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19.12.2013, 14:15 Uhr | 0 |

Umstrittene Fördertechnologie Fracking-Gebiete: Forscher finden hormonähnliche Chemikalien im Grundwasser

Futter für Feinde des Frackings: US-Wissenschaftler haben im Grundwasser in der Nähe von Bohrtürmen hormonähnlich wirkende Chemikalien gefunden. Sie sind dafür bekannt, Unfruchtbarkeit, Krebs und Missbildungen zu verursachen.

Anscheinend belastet Fracking das Grundwasser der Umgebung
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Sogenannte endokrine Disruptoren können den Hormonhaushalt des Menschen stören. Forscher fanden die Chemikalien erstmals im Grundwasser in der Nähe von Bohrtürmen im US-Bundesstaat Colorado. Sie vermuten, dass sie direkt aus der Fracking-Flüssigkeit stammen.

Foto: MarathonOil

Mit Fracking haben die USA ihre Energieversorgungsprobleme weitgehend gelöst. In Deutschland und vielen anderen Ländern ist diese Fördertechnik hingegen verpönt, weil sie möglicherweise negative Folgen für die Umwelt hat. Skeptiker bekommen jetzt mächtige Verbündete: amerikanische Wissenschaftler, die eine erschreckende Entdeckung gemacht haben.

In Grundwasser und Seen in der Nähe von Fracking-Standorten haben sie sogenannte endokrine Disruptoren nachgewiesen. Das sind Chemikalien, die den Hormonhaushalt von Mensch und Tier verändern. Die Forscher vermuten, dass sie direkt aus Fracking-Flüssigkeit stammen.

Brei aus Wasser, Sand und Chemikalien wird in Untergrund gepresst

Mit dem umstrittenen Fracking lassen sich Erdgas- und Erdölvorkommen in Gesteinsporen erschließen, die mit normaler Fördertechnik unerreichbar sind. Dazu wird ein dünnflüssiger Brei, der vor allem aus Wasser und Sand besteht und mit hunderten Chemikalien angereichert ist, mit sehr hohem Druck in den Untergrund gepresst.

Dort bricht das Gestein auf und es entstehen Gänge, in die Erdgas oder Erdöl eindringen und sich leicht fördern lassen. Während der Sand die Gänge offenhält, verhindern Chemikalien unter anderem das Wachstum von Mikroorganismen, die die Gänge verstopfen könnten.

Endokrine Disruptoren führen zu Krebs und Missbildungen

„Bei Fracking-Prozessen werden mehr als 750 Chemikalien eingesetzt“, sagt Christopher Kassotis von der University of Missouri in Columbia, der die Untersuchungen leitete, in einem Bericht von scinexx.de. Mehr als 100 dieser Substanzen seien bekannte oder vermutete endokrine Disruptoren. Sie können zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Missbildungen führen, wenn sie in zu hohen Dosen in den Körper von Menschen und Tieren gelangen. Allerdings ist nicht für alle Stoffe bekannt, welche Mengen tatsächlich gefährlich sind.

Die Untersuchungen fanden in Garfield County im US-Bundesstaat Colorado statt. In der Region sind rund 10.000 Bohrtürme aktiv. In einigen Proben fanden die Forscher auch östrogenartige Bestandteile, die eigentlich menschliche und tierische Körper während der Schwangerschaft bilden, um die Reifung des Fötus zu beschleunigen. Andere Proben enthielten Chemikalien, die die Wirkung von Anti-Baby-Pillen haben.

Dass Fracking-Flüssigkeit unkontrolliert austritt, soll eigentlich ausgeschlossen sein. Überschüsse müssen entsorgt werden. Doch das klappt nicht immer. In einem bekannten Fall trat Flüssigkeit aus. Eine nahe gelegene Farm musste daraufhin aufgegeben werden, weil die Tiere keinen Nachwuchs mehr bekamen. Wissenschaftler vermuten, das könne an der hohen Östrogen-blockierenden Aktivität im Trinkwasser gelegen haben.

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Von Wolfgang Kempkens
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