30.09.2014, 14:53 Uhr | 0 |

Glitschiger Untergrund Heiße Sommer könnten Grönland-Eisschild stärker ins Rutschen bringen

Das Eisschild Grönlands ist anfälliger und instabiler als Wissenschaftler bislang angenommen haben. Der Untergrund der riesigen Eismassen ist nicht felsig wie bisher gedacht, sondern besteht oftmals aus weichem Sediment, das nur eine begrenzte Aufnahmekapazität an Wasser hat und deshalb zu einer glitschigen Rutschbahn werden kann. 

Gletscherspalte im Eisschild von Gönland
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Riesige Gletscherspalten durchziehen das Eisschild auf Grönland: Durch die Spalten können riesige Wassermengen bis zum Gletschergrund fließen.

Foto: Cambridge Universität/Poul Christoffersen

Forschern der Universität Cambridge haben herausgefunden, dass die massive Eisdecke auf Grönland, die 82 Prozent der Fläche der Insel bedeckt, nicht so stabil ist wie bisher angenommen. Viele der Gletscher liegen nicht wie bisher angenommen auf felsigem und damit stabilem Steinuntergrund, sondern auf einem weichen und porösen Sediment.

Schmelzwasser gelangt durch Spalten an die Basis

„Das grönländische Eisschild ist nicht annähernd so stabil wie wir denken", warnt der Koautor der Studie, Poul Christoffersen. Das weiche Sediment des Gletschers kann nur eine ganz bestimmte Menge an Schmelzwasser aufnehmen. Wird diese überschritten, wird das weiche Sediment instabiler und verwandelt sich in eine glitschige Rutschbahn. Das heißt: Es besteht die Gefahr, dass sich die Gletscher schneller Richtung Meer bewegen und dadurch schneller abtauen.

Zwar sei die Eisbewegung derzeit stabil, aber die Forscher haben die Sorge, dass der Klimawandel oder heiße Sommer künftig dazu führen können, dass mehr Wasser bis zum Sediment gelangt. „Das Eisschild ist nicht nur anfällig gegenüber dem Klimawandel, auch meteorologische Extremereignisse wie starker Regenfall oder Hitzewellen können dadurch zu einem starken Eisverlust führen", erklärt Christoffersen.

Statt felsiger Untergrund weiches poröses Sediment

Sorge machen den Wissenschaftlern die großen Seen, die sich im Sommer an der Oberfläche der Gletscher bilden. Die Forscher stellten in ihren Feststudien fest, dass diese zum Teil riesigen Wassermengen durch Spalten innerhalb weniger Stunden komplett bis zur Gletscherbasis durchsickern können. Das Sediment wird dadurch immer weicher, poröser und instabiler.

Die Folge: Der Gletscher beschleunigt die Geschwindigkeit, mit der er zum Meer fließt. Die Eismengen, die auftauen, können dadurch erheblich zunehmen, der Meeresspiegel steigt. Das sind keine beruhigenden Aussichten, denn das grönländische Eisschild ist mit bis zu drei Kilometern Dicke und 1,8 Millionen Quadratkilometer Größe nach der Antarktis das größte Eisreservoir unseres Planeten.

Würde das Grönland-Eis abschmelzen, stiege der Meeresspiegel weltweit um sieben Meter. Schon jetzt wirkt die Klimaerwärmung und hat die Menge des schmelzenden Eises steigen lassen. Forscher gehen davon aus, dass die Menge des jährlich schmelzendes Eises von 1996 bis 2005 von 96 auf 220 Kubikkilometer gestiegen ist. Seitdem ist die Menge weiter gestiegen.

Einzelne Gletscher haben auch schon deutlich an Tempo zugelegt. So schiebt sich der Jakobshavn Isbrae, der schnellste Gletscher in Grönland, jedes Jahr eigentlich "nur" 7000 Meter zum Meer. Doch im Jahr 2012 legte der Gletscher kräftig an Tempo zu. In diesem Rekordjahr legte der Gletscher 17 Kilometer zurück.

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Von Petra Funk
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