04.09.2013, 11:21 Uhr | 0 |

Mikrokosmos Insel Globaler Datensatz für Forschung und Naturschutz

Biologen beklagen die ungenauen Klassifizierungen von Inseln. Ein neuer globaler Datensatz macht ökologische Bedingungen von 18 000 Inseln weltweit miteinander vergleichbar. Das bedeutet zusätzliche Chancen für Evolutionsforschung und Naturschutz. 

Blick auf die Sullivan Bay der ecuadorianischen Insel Santiago
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Blick auf die Sullivan Bay der ecuadorianischen Insel Santiago, die zum vulkanischen Archipel Galápagos gehört.

Foto: Nils Köster/Botanischer Garten und Botanisches Museum Berlin-Dahlem

Zwar machen Inseln gerade einmal fünf Prozent des Festlandes auf der Erde aus. Doch sind sie Heimat für eine überproportional große Zahl von Tier- und Pflanzenarten und stellen Ökosystemleistungen für mehr als 500 Millionen Menschen bereit. Grund genug also, dem Geheimnis dieser Mikrokosmen auf den Zahn zu fühlen. Und das tun Wissenschaftler weltweit schon seit Jahrzehnten. Allerdings fehlte ihnen bislang ein globaler Datensatz, der die ökologischen Bedingungen verschiedener Inseln beschreibt und vergleichbar macht. Genau diese Lücke haben Forscher der Universität Göttingen und der US-amerikanischen Yale University jetzt geschlossen.

„Bisherige Daten – auch wissenschaftliche Untersuchungen – waren oft zu ungenau oder schlicht falsch“, sagt Patrick Weigelt, Wissenschaftler an der Universität Göttingen und Erstautor der Studie, die aktuell in der Fachzeitschrift PNAS erschienen ist. In dieser untersuchten Weigelt und sein Team knapp 18 000 marine Inseln mit einer Fläche von mindestens einem Quadratkilometer. Die Experten sammelten wichtige Klimadaten und geographische Besonderheiten, etwa den Anteil von Festland in der Umgebung der Inseln. 

Neuer Datensatz erlaubt veränderten Blick auf tausende Inseln unseres Planeten

Und wozu das alles? Nach einiger Klassifizierungsarbeit ist es jetzt möglich, Inseln mit ähnlichen Merkmalen auf einer Weltkarte zu lokalisieren und für evolutionäre Studien oder Naturschutzmaßnahmen gezielt auszuwählen. „Zum ersten Mal haben wir nun einen Datensatz, der als Grundlage für die weltweite Erforschung von Inseln und ihrer Lebensgemeinschaften dienen kann“, sagt Studienleiter Professor Holger Kreft von der Universität Göttingen.

Und der neue Datensatz sorgte bereits für Staunen. Beispielsweise liegen 65 Prozent aller Inseln in den tropischen Breiten, und im Vergleich zum Festland herrscht auf Inseln überwiegend kühl-feuchtes Klima. Kreft: „Wir haben auch herausgefunden, dass es überraschend viele Inseln mit gemäßigtem Regenwaldklima gibt, einem der seltensten Ökosysteme der Erde.“ Die Ergebnisse zeigen auch, dass 75 Prozent der Inseln zuletzt während der Eiszeit mit dem Festland verknüpft waren.

Der globale Datensatz wird zukünftig Wissenschaftler aus aller Welt dabei unterstützen, die biologische Vielfalt auf Inseln weiter zu erforschen. „Inseln“, so Kreft abschließend, „sind Mikrokosmen, auf denen wir die Evolution von biologischer Vielfalt sowie ökologische Prozesse untersuchen und besser verstehen können.“

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Von Patrick Schroeder
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