Klima & Umwelt

RSS Feeds  | Alle Themen Klima & Umwelt-Visual-138033366
29.05.2013, 09:30 Uhr | 0 |

Emissionshandel Kalifornien will Vorbild für globalen CO2-Handel sein

Während es in den USA auf nationaler Ebene mit gesetzlichen Regelungen zur Emissionsbeschränkung kaum vorangeht, haben mehrere US-Staaten eigene Gesetze erlassen, in denen der Handel mit Emissionszertifikaten vorgeschrieben und geregelt ist. Am umfangreichsten sind die Versteigerungen im Nordosten, wo sich neun Staaten zu einer "Handelszone" vereint haben. Doch am attraktivsten scheint die neue Regelung in Kalifornien zu sein.

Los Angeles
Á

Kalifornien will in den USA ein Vorreiter werden für den Handel mit CO2-Zertifikaten. Im Bild die kalifornische Metropole Los Angeles.

Foto: Wikipedia

Die gesetzlichen Anstrengungen auf dem Gebiet der CO2-Begrenzungen lassen in den USA deutlich nach. Das liegt zum einen an dem Parteienpatt im US-Kongress und zum anderen an den Zuständigkeiten der Bundesstaaten. Es gibt in den USA nur sehr allgemein formulierte Rahmengesetze, wie den "Clean Air Act" (CAA), mit denen die Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency) eine Basis für Erlasse und Regelungen hat. Doch jede ihrer Reglementierungsvorstöße zieht eine Reihe an Prozessen oder sogar neue Anti-Gesetzesinitiativen nach sich.

So hat die EPA im Jahr 2007 einen Berufungsprozess gewonnen, nachdem der Staat Massachusetts gegen die EPA geklagt hatte und ihr darin vorgeworfen hatte, dass der CAA keine ausreichende Basis für eine CO2-Reglementierung sei. Noch ist der Fall aber nicht ausgestanden, denn jetzt soll der Oberste Gerichtshof darüber entscheiden. Zwar ist bislang unklar, ob der Supreme Court den Fall annehmen will, doch die Zahl der Beschwerden gegen die EPA hat eine Größenordnung erreicht, die es noch nie im Zusammenhang mit einem Antrag beim höchsten US-Gericht gegeben hat.

Das ist kein Einzelfall. Seit den letzten US-Wahlen muss sich die EPA für alle ihre Anweisungen verteidigen. Es gibt sogar einen Gesetzentwurf, wonach es der EPA verboten werden soll, einen Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Global Warming zu sehen.

CO2-Handel ist eine "freiwillige Angelegenheit"

Das hat zur Folge, dass der Handel mit CO2-Anteilen eine freiwillige Angelegenheit der jeweiligen Staaten geworden ist, die diesen mit unterschiedlichen Interessen und Erfolgen praktizieren. Am ältesten und umfangreichsten ist die "Regional Greenhouse Gas Initiative" (RGGI), in der sich neun Staaten im Nordosten der USA zu einem Cap-and-Trade-System für die Stromerzeuger zusammengeschlossen haben.

Ziel von RGGI ist es, von 2015 bis 2018 den CO2-Ausstoß auf den Werten von 2002 bis 2004 zu stabilisieren und danach eine Kürzung um 10 % bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

Doch die Realität hat die Pläne bereits zum Guten überholt. Dank des vermehrten Einsatzes von Erdgas als Brennstoff entstand im letzten Jahr nur ein Ausstoß von 91 Millionen Tonnen– das waren 45 % weniger als die angebotenen 165 Millionen Tonnen. Damit fiel der Preis auf die unterste Angebotsmarke von 1,93 US-Dollar pro Tonne.

Für dieses Jahr ist eine Begrenzung auf 91 Millionen Tonnen vorgegeben, doch voraussichtlich werden auch diese nicht ausgeschöpft, denn inzwischen entfallen 30 % der US-Stromerzeugung auf die Nutzung von Erdgas – im Jahr 2000 waren es nur 16 %. Folglich fiel der Kohleanteil an der Stromerzeugung im gleichen Zeitraum von 52 % auf 38 %.

CO2-Ausstoß durch mehr Gas-Verstromung gesunken

Da Erdgas nur rund die Hälfte an CO2 produziert wie die Kohleverbrennung, ist es kein Wunder, dass die CO2-Werte bei den Energieerzeugern deutlich zurückgegangen sind. Und so war 2012 der gesamte CO2-Ausstoß in den USA 12 % geringer als im Referenzjahr 2005 und entsprach bereits dem Wert von 1994.

Außer im US-Nordosten hat Kalifornien 2012 eine CO2-Cap-and-Trade-Regelung der Umweltbehörde Carb (California Air Resources Board) gesetzlich verankert. Das Programm ähnelt inhaltlich der RGGI-Vereinbarung. Doch es gibt einige wichtige Unterschiede. So regelt Carb nicht nur den CO2-Ausstoß der Kraftwerke, sondern zielt auf alle wichtigen CO2-Verursacher wie Raffinerien und Fertigungsbetriebe.

So wurden 2012 in Kalifornien 470 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gepustet, 40 % davon kamen von den jetzt regulierten 360 Betrieben. Mit den geplanten Begrenzungen sollen diese Unternehmen ihren Anteil am Gesamt-CO2-Ausstoß auf 34 % senken, das entspricht 163 Millionen Tonnen, und diese Zertifikate sollen in sechs Versteigerungen verkauft werden.

Im Gegensatz zum RGGI-Programm gibt die kalifornische Umweltbehörde keine Jahreskontingente bekannt. Nur das zur nächsten Versteigerung frei werdende Volumen und der Angebotspreis werden wenige Wochen vor dem Termin veröffentlicht. So lassen sich Spekulationen über die weitere Entwicklung von Angebot und Nachfrage weitestgehend vermeiden.

Zertifikate werden seit November 2012 versteigert

Die erste Versteigerung fand im November 2012 statt. Damals wurden 23,1 Millionen Zertifikate zum Preis von 10,09 Dollar pro Tonne verkauft, das war nur knapp über dem Mindestangebotspreis von 10,00 Dollar – aber fünfmal so viel, wie die Versteigerungen im Nordosten erzielt haben. Im Februar war das Angebot kleiner und teurer. So kamen nur 12,9 Millionen Zertifikate auf den Markt, die zum Preis von 10,71 Dollar pro Tonne verkauft werden konnten.

Kaliforniens Programm hat das Interesse der Nachbarn geweckt. So haben bereits kanadische Provinzen Beteiligungswünsche signalisiert. Hierzu gehören British Columbia, Manitoba, Ontario und Quebec. Im kommenden August wird bereits Quebec an der kalifornischen Carb-Versteigerung mit seinen Zertifikaten teilnehmen und Ontario will dann schnellstmöglich folgen.

"Kaliforniens Programm ist derzeit das beste auf der Welt. Sie haben sich sechs Jahre Zeit gelassen und alle Fehler bei den anderen studiert", sagt Emilie Mazzacurati, eine CO2-Marktplatzexpertin. Ihrer Ansicht nach hat Kalifornien mit seinem Programm den CO2-Weltmarkt im Auge. "Das Modell lässt sich übertragen und könnte die Basis für den erhofften internationalen CO2-Handel bilden", lautet ihre optimistische Prognose.

Anzeige
Von Harald Weiss | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden