16.10.2013, 15:30 Uhr | 0 |

Klimawandel Kranke Meere: Ökosysteme werden weniger produktiv

Fast in allen Weltmeeren wird sich der Klimawandel bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf sehr folgenreiche Art bemerkbar machen. In einer Studie der Universität Hawaii, geht es diesmal aber nicht um ansteigende Meeresspiegel, sondern vor allem um bio- und geochemische Veränderungen. Die Forscher nennen ihre Prognosen selbst „beängstigend“.

Korallen
Á

Korallen wachsen langsam und haben daher kaum eine Chance, sich auf die recht schnelle Erderwärmung einzustellen. Zudem werden sie auch noch durch die Versauerung der Meere geschädigt. 

Foto: dpa/Christiane Oelrich

Sowohl an den Oberflächen wie auch in den Tiefenregionen werde sich der Wandel massiv auswirken, schreiben Camilo Mora und seine Kollegen. Ihr Fazit: Wärmer, saurer und sauerstoffärmer werde das Meerwasser. Das bringe das ökologische Gleichgewicht gehörig durcheinander, werde die Nahrungsketten deutlich verändern und die Ökosysteme weniger produktiv machen. Für Millionen von Menschen bedeutet dies eine Gefährdung ihrer Lebensgrundlagen, denn sie leben vom Meer.

Wale und Robben bedroht

Die Wissenschaftler haben unter Berücksichtigung aktueller Klimaprognosen umfassende biologische und sozioökonomische Daten analysiert. Ihre Arbeit stützten sie vor allem auf Modelle, die im Zusammenhang mit dem jüngst veröffentlichten fünften Weltklimareport des UN-Klimarats (IPCC) entwickelt wurden. Das Ergebnis: Selbst beim idealen Szenario, das eine drastische und baldige Reduzierung des Treibhausgas-Ausstoßes annimmt, sind die Veränderungen massiv.

Diejenigen Lebensräume für Tiere und Pflanzen, die vor allem davon betroffen sind, liegen demnach in flacheren Gewässern. Das heißt, besonders Korallenriffe und Mangroven werden geschädigt. Während die Korallenriffe vor allem für die Artenvielfalt wichtig sind, bieten Mangrovenwälder in vielen Regionen auch einen wertvollen Schutz der Küsten vor den Unbilden des Meeres. Nach dem Urteil der Forscher sind auch viele Lebensräume von Walen und Robben durch die Entwicklung bedroht.

Nahrungsquelle für Millionen

Auf 470 bis 870 Millionen schätzen die Wissenschaftler die Zahl der Menschen, die auf die Ozeane als Nahrungslieferant oder Einnahmequelle angewiesen sind. Und gerade sie lebten in Gegenden, die von der Veränderung besonders betroffen sind. Deshalb fordern die Forscher sofortige und wirksame Maßnahmen gegen den Klimawandel – auch wenn die Folgen für die Weltmeere ohnehin nicht mehr zu verhindern, sondern nur noch abzumildern sind.

Die internationalen Verhandlungen über solche Maßnahmen stecken indes seit Jahren in der Sackgasse. Am 11. November beginnt in Warschau der nächste Weltklimagipfel. Hier soll ein neuer Vertrag vorbereitet werden, der das bereits abgelaufene Kyoto-Protokoll ersetzt. Dieses Protokoll war das bisher einzige verbindliche UN-Abkommen zum Klimaschutz.

Anzeige
Von Werner Grosch
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden