25.06.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Folge der Erderwärmung Dunkle Satellitenbilder: Mikroben reduzieren Reflektionskraft der Erde

Schon länger rätseln Forscher, warum einige Eiszonen aus dem Weltall mittlerweile auffällig dunkel erscheinen. Des Rätsels Lösung: Die Erderwärmung gefällt Mikroben ausgesprochen gut. Sie vermehren sich rasant und reduzieren die Reflektionskraft der Gletscher.

Algen, Bakterien und Pilze vermehren sich aufgrund der Erderwärmung im Bereich der Erdpole rasant
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Algen, Bakterien und Pilze vermehren sich aufgrund der Erderwärmung im Bereich der Erdpole rasant. Sie senken die Reflektionskraft des Eises und lassen die Erde dunkler erscheinen.

Foto: NASA

Im Polareis leben unzählige Mikroben verschiedenster Arten – viel mehr als bislang angenommen. Die Mikrobenpopulation ist mittlerweile so groß, dass sie die Reflektionskraft der Gletscher drastisch reduziert. Damit verdunkelt sie die Erdoberfläche, wie jetzt ein Forschungsteam der britischen Universität Leeds bei Untersuchungen im grönländischen Eis festgestellt hat.

Erderwärmung führt zu Mikrobenwachstum im Eis

Die Untersuchung der Forscher aus Leeds konzentrierte sich auf den Mittivakkat-Gletscher im Südosten Grönlands. Sie fanden dort einen wahren Garten an Mikroben: Dazu gehören vielfältige Algen, Bakterien und auch Pilze. Gleichzeitig überraschte auch die hohe Dichte, in der die Mikroben das Eis oberflächennah bewohnen. Die Forscher stellten fest, dass mit der Erderwärmung eine starke Verbesserung der Lebensbedingungen für einen großen Teil der Kleinstlebewesen verbunden ist. Das gilt ganz besonders für Algen. Die Einzelheiten dieser Besiedlung sind kürzlich in der Zeitschrift FEMS Microbiology Ecology veröffentlicht worden.

Mikroben verdunkeln die Erde

Auf Satellitenbildern hatten Forscher in den Eiszonen beider Erdpole immer wieder Bereiche entdeckt, die auffällig dunkel erschienen, obwohl es sich zweifelsfrei um Eis handelt. Lange Zeit sind sie davon ausgegangen, dass das lediglich an stärkeren Staub- oder Rußablagerungen liegen könne. Tatsächlich aber handelt es sich um Zonen mit stark verminderter Reflektionskraft des Eises infolge der umfangreichen Mikrobenpopulation.

Liane Henning und Stefanie Lutz, die am Projekt der Universität Leeds beteiligt waren, sprechen davon, dass die Reflektionskraft des Eises auf bis zu 80 Prozent des normalen Wertes sinkt. Die niedrigsten Werte sind dort erreicht, wo vor allem rote Algen das Eis besiedeln und die Oberfläche verfärben. Je länger sich die Erderwärmung fortsetzt und die Eiszonen an den Polen abschmelzen, desto weiter werden sich die Mikroben ausdehnen ­– mit der Folge, dass die Reflektionskraft des Eises noch weiter sinkt.

Das Forscherteam aus Leeds hält die Entwicklung neuer Klimamodelle für dringend notwendig, die Mikrobenpopulationen einbeziehen. Alle bisherigen Modelle hätten die Wirkung der Mikroben im polnahen Eis gänzlich vernachlässigt.

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Von Peter Odrich
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