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25.09.2013, 15:55 Uhr | 0 |

Forschungsverbund „Verlust der Nacht“ Kunstlicht und Lärm lassen Amseln früher singen

Wo es besonders laut und hell ist, fangen sie früher an zu zwitschern: Straßenlärm und künstliches Licht sorgen dafür, dass Vögel in Stadtzentrenfrüher aktiv werden als in ruhigeren Gegenden. Das stellten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) mit einer Untersuchung an mehr als 400 Leipziger Amseln heraus.

Biologin Anja Ruß mit einer von rund 400 Amseln, die sie für ihr Projekt beobachtet hat.
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Biologin Anja Ruß mit einer von rund 400 Amseln, die sie für ihr Projekt beobachtet hat. 

Foto: André Künzelmann/UFZ

Amselmännchen markieren ihr Revier mit ihrem Gesang und verteidigen es auch damit. Der Lärm von Autos und Straßenbahnen stört sie dabei. Damit sie nicht übertönt werden, weichen sie auf ruhigere Tages- bzw. Nachtzeiten aus, wenn kein Berufsverkehr unterwegs ist. Bis zu fünf Stunden vor Sonnenaufgang beginnen die Amseln im Leipziger Stadtzentrum ihren Tag, höchstens zwei Stunden vor Sonnenaufgang werden ihre Artgenossen in den ruhigeren und dunkleren Stadtparks wach. Das ergaben die Messungen, die die Biologin Anja Ruß vom UFZ zusammen mit Studenten durchführte. Zwei Jahre lang beobachtete sie eweils über 15 Wochen im Frühjahr das Verhalten von Amseln in Leipzig. Zwischen 1.30 Uhr und Sonnenaufgang registrierten sie die Gesangsaktivitäten von mehr als 400 Amselmännchen und zeichneten ihre Aktivitätsmuster auf.

Neben den Geräuschen machte die Forschergruppe auch einen Zusammenhang zwischen der Beleuchtung und dem Beginn des Amselgesangs aus. „Beim künstlichen Licht konnten wir besonders bei niedrigen Werten einen linearen Zusammenhang mit dem früheren Beginn des Amselgesangs finden, der aber scheinbar einen Schwellenwert erreicht. Wenn dieser überschritten wird, führt mehr Licht nicht zu noch früherem Gesang“, erklärt Anja Ruß.

Amseln holen versäumten Schlaf nach

Ein weiteres Ergebnis der Untersuchung: Im Verlauf der Brutsaison schlafen auch die Frühaufsteher unter den Amseln wieder länger. „Das kann einerseits daran liegen, dass früh in der Saison Revierverteidigung und das Anlocken von Weibchen von hoher Bedeutung ist, sobald sich aber Reviere und Paare etabliert haben, die Notwendigkeit des frühmorgendlichen extensiven Gesangs nachlässt“, so Anja Ruß. Als mögliche weitere Erklärung sieht die Biologin den Schlafmangel der Vögel. „Es könnte sein, dass sie wenigstens ein Minimum an Schlaf brauchen und deshalb in den kurzen Nächten im Mai und Juni nicht noch früher mit Singen anfangen können.“

Forschungsverbund „Verlust der Nacht“

Die Untersuchung des UFZ ist ein Projekt des interdisziplinären Forschungsverbunds „Verlust der Nacht“. Der Forschungsverbund untersucht die Auswirkungen der Lichtverschmutzung durch zu viel künstliches Licht in der Nacht. Was Luft-, Lärm- oder Gewässerverschmutzung sind, weiß jeder. Aber erst langsam wächst das Bewusstsein, dass auch Lichtverschmutzung Ökosysteme bis hin zur menschlichen Gesellschaft weitreichend verändern kann. In den vergangenen drei Jahren hat dazu der interdisziplinäre Forschungsverbund „Verlust der Nacht“ unter Leitung des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) Pionierarbeitet geleistet.

Die Untersuchung der Amseln gehört zum Teilprojekt „BILL“ (Birds in ILluminated Landscapes). UFZ Projektleiter Reinhard Klenke  hat bereits mehrere vergleichende Untersuchungen unterschiedlicher Lichteinflüsse auf Vogelpopulationen durchgeführt. „Zu den Auswirkungen von Licht oder Lärm auf Vögel hat es bereits einige Studien gegeben. Unsere Studie kombiniert aber erstmals beide Faktoren, die nicht nur für uns Menschen Stress bedeuten, sondern auch für die Tiere in der Stadt“, unterstreicht der Biologe.

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Von Andrea Ziech
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