20.05.2014, 08:25 Uhr | 0 |

33 Artikel untersucht Greenpeace zeigt Sportartikeln von Adidas, Nike und Puma die rote Karte

Eine unschöne Kehrseite der Fußball-WM offenbart Greenpeace in einer neuen Studie: Viele Sport- und Fanartikel von Adidas, Nike und Puma sind chemische Giftcocktails. In den Produktionsländern gelangen die Giftstoffe in die Nahrungskette, schädigen die Fruchtbarkeit der Menschen und fördern das Tumorwachstum. 

Adidas-Chef Herbert Hainer
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Adidas-Chef Herbert Hainer mit dem WM-Ball Brazuca: Jetzt hat Greenpeace festgestellt, dass viele Sportartikel zur Fußball-WM mit giftigen Chemikalien belastet sind. Dazu gehört auch der offizielle Spielball der WM, der Brazuca.

Foto: Adidas

Gut drei Wochen vor Beginn der Fußballweltmeisterschaft in Brasilien gehen immer mehr Fanartikel über die Ladentheke, darunter Fußballschuhe, T-Shirts, Torwarthandschuhe und der bunte WM-Ball Brazuca. Passender Anlass für Greenpeace, die chemische Zusammensetzung der Artikel genauer unter die Lupe zu nehmen. Dabei stieß die Umweltschutzorganisation im Labor auf zahlreiche Giftstoffe.

„Adidas erwartet Rekordumsätze von zwei Milliarden Euro mit WM-Produkten. Was die Firma den Fans nicht sagt: Viele Schuhe und Handschuhe sind noch immer mit gesundheitsschädlichen Chemikalien belastet“, kritisiert Manfred Santen, Chemieexperte bei Greenpeace. „Sie vergiften die Gewässer in den Produktionsländern. Es ist Zeit für eine rote Karte für Adidas – die Firma muss jetzt handeln.“

Fußballschuh Predator entpuppt sich als Giftcocktail

Für die Studie testete Greenpeace 33 WM-Artikel der Hersteller Adidas, Puma und Nike: 21 Paar Fußballschuhe, sieben T-Shirts, vier Paar Torwarthandschuhe und den offiziellen Spielball der WM, den Brazuca. Unter den Schuhen entpuppte sich besonders das Modell Predator von Adidas als wahrer Giftcocktail.

 

Die Chemiker fanden einen hohen Anteil an gefährlicher Perfluoroctansäure (PFOA). Er liegt laut Greenpeace mit 14,5 Mikrogramm pro Quadratmeter um das 14-Fache über dem firmeneigenen Grenzwert. In Deutschland ist bislang kein Grenzwert für diese Chemikalie festgelegt. In Norwegen gilt ab Juli 2014 hingegen ein Grenzwert von einem Mikrogramm pro Quadratmeter. Als stark belastet erwies sich auch der Schuh Tiempo von Nike (5,9 Mikrogramm). In anderen Produkten der drei Marken fanden die Chemiker auch die Chemikalien Nonylphenolethoxylate (NPE), Phthalate und Dimethylformamid (DMF). Generell waren alle 21 getesteten Schuhe mit giftigen Chemikalien belastet.

Chemikalien verseuchen Nahrungskette der Produktionsländer

Müssen WM-Begeisterte nun um ihre Gesundheit fürchten? Nein, sagt Greenpeace selbst. Das Tragen der Kleidungsstücke führe nicht zu unmittelbaren Gesundheitsschäden. Schlechter sieht es hingegen für die Bevölkerung der Staaten aus, in denen Adidas, Nike und Puma die Produkte herstellen lassen. Durch die Fabriken gelangen die gefährlichen Stoffe in Umwelt und Nahrungskette.

Etwa zwei Drittel der chinesischen Gewässer sind laut Greenpeace bereits mit gesundheitsschädlichen Chemikalien verunreinigt. Einige der Stoffe stören das Hormonsystem, schädigen die Fruchtbarkeit und fördern sogar das Tumorwachstum. Schlechtes Beispiel ist auch der WM-Ball Brazuca. Chemiker fanden einen hohen Anteil an NPE. Diese Chemikalie baut sich in der Umwelt zu Nonylphenol ab, das hormonell aktiv und giftig für Wasserorganismen ist.

Greenpeace erinnert Markenhersteller an frühere Zusagen

Greenpeace fordert die Markenhersteller auf, den Einsatz giftiger Chemikalien in der Textilproduktion bis Januar 2020 auf Null zu senken. Diese Forderung verbindet die Non-Profit-Organisation mit einer Schelte für Adidas, Nike und Puma: „Als Greenpeace 2011 seine Kampagne zur Abschaffung giftiger Chemikalien startete, sagten alle drei Marken zu, den Einsatz giftiger Chemikalien zu eliminieren“, erinnert Greenpeace an frühere Zusagen.

Bedauerlicherweise hätten es die Hersteller bislang versäumt, ihren Worten Taten folgen zu lassen. „Und obwohl sie ihren Selbstverpflichtungen nicht nachgekommen sind, pflegen diese Unternehmen öffentlich weiter ihr Image als Detox-Marken, indem sie ihren Produkten mit Hilfe der Zero Discharge of Hazardous Chemicals (ZDHC) einen grünen Anstrich verleihen.“ Doch das seien nur Versprechen eines Branchenverbandes auf Papier. 

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Von Patrick Schroeder
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