14.12.2015, 12:38 Uhr | 0 |

Klimaabkommen von Paris Die Weltgemeinschaft will das 2-Grad-Ziel unterbieten

Die Welt will nun Ernst machen mit der Begrenzung des CO2-Ausstoßes und der Erwärmung der Erde: Die Weltklimakonferenz von Paris einigte sich auf einen Vertrag, der die Erwärmung auf 1,5 °C begrenzen soll. In der zweiten Hälfte des Jahrhunderts sollen die Emissionen von Treibhausgasen auf Null reduziert werden.

Gelb eingefärbter Kreisverkehr am Arc de Triomphe
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Greenpeace hatte am Freitag den Kreisverkehr am Arc de Triomphe gelb eingefärbt und damit die Sonne symbolisiert als Mahnung für die UN-Klimakonferenz. Mit Erfolg: Die Staaten einigen sich darauf, die Klimaerwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen. 

Foto: Greenpeace/dpa

„Ich schaue mich um, sehe nur positive Reaktionen, kein Widerspruch“, sagte Frankreichs Außenminister Laurent Fabius als Konferenzvorsitzender des Weltklimagipfels in Paris, bevor er am Samstagabend die historische Einigung der Welt um exakt 19:24 Uhr wie ein Auktionator per Hammerschlag besiegelte. „Das Abkommen von Paris ist angenommen.“ Und dann brach ein unbeschreiblicher Jubel aus unter den Delegierten der 195 Staaten, die in den vergangenen zwei Wochen hart um beinahe jedes Wort im Vertragsentwurf gerungen hatten.

Vor einem Jahr auf der Klimakonferenz in Lima sah es noch nicht danach aus, dass Paris einen solchen Durchbruch bringen würde. 

Klimaerwärmung soll auf 1,5 Grad Celsius begrenzt werden

Die nun beschlossene Klimarahmenkonvention gibt das Ziel vor, die durch vom Menschen verursachte Erderwärmung im Vergleich zu vorindustriellen Zeiten auf „deutlich unter 2 Grad“ Celsius zu begrenzen. Auf Forderung besonders vom Klimawandel bedrohter Inselstaaten ist im Vertrag sogar das Ziel benannt, den globalen Temperaturanstieg der Erde bei 1,5 °C zu stoppen. Das ist äußerst ambitioniert: Denn seit vorindustriellen Zeiten ist die globale Temperatur bereits um 1 °C angestiegen.

Mit einem so ehrgeizigen Abschlussdokument hatte im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris niemand gerechnet: Über das Abschlussdokument freuen sich Frankreichs Präsident Francois Hollande (2.v.r.), 2-R), UN-Klimachefin Christiana Figueres (l.), French Foreign Minister Laurent Fabius (C) and United Nations Secretary-General Ban Ki-moon (2-L) after the adoption of the COP21 final agreement at the plenary session room at the World Climate Change Conference 2015 (COP21) in Le Bourget, north of Paris, France, 12 December 2015. The 21st Conference of the Parties (COP21) was held in Paris from 30 November to 12 December. EPA/CHRISTOPHE PETIT TESSON +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Mit einem so ehrgeizigen Abschlussdokument hatte im Vorfeld der Weltklimakonferenz in Paris niemand gerechnet: Über das Ergebnis freuen sich (v.r.n.l.) UN-Klimachefin Christiana Figueres, UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, Frankreichs Außenminister und Konzerenzchef Laurent Fabius und Frankreichs Präsident Francois Hollande.

Foto: Christophe Petit Tesson/dpa

„Mit dem heute verabschiedeten Klimavertrag hat sich zum ersten Mal die gesamte Weltgemeinschaft zum Handeln verpflichtet“, erklärte Bundeskanzlerin Angela Merkel am späten Samstagabend. „Ungeachtet der Tatsache, dass noch viel Arbeit vor uns liegt, ist dies ein Zeichen der Hoffnung, dass es uns gelingt, die Lebensbedingungen von Milliarden Menschen auch in Zukunft zu sichern.“

Industriestaaten geben ab 2020 100 Milliarden Dollar 

Um zu gewährleisten, dass die Klimaziele auch erreicht werden, müssen alle Staaten entsprechende Pläne vorlegen. Die Industriestaaten sollen sich konkrete, quantifizierte Ziele zur Minderung ihres Kohlendioxidausstoßes setzen, die übrigen Länder werden dazu laut Vertrag nur „ermutigt“.

2018 wird die UNO eine erste Überprüfung vornehmen, ob die Pläne der Staaten genügen. Anschließend wird diese Überprüfung alle fünf Jahre wiederholt.

epa05066060 Thousand of people demonstrate during a protest as the COP21 reaches its end in Paris, France, 12 December 2015. The 21st Conference of the Parties (COP21) is held in Paris from 30 November to 12 December aimed at reaching an international agreement to limit greenhouse gas emissions and curtail climate change. EPA/ETIENNE LAURENT +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Demonstration in Paris für einen Erfolg der Weltklimakonferenz: Alle Ländern müssen bis 2018 Pläne vorlegen, wie sie die Klimaziele erreichen wollen.

Foto: Etienne Laurent/dpa

So soll in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein Gleichgewicht erreicht werden zwischen dem menschengemachten Ausstoß von Treibhausgasen und der Fähigkeit von sogenannten Senken, Kohlendioxid zu binden. Das sind vor allem Wälder, aber auch unterirdische Kohlendioxidspeicher.

Im Klimavertrag festgeschrieben wird auch das Versprechen der Industriestaaten, den Ländern des Südens jedes Jahr 100 Milliarden $ für Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel zur Verfügung zu stellen. Diese gigantische Summe soll dabei nur der Basiswert für die Zeit ab 2020 sein. Eine neue Zahl „wird spätestens 2025 festgelegt werden“, heißt es in der Entschließung zum Vertragstext.

US-Republikaner gegen das Klimaabkommen

Der Verzicht auf Zahlen hat einen Grund: Denn dann hätte der Vertrag dem republikanisch dominierten Kongress in den USA vorgelegt werden müssen. Und dieser hätte diesen Vertrag vermutlich verworfen. Denn die Republikaner haben sich ausgesprochen kritisch zum Abkommen geäußert und haben sogar angekündigt, es rückgängig machen zu wollen.

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Von Detlef Stoller
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