09.02.2014, 07:00 Uhr | 0 |

Kläranlage für Ho Chi Minh City Deutscher Professor soll Bürger Vietnams vom Gestank des Mekongs erlösen

Die Einwohner der vietnamesischen Stadt Ho Chi Minh City, ehemals Saigon, sollen vom Gestank des verdreckten Flusses Mekong befreit werden. Dazu soll eine Kläranlage mit einer Tageskapazität von 820 Millionen Liter Abwasser entstehen. Den Planungsauftrag bekam ein Professor der Universität Witten. 

Mekong-Altwasser bei Chiang Khan.
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Mekong-Altwasser bei Chiang Khan.

Foto: Wikimedia

Der Mekong ist ein gewaltiger Fluss. An seinen Ufern wachsen Mangrovenwälder, die für eine vielfältige Fauna im Wasser und an Land sorgen. Regelmäßig fahren Kreuzfahrtschiffe auf einem der vielen Mündungsarme bis hinauf zur Stadt Saigon, die seit 1976 Ho Chi Minh City heißt. Sechs Millionen Menschen leben allein in der Kernstadt, die zudem sehr viel Industrie beherbergt. Abwässer aus Haushalten und Fabriken fließen nur unzureichend gereinigt in den Fluss, der zunehmend verdreckt.

Ehe die Touristen auf die Flusskreuzfahrten aus olfaktorischen Gründen verzichten – der Mekong beginnt zu stinken – soll bis 2018 eine gewaltige Kläranlage mit neuester Technik gebaut werden. Den Planungsauftrag erhielt jetzt Professor Karl-Ulrich Rudolph, Leiter des Instituts für Umwelttechnik und Management an der Universität Witten/Herdecke.

Klärwerk soll täglich 820 Mio. Liter Wasser reinigen 

„Das ist ein sehr ehrgeiziges Projekt, nicht nur weil es groß ist, sondern auch, weil die Stadt Ho Chi Minh City und die Weltbank das Klärwerksprojekt als sehr dringlich eingestuft haben“, sagt Rudolph. Er erwartet, dass der Bau der Anlage bereits im nächsten Jahr beginnt. Die Kosten werden vorläufig auf 265 Millionen US-Dollar geschätzt, umgerechnet knapp 200 Millionen Euro. Die Tageskapazität soll bei 820 Millionen Liter Abwasser liegen. Zum Vergleich: Die 100.000-Einwohner-Stadt Witten, die die private Universität beherbergt, rechnet mit täglich 25 Millionen Litern.

UV-Licht tötet gesundheitsgefährdende Keime

Die Kläranlage wird mit einer mechanischen und einer biologischen Stufe ausgestattet. Mikroorganismen zersetzen die Schadstoffe, die die Abwässer enthalten. Übrig bleibende gesundheitsgefährdende Keime werden mit UV-Licht abgetötet. Der entstehende Schlamm wird in Faultürmen vergoren. Das anfallende Gas wird in einem Kraftwerk genutzt.

Im Forschungsprojekt „Abwasserkonzepte für Industriezonen”, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie vom vietnamesischen Staat gefördert wurde, entwickelt Rudolph ein spezielles Konzept für den Bau von Becken, Bauten und Maschinen in Vietnam, denen das vorherrschend feuchtwarme Klima nichts ausmacht. Außerdem wird die Kläranlage für extrem unterschiedliche Wassermassen ausgelegt. Während des Monsuns sind sie um ein Mehrfaches größer als in den Trockenperioden.

Eine weitere Herausforderung: Ein großer Teil des Abwassers fließt durch ein Rohr mit einem Durchmesser von drei Metern. Es wird unterhalb einer U-Bahn-Linie verlegt. Anschließend muss das Abwasser 35 Meter hochgepumpt werden, um sich dann in die Becken der Kläranlage zu ergießen.

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Von Wolfgang Kempkens
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