17.12.2015, 12:30 Uhr | 0 |

VW unter neuem Verdacht Manipulieren auch BMW und Daimler Abgaswerte?

Nutzen Daimler und BMW genau wie VW eine Manipulationssoftware für bessere Abgaswerte? Zumindest stehen die Autobauer nach einem Abgastest unter Verdacht. Lesen Sie hier, was die Deutsche Umwelthilfe und das ZDF herausgefunden haben. 

BMW Dreier im Testbetrieb des ZDF
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Das ZDF und die Deutsche Umwelthilfe haben drei Diesel-Modelle – einen BMW Dreier, eine Mercedes C-Klasse und einen VW Passat – in einem Schweizer Labor und auf der Straße getestet. Die Abweichungen auf der Straße sind so hoch, dass Experten die Frage aufwerfen, ob auch BMW und Mercedes Software einsetzen, um Abgaswerte zu beeinflussen.

Foto: ZDF/Frontal 21

Nutzen auch andere deutsche Autobauer Manipulationssoftware in ihren Fahrzeugen, um Abgaswerte zu schönen? Das will die Deutsche Umwelthilfe herausfinden. Gemeinsam mit dem ZDF-Magazin Frontal 21 hat sie deswegen die Schweizer Abgasprüfstelle eingeschaltet. Sie untersuchte die Abgaswerte eines Mercedes C 200 CDI Blue Efficiency (Erstzulassung 2011), eines BMW 320d (Erstzulassung 2009) und eines VW Passat 2.0 TDI Blue Motion (Erstzulassung 2011) – einmal auf dem Rollenprüfstand, einmal während der Fahrt. Dabei fand sie einige Unstimmigkeiten.

Straße vs. Labor: Stickoxid-Emission liegen um ein Vielfaches höher

Auf dem Rollenprüfstand hielten alle Fahrzeuge die Abgasnorm Euro 5 ein, die bei Stickoxiden (NOx) einen Grenzwert von 180 mg/km vorschreibt. Der VW Passat stieß 127 mg/km aus, die Modelle von BMW und Mercedes jeweils 154 mg/km. Anschließend fuhren die Prüfer mit den Fahrzeugen auf ein stillgelegtes Flughafengelände und wiederholten die Messung mit einem mobilen Messgerät (PEMS).

Dabei stellten sie hohe Abweichungen fest: Der BMW 320d stieß plötzlich das 2,8-Fache des Laborwerts aus (428 mg/km), der Mercedes das 2,7-Fache (420 mg/km). Der VW Passat mit integrierter Manipulationssoftware erreichte 471 mg/km – das 3,7-Fache des Laborwerts.

Zwar ist es nicht ungewöhnlich, dass die NOx-Emissionen auf der Straße höher liegen als im Labor. Doch das Ausmaß sorgt bei Experten für Stutzen. „Unterschiede bei den NOx-Werten würde ich erwarten, aber eben nicht in der Größenordnung“, sagt Kai Borgeest, Professor vom Zentrum für Kfz-Elektronik der Universität Aschaffenburg, gegenüber dem ZDF-Magazin Frontal 21. „Technisch ist es denkbar, dass auch die anderen Hersteller, die getestet wurden, Abschaltvorrichtungen in unterschiedlicher Art und Weise verwendet haben – sprich Funktionen der Software, die den Zyklus erkennen. Das wäre dann illegal.“ Die Deutsche Umwelthilfe fordert eine Aufklärung von den Behörden.

BMW und Daimler weisen Kritik scharf zurück

Daimler und BMW wehren sich gegen den Verdacht. „Bei der BMW Group wird nicht manipuliert“, äußert sich BMW gegenüber Frontal 21. „Bei unseren Fahrzeugen wird in der Abgasbehandlung nicht zwischen Rollen- und Straßenbetrieb unterschieden.“ Auch Daimler sagte, dass ein sogenanntes „Defeat Advice, sprich eine Funktion, die die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig einschränkt, bei Mercedes nicht zum Einsatz kommt.“

Die Autobauer kritisieren darüber hinaus den Testaufbau und halten die Messergebnisse auf der Straße und im Labor für nicht vergleichbar. Daimler erklärt die Abweichungen mit unterschiedlichen Temperaturverhältnissen, Fahrzeuglasten und Nebenverbrauchern.

Gläserne Manufaktur: VW stellt Produktion des Phaeton ein

Und was gibt es bei VW Neues? Keine guten Nachrichten kommen aus Dresden: Der Konzern will die Produktion des Modells Phaeton 2016 einstellen und das Werk – die Gläserne Manufaktur – bis 2017 für die Produktion des E-Phaeton umbauen. Die 502 Mitarbeiter müssen allerdings nicht um ihre Jobs fürchten. 100 Angestellte sollen sich weiterhin um Besucherverkehr und Fahrzeugauslieferungen kümmern, den Rest verteilt der Konzern für das produktionsfreie Jahr auf andere Standorte – vornehmlich Zwickau. Gleichzeitig lässt er Leiharbeitsverträge auslaufen.

VW sieht sich zudem einem weiteren Vorwurf ausgesetzt: Das Europäische Amt für Betrugsbekämpfung (OLAF) ermittelt gegen den Konzern wegen Zweckentfremdung von EU-Geldern. Laut Süddeutscher Zeitung heißt es in EU-Kreisen, das Amt interessiere sich dafür, „ob Volkswagen EU-Mittel für Forschung und Entwicklung zweckentfremdet und möglicherweise rechtswidrig eingesetzt habe“. Die Europäische Investitionsbank hat dem Konzern seit 1990 rund 4,6 Milliarden € an vergünstigten Krediten bewilligt. VW hat die Vorwürfe bislang nicht kommentiert. 

Aktuelle News rund um den VW-Skandal lesen Sie hier im Ticker

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Von Patrick Schroeder
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