerikanische Forscher arbeiten an einem Frühwarnsystem, mit sich Hitzewellen 20 Tage vor Beginn erkennen lassen.

Foto: dpa/Jesús Carvajal

Allein in den USA starben im Juli vergangenen Jahres über 70 Menschen, als das Thermometer über die 40-Grad-Marke hinausschoss. Doch mit Frühwarnungen tun sich Meteorologen schwer. Denn Luftströme in der Atmosphäre der mittleren Breiten galten bislang als zu chaotisch, um aus ihrem Verhalten mehrere Wochen im Voraus den Beginn einer Hitzewelle vorherzusehen. Nun hat ein US-amerikanisches Forscherteam im vermeintlichen Chaos ein Muster entdeckt, das zukünftig Leben retten könnte. 

Die Wissenschaftler um Haiyan Teng vom nationalen Zentrum für Atmosphärenforschung in Colorado starteten mit tausenden von Wetterdaten eine Simulation über einen Zeitraum von 12.000 Jahren. Im Fokus des Modells stand dabei der Jetstream, eine Starkwindzone in mehreren Kilometer Höhe. Die Forscher stellten fest, dass vor jeder Hitzewelle ein typisches Muster auftritt: fünf großflächige Hochdruckgebiete in Folge, aufgereiht wie in einer Perlenkette.

Frühwarnsystem muss sich in der Praxis erst noch bewähren

Mit einem statistischen Verfahren ist es in der Simulation nun möglich, Hitzewellen frühzeitig am Verhalten des Jetstreams zu erkennen. Mit einer Vorlaufzeit von bis zu 20 Tagen. Die Praxisumsetzung bereitet den Forschern allerdings Kopfzerbrechen: Als sie die Ergebnisse ihres Modells mit Wetterdaten der letzten 60 Jahre verglichen, stellten sie zwar auch dort fünf Hochdruckgebiete vor Hitzewellen fest. Allerdings waren diese weit weniger ausgeprägt als in ihrer Simulation. Möglich sei deshalb, dass die extremen Wetterphänomene größtenteils auf andere Faktoren zurückzuführen sind – etwa auf Temperaturunregelmäßigkeiten an der Meeresoberfläche oder auf besondere Bedingungen an der Landoberfläche. Zwar nicht alle, aber doch wenigstens einige Wellen könnten sich deshalb dank des neuen Modells zukünftig rechtzeitig identifizieren lassen.

Deutschland muss sich frühzeitig auf neue Wetterextreme vorbereiten

Insgesamt scheint es auf unserem Planeten heißer zu werden. So war das vergangene Jahrzehnt das wärmste seit Beginn regelmäßiger Aufzeichnungen im Jahre 1850, berichtet die Weltorganisation für Meteorologie (WMO). Und zwar auf der Nord- und Südhalbkugel gleichermaßen. Der aktuelle WMO-Bericht macht hierfür insbesondere die erhöhte Konzentration klimarelevanter Treibhausgase wie Kohlendioxid, Methan und Stickoxiden in der Luft verantwortlich. Auch Deutschland müsse sich auf Wetterextreme vorbereiten, sagt Paul Becker, Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes: „Höhere Durchschnittstemperaturen werden für mehr und intensivere Wetterextreme sorgen. Darauf muss sich Deutschland frühzeitig und richtig vorbereiten.“ 

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Von Patrick Schroeder
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