15.07.2016, 12:32 Uhr | 0 |

10.000 Gemeinden im Blick Deutscher Wetterdienst warnt jetzt sogar einzelne Stadtteile vor Unwetter

Gibt es heute Starkregen vor meiner Haustür? Antwort gibt das neue Warnsystem des Deutschen Wetterdienstes. Es analysiert die Wetterlage auf den Stadtteil genau – Warnungen gibt es auf Wunsch per Smartphone-App. 

Gewitter über Frankfurt am Main
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Gewitter über Frankfurt am Main zwischen den Zentralen der Commerzbank (li.) und der Helaba (re). Vor solchen lokalen Unwetter warnt zukünftig der Deutsche Wetterdienst mit einem neuen Warnsystem. 

Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Der Sommer 2016 hat es in sich: In den Wetterwochen von Ende Mai bis Mitte Juni 2016 musste der Deutsche Wetterdienst (DWD) deutschlandweit rund 3000 Unwetterwarnungen herausgeben. Heimtückisch sind lokale Wetterphänomene wie plötzlich auftretende Gewitter und Starkregen, die schon zu Sturzfluten mit Todesopfern geführt haben. Die Antwort des Deutschen Wetterdienstes: ein neues Warnsystem. 

„Der Deutsche Wetterdienst wird ab sofort statt der 400 Landkreise die rund 10.000 Gemeinden in Deutschland vor Wettergefahren warnen“, erklärt DWD-Präsident Gerhard Adrian. „Wir sind damit auf dem Stand des technisch-wissenschaftlich Möglichen – auch im internationalen Vergleich.“ 

DWD-Superrechner so leistungsstark wie 30.000 PCs

Der DWD hat einiges in neue Technik investiert. „Der nun noch feinere meteorologische Zoom auf einzelne Gemeinden oder Stadtteile in Großstädten ist ein Quantensprung im Warnsystem“, sagt Hans-Joachim Koppert, Leiter der Wettervorhersage. „Ermöglicht wurde das vor allem durch mehr Beobachtungsdaten, verbesserte Vorhersagemodelle und ein leistungsstärkeres Großrechenzentrum.“ Herz des Rechenzentrums in Offenbach ist ein Superrechner, der der bis zu zwei Mal 550 Billionen Multiplikationen pro Sekunde berechnet. Zum Vergleich: Das entspricht der Leistung von über 30.000 handelsüblichen PCs. 

Um mehr Beobachtungsdaten zu gewinnen, hat der DWD die 17 Radartürme modernisiert, die in Deutschland permanent ihre Umgebung mit Mikrowellen abtasten und so die Niederschlagsmenge in der Luft bestimmen. Zum Einsatz kommt jetzt eine Technik namens Dual-Doppler, die auch zwischen Regen, Schnee und Hagel unterscheidet. 

Und das in einer besseren Auflösung. Die Punkte des Daten-Gitternetzes liegen nur 250 m auseinander – früher war es 1 km. Das soll das sogenannte Nowcasting verbessern, die kurzfristige Wettervorhersage für die nächsten Stunden. Der hohe Detaillierungsgrad ermöglicht es auch, zwischen nahe beieinanderliegenden Tal- und Gebirgslagen zu unterscheiden. Das soll zum Beispiel im Winter bei drohendem Schneefall für die Bevölkerung und Einsatzkräfte ein großer Fortschritt sein. 

Ab Anfang August: Unwetterwarnungen direkt aufs Smartphone

Die neuen Gemeindewarnungen fügen sich in das dreistufige Warnsystem des DWD ein. Fünf Tage vor einem Ereignis beginnt der Wetterdienst mit alarmierenden Hinweisen auf Wettergefahren. Maximal 48 Stunden vor einer Gefahr geben die Meteorologen Vorwarnungen für Bundesländer oder Teile davon als „Vorabinformation Unwetter“ heraus. Die dritte und konkreteste Stufe sind dann die ortsgenauen Warnungen. Der DWD verbreitet sie frühestens zwölf Stunden vor dem erwarteten Unwetter. Bei manchen Wetterlagen ist es nur wenige Minuten vorher möglich. Ab Anfang August soll es eine App geben, die Gefahrenhinweise direkt auf das Smartphone schickt. 

„Die Warnungen sind oft nur so kurzfristig machbar, weil im vernetzten nationalen Warnmanagement die Warnungen des DWD zum sofortigen Ausrücken der Einsatzkräfte führen“, erklärt Koppert. „Unsere Partner im Katastrophenschutz erwarten deshalb eine sehr hohe zeitliche und räumliche Genauigkeit dieser Warnungen.“ Bei großflächigen Winterstürmen oder Dauerniederschlägen seien zwölf oder auch mehr Stunden Vorlauf machbar. Bei sommerlichen Gewittern sei manchmal schon eine halbe Stunde eine Herausforderung. 

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Von Patrick Schroeder
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