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22.04.2015, 08:55 Uhr | 0 |

Reaktion auf Studie NABU zeigt Wege aus der Plastikmüll-Falle

Deutschland droht im Plastikmüll zu versinken. Zu diesem Ergebnis kommt eine vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) beauftragte Studie. Die zeigt jedoch auch Wege aus der Plastikmüll-Falle auf.

Deutschland droht die Plastikflut
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Deutschland droht die Plastikflut: Entwickelt sich der Konsum weiter wie bislang, sind in fünfzehn Jahren 12.227.000 Tonnen an Kunststoffen im Umlauf. 28 Prozent mehr als 2013.

Foto: Angelika Warmuth/dpa

Die Ergebnisse der Studie, die das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt, Energie im Auftrag des NABU verfasst hat, überraschen nicht, alarmieren aber: Wenn sich der Einsatz von Kunststoff in Deutschland so weiterentwickelt wie bisher, wird 2030 eine Gesamtmenge von 12.227.000 Tonnen an Kunststoffen im Umlauf sein. Das sind laut Studie rund 28 Prozent mehr als im Jahr 2013.

Am meisten Plastik wurde mit 4.115.000 Tonnen 2013 in der Verpackungsbranche gebraucht, zehn Jahre zuvor waren es noch 3.498.000 Tonnen. Als zweitgrößten Nutzer von Kunststoffen haben die Autoren der Studie die Baubranche ausgemacht: Mit 2.760.000 Tonnen im Jahr 2013 im Vergleich zu 2.491.000 Tonnen in 2003 liegt sie vor der Fahrzeugbranche mit 1.180.000 Tonnen in 2013 im Vergleich zu 954.000 Tonnen zehn Jahre zuvor. Und auch Plastiktüten sind ein Ärgernis: Nach Angaben der Europäischen Kommission verursachten allein die im Jahr 2010 in der EU über 98 Milliarden genutzten Plastiktüten jeweils CO2-Emissionen von 1,58 Kilogramm pro Stück, insgesamt also rund 15 Millionen Tonnen CO2.

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Plastiktüte am Strand: Plastik, das im Meer schwimmt, vergiftet mit Plastikpartikeln Lebewesen und setzt bei der Verwitterung Schadstoffe frei.

Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Einhergehend mit der Zunahme an eingesetzten Kunststoffen wird auch der Plastikmüll zunehmen, der sich schon heute in verheerendem Ausmaß vor allem in den Weltmeeren sammelt, wo Mikroplastik, also Kunststoffteile die kleiner als fünf Millimeter sind, Lebewesen vergiftet. Kunststoffteile in der Natur gelangen auch in die Nahrungskette und setzen bei Verwitterungsprozessen über Hunderte von Jahren Schadstoffe frei.

Biopolymer aus Milcheiweiß als mögliche Alternative

Neun Optionen haben die Wissenschaftler zur Einsparung von Kunststoffen ermittelt. Dazu zählt unter anderem, Kunststoffe durch erneuerbare Rohstoffe zu ersetzen. Zum Beispiel verweist die Studie auf eine neuartige Technologie der Qmilch Deutschland zur Herstellung eines Biopolymers, das aus dem Milcheiweiß Kasein besteht und aus Rohmilch hergestellt wird. Es sei ohne zusätzliche Hilfsmittel biologisch abbaubar, rohölfrei und besitze obendrein antiallergische und antibakterielle Eigenschaften, eigne sich also auch für antibakterielles Spielzeug für Kinder oder für Endprodukte der Medizintechnik.

Den Kunststoffeinsatz durch Optimierung von Produktionsprozessen zu verringern, recycelte Kunststoffe – so genannte Rezyklate – einzusetzen, oder den Anteil von Kunststoffen bei Verpackungen zu reduzieren, seien weitere Optionen, Plastik zu sparen.

Bürger sollen leihen statt kaufen

Zwei Ansätze der Wissenschaftler zielen auf eine Änderung von Konsummustern: zum einen eine Verlängerung der Nutzungsdauer elektronischer Produkte durch Secondhand und Reparaturangebote – ein Ansatz, der unter dem Begriff ReUse zusammengefasst wird. Und zum anderen eine Stärkung von Dienstleistungen als Ersatz für die Anschaffung kunststoffhaltiger Produkte. Diese sogenannten Product Service Systems kann man auch unter der Überschrift „Leihen statt Anschaffen“ zusammenfassen.

Faktisch komme gerade die Vermeidungsoption bei derzeitigen Konsumformen nicht oder nur bei sensibilisierten Personen und Unternehmen vor, resümiert der NABU die Studie. Wirtschaft und Politik seien gefordert, lang haltbare, reparierbare Produkte und Mehrwegsysteme nachzufragen und eine Sharing-Economy zu fördern. Weil sich diese Lösungen nicht von allein entwickelten, sei insbesondere die Politik gefragt, ein dahin lenkendes Ordnungsrecht und ökonomische Anreize zu schaffen.

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Von Susanne Neumann
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