17.04.2014, 12:31 Uhr | 0 |

Drohnen und Multispektralkamera Forscher sind Kuckuck & Co. mit modernster Technik auf der Spur

Wie wirken sich Umwelteinflüsse auf Tier- und Pflanzenarten aus? Wie entwickelt sich die Artenvielfalt in einem bestimmten Gebiet? Um solche Fragen beantworten zu können, benötigen Forscher jede Menge möglichst exakter Daten. Dafür lassen sie sich von Militär- und Geheimdiensttechniken inspirieren. 

Lichtstrahlen brechen in einem Wald bei Weilburg in Hessen durch die Baumkronen
Á

Lichtstrahlen brechen in einem Wald bei Weilburg in Hessen durch die Baumkronen. Forscher wollen wissen, wie es um bedrohte Tierarten bestellt ist und setzen dabei auf modernste Technik. Zum Einsatz kommen unter anderem Lauschstationen, Drohnen und Satelliten. 

Foto: dpa/Nicolas Armer

Um den Ruf des Kuckucks ranken sich viele Mythen: Die einen fragen „Kuckuck, Kuckuck, sag mir doch, wie viel Jahre leb’ ich noch?“, die anderen wollen von ihm wissen, wann sie heiraten werden. Auch als Frühlingsbote ist der Vogel bekannt, und mit „Zum Kuckuck!“ und ähnlichen Aufrufen ist er auch sprachlich präsent. 

Aber wie lange noch? Wenn der Klimawandel fortschreitet wie bisher, könnte der Kuckuck für nachfolgende Generationen vollständig ins Reich der Sagen rutschen. Dabei lässt sich der Kuckuck selbst von der Erderwärmung kaum beeindrucken – wohl aber die Vogelarten, denen er seine Eier unterschiebt: Die brüten und schlüpfen immer eher, und wenn der Kuckuck dann sein Ei ins Nest der Wirtsvögel legen will, sind die Küken oft schon da und der Eindringling fällt auf. 

Lauschangriff mit selbstentwickelter Software

Forscher wollen jetzt wissen, wie genau es um den Kuckuck und die anderen betroffenen Arten bestellt ist. Um die Bestände Jahr für Jahr zu erfassen, setzen sie auf modernste Technik: Zum Einsatz kommen Lauschstationen, Drohnen und Satelliten. Die Verwendung dieser Geräte ist deutlich kostengünstiger und mindestens ebenso genau wie die tägliche Erfassung der Population per Hand durch artenkundige Mitarbeiter. 

Ein wichtiger Eckpfeiler ist das so genannte Akustikmonitoring, das Klaus Riede und sein Team des Forschungsmuseums König in Bonn weiterentwickelt haben. Ein Rekorder mit selbstentwickelter Software filtert den charakteristischen Ruf des Kuckucks aus der Geräuschkulisse des Waldes heraus. Aus den gewonnenen Daten lässt sich auf die Ankunftszeit des Zugvogels im überwachten Gebiet und die Größe der Population schließen. 

Wetterstationen sorgen für flächendeckende Überwachung

Riedes Kollege, der Zoologieprofessor Wolfgang Wägele, plädiert für eine noch effektivere Überwachung: Ein globales Netzwerk von automatisierten All-in-one-Messpunkten soll nicht nur den Kuckuck, sondern möglichst viele der an den jeweiligen Messpunkten vorkommenden Arten bestimmen – unter anderem per computergesteuerter Gesichtserkennung und Hochgeschwindigkeits-DNA-Analyse. 

Da dieses Netz zur Datensammlung an Wetterstationen erinnert, bezeichnen es die Wissenschaftler auch genau so. Mit diesem Projekt soll ein Bild der Artenvielfalt entstehen. Viel Zeit bleibe dafür nicht, mahnt der Professor: „Zwischen der Geschwindigkeit, mit der wir Arten verlieren, und der, mit der wir Arten beobachten, klafft eine große Lücke.“ 

Für Regionen, in denen eine flächendeckende Überwachung per Wetterstation nicht möglich ist, lassen sich die Forscher von Militär- und Geheimdiensttechnik inspirieren. So werden zum Beispiel Veränderungen in der Chlorophyll-Bildung bei Bäumen in deutschen Wäldern per Multispektralkamera aus der Luft erfasst – für die Wissenschaftler ein frühzeitiger, aber deutlicher Hinweis auf Borkenkäfer. Bisher mussten dafür aufwendige Bohrkernuntersuchungen gemacht werden. 

Satelliten und Drohnen überwachen schwer erreichbare Regionen 

Für große und unzugängliche Landstriche wie Polargebiete oder auch Kriegsregionen eignen sich die Kameras mit ihrer Reichweite von rund 300 Metern jedoch nicht. Deshalb kommen dort seit einiger Zeit Drohnen und Satelliten zum Einsatz, mit denen sich ganze Landstriche theoretisch komplett vom Schreibtisch aus überwachen lassen. Lediglich um zu überprüfen, ob die anhand der Satellitenaufnahmen berechneten Modelle stimmen, müssten die Wissenschaftler noch in das jeweilige Gebiet reisen.

Vieles von den vorgeschlagenen Methoden ist noch Zukunftsmusik: Während zum Beispiel die Auswertung per Satellit und Akustikmonitoring bereits genutzt werden, steht das globale Netz der Wetterstationen noch auf der Wunschliste der Wissenschaftler. Auf neue, schnelle Methoden zur Überwachung der Biodiversität ist unter anderem der neugegründete Weltbiodiversitätsrat Intergovernmental Plattform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) dringend angewiesen. Das Gremium hat es sich zum Ziel gesetzt, Prognosen abzugeben, wie sich die biologische Vielfalt unter verschiedenen Einflussfaktoren in den nächsten Jahrzehnten verändert. Der Kuckuck ist da nur ein Beispiel von vielen.

Anzeige
Von Judith Bexten
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden