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18.11.2014, 10:58 Uhr | 0 |

Folge der Erderwärmung In Zukunft wird es deutlich häufiger blitzen

Amerikanische Forscher haben herausgefunden, dass es durch die Erderwärmung im Laufe dieses Jahrhundert etwa 50 Prozent mehr Blitze gibt als heute. Die Wissenschaftler warnen: Das Risiko von Waldbränden wird stark ansteigen.

Blitze am Himmel
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US-Forscher haben errechnet: Mit jedem Grad der globalen Erwärmung wird die Zahl der Blitze in den Vereinigten Staaten im Mittel um zwölf Prozent steigen.

Foto: dpa/Julian Stratenschulte

In den USA blitzt es rund 25 Millionen Mal im Jahr. Häufig mit verheerenden Waldbränden als Folge der starken Gewitter. Die schlechte Nachricht: Dabei wird es wohl nicht bleiben, es wird noch viel schlimmer werden. Mit jedem Grad der globalen Erwärmung wird die Zahl der Blitze in den Vereinigten Staaten im Mittel um zwölf Prozent steigen. Das haben Forscher um David Romps von der University of California in Berkeley berechnet.

Entscheidend sind Niederschlagsrate und verfügbare Energie

Entscheidend für die Anzahl der Blitze sind zwei Faktoren: Die Niederschlagsrate und die verfügbare Energie, um Luft aufsteigen zu lassen. Ein Vergleich mit US-Wetteraufzeichnungen belege, so die Forscher, dass die Kombination der beiden Faktoren die Blitzhäufigkeit gut abbildet. „Das hat mit dem Wasserdampf zu tun, der der Treibstoff für die explosive tiefe Konvektion in der Atmosphäre ist. Erwärmung führt zu mehr Wasserdampf in der Atmosphäre“, erklärt David Romps. „Und wenn mehr Treibstoff vorhanden ist, um die Zündung auszulösen, dann gibt es einen großen Knall.“

Blitze sind Hauptauslöser für Wald- und Steppenbrände

Basis der Studie sind elf globale Klimamodelle, die die Wissenschaftler auf der Grundlage der beiden entscheidenden Faktoren die Anzahl der vertikalen Blitze von den Wolken zum Erdboden vorhersagen ließen. Mit einer Abweichung von plus/minus fünf Prozent steigt die Blitzhäufigkeit dabei um zwölf Prozent pro Grad Erderwärmung.

Firefighters attempt to put out a wildfire that treatened the village of Burarcos in Figueira da Foz, 180 Km north of Lisbon, Monday (03.10.2005). Forest fires flared in central and northern Portugal for the second consecutive day, forcing the evacuation of a campsite and threatening built-up areas, emergency services officials said. EPA/PAULO NOVAIS +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Die Gefahr von Waldbränden steigt, je häufiger es blitzt. Und je wärmer es auf der Erde wird, um so mehr Gewitter wird es geben. 

Foto: dpa/Paulo Novais

Insgesamt wird über das Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Jahrhundert den Wissenschaftlern zufolge die Anzahl von Blitzen um 50 Prozent zunehmen.

Auswirkung auf die betroffenen Ökosysteme

Die Forscher betonen in ihrer im US-Fachmagazin Science veröffentlichten Studie, dass die gegenwärtigen 25 Millionen Blitze pro Jahr die Hauptauslöser für Wald- und Steppenbrände in den USA sind. Die errechnete Zunahme hat daher große Auswirkungen auf die Entwicklung der betroffenen Ökosysteme und der dort lebenden Tier- und Pflanzenarten. Außerdem erzeugen Blitze Stickoxide. Deshalb hat die verstärkte Anzahl von Blitzen auch einen großen Einfluss auf die Atmosphärenchemie.

2013 gab es 550.000 Blitze über Deutschland

Die Methode der Forscher um David Romps ist auch geeignet, um die Blitzhäufigkeit in anderen Erdteilen abzuschätzen. In Deutschland hat es im vergangenen Jahr knapp 550.000 mal geblitzt. Diese Zahl hat der Blitz-Informationsdienst von Siemens mit Sitz in Karlsruhe veröffentlicht. Jeder Blitz erzeugt eine elektromagnetische Welle, die über mehrere hundert Kilometer gemessen werden kann. Die Wissenschaftler in Karlsruhe erkennen auch Polarität und Stromstärke der Blitze, sowie Teilblitze innerhalb eines Gesamtblitzes. Der Blitz-Informationsdienst von Siemens nutzt über 148 verbundene Messstationen in Europa.

Auf 200 Meter genau lokalisieren

„Aus den Werten der verschiedenen Empfänger ermitteln wir genau, wo gerade ein Blitz einschlägt“, erklärt Blids-Leiter Stephan Thern. Das System erlaubt es, jeden Blitz auf 200 Meter zu lokalisieren. Die meisten Blitz-Einschläge verzeichnete der Informationsdienst im vergangenen Jahr im oberfränkischen Coburg, wo es 6,39 Einschläge pro Quadratkilometer gab. Fast blitzfrei blieb der Landkreis Limburg-Weilburg in Mittelhessen mit 0,17 Blitzeinschlägen pro Quadratkilometer. Prinzipiell blitzt es im bergischen Süden Deutschlands häufiger als im Norden. Etwa 40 Prozent der Blitze finden den Weg zur Erde, 60 Prozent entladen sich in den Wolken selbst.

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Von Detlef Stoller
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