24.07.2014, 15:42 Uhr | 0 |

Umweltschützer fordern mehr Energieverbrauch in der EU soll um 30 Prozent sinken

Weil der Ausbau der Erneuerbaren Energien stockt, sind Einsparung und Effizienz die Mittel, um drei Ziele zu erreichen: Senkung des Ausstoßes an Treibhausgasen, billigere Produktion und Unabhängigkeit von Importen aus Ländern außerhalb der EU wie Russland.

Algenzucht im Forschungszentrum Jülich zur Herstellung von Biokerosin
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Algenzucht im Forschungszentrum Jülich zur Herstellung von Biokerosin: Die EU will die Energieimporte aus Nicht-EU-Ländern wie Russland senken und dafür mehr Energie in der EU aus erneuerbaren Quellen erzeugen.

Foto: dpa/Matthias Balk

Die Zahl klingt gut: Zwischen 2001 und 2011 ist der Energieverbrauch in den EU-Staaten um rund 19 Prozent gesunken. Fast ein Fünftel, fast schon so viel, wie die EU sich bis zum Jahr 2020 vorgenommen hatte. Die Gründe dafür liegen zum Teil in der Wirtschaftskrise, zum Teil auch schlicht am Wetter, weil milde Winter für wenig Heizbedarf sorgten.

Aber die Entwicklung ist auch Folge gestiegener Energieeffizienz. Maschinen und Geräte wurden sparsamer, intelligente Steuerung optimiert industrielle Prozesse, Häuser sind besser gedämmt. Neue Gebäude benötigen nur noch etwa halb so viel Energie wie solche, die in den 80er Jahren gebaut wurden.

Europäischer Rat muss entscheiden

Die EU-Kommission will diesen Fortschritt weiter vorantreiben und gab jetzt ein Ziel von 30 Prozent weniger Energieverbrauch bis zum Jahr 2030 aus, bezogen wiederum auf das Jahr 2001. Industrie und Energieversorger begrüßten den Plan, und damit war schon klar, was Umweltschützer dazu sagen: Das Ziel ist viel zu gering. Verbände wie Greenpeace und der WWF fordern 40 Prozent und kritisieren, dass die EU-Kommission ihren ursprünglichen Zielwert von 35 Prozent auf Druck der Industrie reduziert habe.

Elektromonteur Volker Barth montiert am 23.07.2014 im neuen Umspannwerk Parchim Süd (Mecklenburg-Vorpommern) eine Anlage zur Strom- und Spannungsmessung. Das millionenschwere Gemeinschaftsprojekt des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz und des Verteilnetzbetreibers WEMAG Netz GmbH wird zukünftig für den Transport regenerativer Energien aus Solaranlagen und Windparks genutzt. Foto: Jens Büttner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Neues Umspannwerk für Erneuerbare Energie in Parim in Mecklenburg-Vorpommern: Die EU-Kommission will bis 2030 den Energieverbrauch in der EU um 30 Prozent senken.

Foto: dpa/Jens Büttner

„Mit der Entscheidung droht die EU-Kommission die hart errungenen Erfolge im Bereich der Energieeffizienz zu verspielen und schraubt ihre Ambitionen auf ein Minimum zurück“, sagte Juliette de Grandpré, EU-Klimaschutzreferentin des WWF. Ein Ziel ohne Verbindlichkeit sei wie ein Vertrag ohne Unterschrift, meint der Umweltverband, der Schwarze Peter sei damit dem Europäischen Rat zugeschoben worden.

Dieses Gremium, in dem die Staats- und Regierungschefs der EU-Staaten sitzen, soll nun einen politischen Kompromiss aushandeln. Länder wie Deutschland, die höhere Effizienzziele verfolgen, müssen dort den Widerstand von Staaten wie Großbritannien und Polen brechen, die weiter vor allem auf fossile Energieträger wie die Kohle setzen und höhere Anforderungen auch an die Industrie bremsen.

EU-Kommissar Oettinger: Klimaziele erreichbar

Nach Ansicht von EU-Energiekommissar Günther Oettinger ist der Plan aber durchaus ehrgeizig und gehe sogar über das hinaus, was für die Klimaziele notwendig sei: Schon mit 25 Prozent weniger Energieverbrauch sei die angepeilte Senkung des Ausstoßes von Treibhausgasen um 40 Prozent zu erreichen.

Ein Windrad dreht sich am 04.04.2012 in der Nähe von Kirchheimbolanden vor ländlicher Kulisse (Langzeitbelichtung). Foto: Fredrik von Erichsen/dpa (zu lrs-Korr "Spannungsgeladene Ziele: Länder treiben Klimaschutz mit Gesetzen an" vom 23.07.2014) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Ein Windrad in der Nähe von Kirchheimbolanden in Rheinland-Pfalz: Die EU hat wegen des stockenden Ausbaus der Erneuerbaren Energie neue Klimaziele vorgegeben.

Foto: dpa/Fredrik von Erichsen

Mit welchen Mitteln ein weiterer Schub bei Effizienz und Einsparung erreicht werden soll, sagt die Kommission nicht. Der Gewinn aber klingt verlockend, denn schon mit einem weiteren Prozent Verbrauchsreduktion könnten die Gasimporte um 2,6 Prozent sinken, haben die EU-Experten errechnet. Damit würde Europa immer weniger abhängig von Lieferanten wie Russland.

Heute liegt die Importquote der EU für Energie noch bei über 50 Prozent. Auch den Verbrauchern verspricht die Kommission einiges. Allein effizientere Haushaltsgeräte könnten ab 2020 pro Jahr rund 100 Milliarden Euro Energiekosten einsparen – pro Haushalt sind das 465 Euro.

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Von Werner Grosch
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