10.12.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Britischer Wetterdienst warnt Hitzewellen könnten Europa das Fürchten lehren

Forscher des britischen Wetterdienstes sind besorgt: Der Klimawandel erhöht die Wahrscheinlichkeit extremer Hitzewellen in Europa. Sie sollen in Zukunft sogar den Rekordsommer von 2003 in den Schatten stellen, der Zehntausende Menschen das Leben kostete. 

Symbolbild Hitze
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Extreme Hitzewellen werden künftig in Europa häufiger auftreten. Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des britischen Wetterdienstes.

Foto: Arno Burgi/dpa

„Wenn der Ausstoß an Treibhausgasen weitergeht wie bisher, dürften Temperaturen wie 2003 ab den 2030er Jahren praktisch jeden Sommer erreicht werden“, schreiben die Wissenschaftler des britischen Wetterdienstes Met Office in einer Studie, die sie im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht haben. 2003 waren 70.000 Europäer während der Hitzewelle ums Leben gekommen, in Deutschland rund 7000 Menschen.

Doch wie kommen die Forscher zu diesem Schreckensszenario? Basis ihrer Arbeit ist eine Studie von 2004, die die Wahrscheinlichkeit sehr heißer Sommer in Europa untersucht hatte. Die Wissenschaftler ergänzten diese Studie um aktuelle Temperaturdaten bis zum Jahr 2012 und erstellten am Computer neue Klimamodelle. Mit denen verglichen sie für Frankreich, Italien und Deutschland zwei Zeiträume: die Jahre 1990 bis 1999 und 2003 bis 2012.

Wahrscheinlichkeit gefährlicher Hitzewellen steigt rasant

Die Ergebnisse sprechen eine klare Sprache: Im Zeitraum 2003 bis 2012 lag in den Sommermonaten Juni bis August die Temperatur um 0,8 Grad Celsius über dem Durchschnitt der ersten Periode (1990 bis 1999).

ARCHIV - Eine Pflegekraft hilft einer alten Frau in einem Seniorenheim beim Trinken aus einem Becher, aufgenommen am 15.02.2011. Die Hitzewelle trifft alle - aber besonders gefährlich ist es für die, die ohnehin in schlechter Verfassung sind. Die Pflegeheime müssen im Hochsommer mit Temperaturen über 30 Grad zurechtkommen. Schwerpunkt bei der Vorsorge: Das Trinken. Foto: Patrick Pleul/dpa (zu dpa "Senioren und Hitze: Wie Pflegeheime vorsorgen " vom 02.08.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Hitzewellen sind besonders für alte Menschen lebensbedrohlich. Dem Rekordsommer von 2003 sind in Europa schätzungsweise 70.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Foto: Patrick Pleul/dpa

Gestiegen ist auch die Wahrscheinlichkeit für sogenannte besonders heiße Sommer, die 1,6 Grad Celsius wärmer sind als der Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie eintreten lag in den 1990er Jahren noch bei zwei Ereignissen pro Jahrhundert. Und jetzt? Statistisch gesehen wird es schon zwei besonders heiße Sommer pro Jahrzehnt geben.

Hitzewellen sollen immer schlimmer werden

Ähnlich verhält es sich mit Extremereignissen wie der Hitzewelle von 2003, die 2,3 Grad Celsius über dem Durchschnitt erreichte. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Wetterphänomen lag in den Neunzigern bei eins zu 1000, im vergangenen Jahrzehnt schon bei 1 zu 100. In Zukunft sollen Hitzewellen dann auch immer schlimmer werden: Setze man den höchsten Ausstoß an Treibhausgasen voraus, werde sich das Klima so stark verändern, dass „der Sommer 2003 zum Ende des Jahrhunderts als extrem kaltes Vorkommnis gelten wird“, heißt es in der Studie. 

Weltklimarat: Erderwärmung lässt sich noch aufhalten

Der Weltklimarat sieht aber noch Chancen, die Erderwärmung in den Griff zu bekommen. Bis Mitte des Jahrtausends müsse die Welt die Kohlendioxid-Emissionen allerdings um 40 bis 70 Prozent drosseln, um zu verhindern, dass sich die weltweite Durchschnittstemperatur um mehr als zwei Grad erhöht. Möglich sei das durch drastische Umschichtungen der Investitionen im Energiebereich, die das Wirtschaftswachstum um gerade mal 0,06 Prozentpunkte verlangsamen würden. 

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Von Patrick Schroeder
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