07.02.2014, 16:00 Uhr | 0 |

Olympia in Sotschi Kehrseiten der Medaillen: Terrorangst und Umweltschäden

Mit großen Ambitionen gehen die deutschen Sportler in die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Wie groß die Ansprüche bei den Medaillen genau sind, ist allerdings nicht ganz klar. Auch zu den Schattenseiten der Winterspiele unter Palmen hört man von den deutschen Verantwortlichen wenig – dafür aber jede Menge Hinweise der USA auf mögliche Terroranschläge.

Nicht alles ist rund gelaufen bei den Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in Sotschi.
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Nicht alles ist rund gelaufen bei den Vorbereitungen zu den Olympischen Spielen in Sotschi.

Foto: dpa/Fredrik Von Erichsen

Überschattet werden die Spiele von Terrorangst und dem verantwortungslosen Umgang mit Natur und Umwelt und last not least den Bauarbeitern, die die Olympiastätten unter menschenunwürdigen Bedingungen aus dem Boden gestampft haben und teilweise noch nicht einmal dafür entlohnt wurden.

Die Angst vor Terroranschlägen bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi ist groß – besonders die USA betonen das täglich. Um Bomben auf Basis von flüssigen oder gelförmigen Sprengstoffen vorzubeugen, haben die Amerikaner nun vorübergehend jegliche Flüssigkeiten im Handgepäck auf Russland-Flügen verboten. Die Anweisung der nationalen Behörde für Transportsicherheit (TSA) soll auch für Gels und Spraydosen gelten, berichtete der amerikanische TV-Sender ABC.

Sicherheitsmaßnahmen belasten die Spiele

Die russische Schwarzmeerstadt gleicht schon seit Wochen einer Festung: In Sotchi und Umgebung sind rund 40.000 russische Sicherheitskräfte im Einsatz. Zusätzlich sollen Überwachungssatelliten, Drohnen und Boden-Luft-Raketen für die nötige Sicherheit sorgen. Im Schwarzen Meer kreuzen während der Spiele sogar zwei Kriegsschiffe der USA, die im Notfall die russischen Sicherheitskräfte unterstützen sollen.

Das klingt alles mehr nach War-Games als nach Olympischen Spielen. Und dies unangenehme Gefühl wird durch permanente Kontrollen und Durchsuchungen von Athleten, Berichterstattern und Besuchern, egal ob an den Sportstätten, im verplombten Bus oder vor den Hotels, noch deutlich verstärkt.

Auch die Naturschützer erheben ihre Stimmen und verdammen diese Spiele regelrecht. Sie sagen, nichts zerstöre Umwelt und Natur so nachhaltig wie das Ski- und Snowboardfahren. Schliesslich kommen solche Sportarten wegen des Klimawandels kaum noch irgendwo ohne Schneekanonen und andere technische Hilfsmittel aus – schon gar nicht in subtropischen Breiten.

Natur und Umwelt als Verlierer der Spiele

Die olympische Infrastruktur richte viel Schaden in der umliegenden Natur an, zeigen die Umweltschützer auf. So sind der Nationalpark in Sotschi und die Imeretinskaya-Tiefebene von den Vorbereitungen stark gezeichnet – rund 80 Prozent der neu errichteten Sportstätten entstanden im ehemaligen Nationalpark.

Die mangelhafte Kontrolle der Bauarbeiten durch das IOC zeige sich beispielsweise an den Mülldeponien, die zum Teil in Nationalparknähe errichtet wurden, kritisiert der deutsche Naturschutzbund NABU. Von dem zur Vergabe der Spiele aufwändig ausgearbeiteten Abfallvermeidungs- und Entsorgungskonzept sei so gut wie nichts wirklich umgesetzt worden.

Die größte Umweltsünde sei aber die Überbauung des Flusses Mzymta, erklärte der NOlympia-Aktivist und Mitbegründer der Gesellschaft für ökologische Forschung, Wolfgang Zängl dem WDR. Dieser Trinkwasserlieferant für die Bevölkerung sei nun auf sehr lange Zeit zerstört: "Es wurde eine vierspurige Autobahn rein gelegt, es wurde eine Hochgeschwindigkeitstrasse rein gelegt und das war nicht zuletzt eine Vorgabe des IOC, weil die Wintersportstätten nicht weiter als 60 Minuten von Sotschi selbst entfernt liegen sollten."

Natürlich seien auch an früheren Austragungsorten Baumaßnahmen durchgeführt worden, die Schäden mit sich gebracht hätten, räumte der Experte ein. "Aber die Dimension der Schäden in Sotschi ist unerreicht und da kann man nur sagen, das ist eigentlich auch der Geldmaschine IOC geschuldet."

Ablauf der Eröffnungsfeier noch streng geheim

Heute um 17:14 Uhr (die 14 soll auf das Jahr 2014 hinweisen) beginnt die Eröffnungsveranstaltung im Fischt-Stadion. Der Ablauf dieses Spektakels wird wie ein Staatsgeheimnis gehütet – kaum etwas drang nach außen. Kremlchef Wladimir Putin wollte keine Einzelheiten verraten. "Da ist nichts zu machen", sagte der Olympia-Gastgeber. Organisationschef Dmitri Tschernyschenko versprach zumindest eine "schillernde Show" mit allen Raffinessen, die "die moderne Technik hergibt". 

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Von Klaus Ahrens
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