03.12.2015, 15:45 Uhr | 0 |

STAUB GESAMMELT Künstler backt Ziegelstein aus dem Dreck der Luft in Peking

Aus dem berüchtigten Pekinger Smog hat der chinesische Künstler Nut Brother einen Ziegelstein gebaut. Die Aktion soll auf die immer noch extreme Luftverschmutzung aufmerksam machen und erinnert an den niederländischen Künstler Daan Roosengaarde, der Pekings Luft säubern wollte – so ganz weit ist er damit noch nicht gekommen.

Nut Brother mit Industriesauger im Smog von Peking auf dem Platz des Himmlischen Friedens
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Nut Brother zog 100 Tage mit seinem Industriesauger durch Peking, um Partikel aufzufangen. Sogar Partikel vom Platz des Himmlischen Friedens hat Nut aufgefangen und zu einem Kunstobjekt verarbeitet.

Foto: Nut Brother

Angeblich sterben in China jedes Jahr eine halbe Million Menschen durch die Folgen der Luftverschmutzung. Andere Studien sprechen sogar von 1,2 Millionen Smog-Opfern. Jedes Jahr wird demnach etwa die Bevölkerung einer Stadt wie München ausradiert, durch Lungenkrebs, Asthma und andere Atemwegserkrankungen. Und längst darf sich Peking mit dem Siegel der Weltgesundheitsorganisation WHO schmücken, die schmutzigste Stadt der Welt zu sein.

Sogar chinesische Forscher haben der Hauptstadt bereits attestiert praktisch unbewohnbar zu sein.

Die offizielle Politik leugnet das Problem längst nicht mehr, ist es doch allzu offensichtlich. Doch die Maßnahmen der Regierung verfangen bisher kaum. So lange das Land zwei Drittel seines gewaltigen Energiebedarfs aus Kohle deckt, wird der Smog nicht verschwinden. Der Künstler Nut Brother hat nun mit einer besonderen Aktion auf die dramatische Lage besonders in der Hauptstadt selbst hingewiesen.

Staub mit viel Lehm vermischt

Eigentlich kommt der Mann, dessen Künstlername so etwas wie „Verrückter Bruder“ heißt, aus Shenzhen. Das ist eine der gewaltig boomenden Städte in China, mit derzeit etwa 14 Millionen Einwohnern. In fast jedem Handy auf der Welt steckt Elektronik aus Shenzhen. Smog ist hier Alltag. Vor einigen Jahren ging der heute 34 Jahre alte Mann nach Peking, wo die Luft noch schlechter ist.

Im Juli dieses Jahres kündigte er an, 100 Tage lang durch die Hauptstadt zu laufen und Staub aufzusaugen. Nun zeigt er Fotos, wie er mit einem Industriestaubsauger auf Rollen durch die Straßen zieht und den Saugkopf in den Himmel reckt.

Nach 100 Tagen hat er genug Staub gesammelt, um daraus einen Ziegelstein zu backen. Na ja, im Grunde reicht es nur für einen größeren Kiesel. Der verrückte Bruder vermischte den Dreck mit Lehm und ließ einen Ziegel herstellen. Künstlerisch besonders wertvoll? Politisch besonders wirksam? Wohl eher nicht.

Passanten hielten ihn für offiziellen Luftreiniger

Der Mann will Menschen dazu bringen, mehr über Umweltschutz nachzudenken. Tatsache ist, dass der Ziegelstein zum größten Teil eben aus Lehm gebacken ist. Außerdem besteht das große Gesundheitsproblem natürlich im lungengängigen Feinstaub, nicht in dem relativ groben schwarzen Dreck. 

Dennoch: Der Künstler findet einige Resonanz mit der Kampagne. Und beim Staubsammeln selbst machte er interessante Erfahrungen: Die einen Passanten hielten ihn für einen Beamten, der die Luftqualität misst, die anderen für einen, der im offiziellen Auftrag die Luft reinigt. Für einen „Verrückten Bruder“ hielten ihn offenbar die wenigsten.

Die Luft in der chinesischen Hauptstadt jedenfalls symbolisch oder fleckchenweise zu reinigen, das hatte sich vor einem Jahr schon der niederländische Künstler Daan Roosengaarde vorgenommen. Dazu baut er mit einem Team am „größten Smog-Staubsauger der Welt“. Außerdem will er Türme errichten, die als kleine Frischluftinseln inmitten des Drecks dienen. In Rotterdam zumindest steht jetzt schon mal ein solcher Turm.

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Von Werner Grosch
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