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26.03.2014, 08:44 Uhr | 0 |

Todesfälle durch Schwefeldioxid Deutscher Naturschutzbund geht Klimasünder Containerschiff an den Kragen

Der Deutsche Naturschutzbund (NABU) stellt jetzt Reeder der bislang als umweltschonend geltenden Containerschiffe an den Pranger. Sie verursachten 50-mal so viel Schwefeldioxid wie moderne Lkws und seien in Europa für 50.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich. Dabei würde ein Umstieg auf nachhaltigeren Treibstoff und Rußpartikelfilter ein T-Shirt um lediglich 0,2 Cent teurer machen. 

Containerschiff der weltgrößten Reederei Maersk
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Containerschiff der weltgrößten Reederei Maersk: Die meisten Containerschiffe fahren immer noch ohne Abgastechnik. Zwar würde eine Nachrüstung pro Schiff rund 500.000 Euro kosten. Doch für Spediteure und Warenhersteller bedeutete das nur ein Preisanstieg im Promillebereich.

Foto: Maersk

Rund 45.000 Containerschiffe schippern derzeit über die Weltmeere und befördern rund 90 Prozent der globalen Waren. Sie gelten oftmals als umweltschonend, da sie dank ihres hohen Ladevolumens im Vergleich zu Flugzeugen und Lkws wenig Kohlendioxid ausstoßen. Doch das Gegenteil sei der Fall, schlägt jetzt der Deutsche Naturschutzbund (NABU) Alarm. „Containerschiffe sind in Sachen Luftverschmutzung das klimaschädlichste Transportmittel überhaupt“, kritisiert NABU-Geschäftsführer Leif Miller. „Pro beförderte Tonne stößt ein Containerschiff mindestens 50-mal so viel Schwefeldioxid aus wie ein moderner Lkw.“

Im Treibstoff Schweröl ist 3500-mal mehr Schwefel als in Lkw-Diesel

In der Hansestadt Hamburg verursachen 10.000 Schiffe jedes Jahr nach Angaben des Hamburger Senats 38 Prozent der Stickoxid- und 17 Prozent der Feinstaubemissionen. „Gerade weil der Hafen mitten in der Stadt liegt, sind die Verantwortlichen in der Pflicht, die Anwohner vor den Gesundheitsrisiken durch Schiffsemissionen zu schützen“, sagt Malte Siegert, Umweltexperte des NABU-Landesverbandes Hamburg. „Das passiert bisher nur unzureichend. Wir fordern das Ende des Verschmutzungsprivilegs für Hochseeschiffe.“

Frachter werden deshalb zur Klimasünde, weil sie statt Schiffsdiesel oftmals Schweröl verbrennen. Und dabei entsteht das gesundheitsschädliche Schwefeldioxid. NABU ist empört darüber, dass der Schwefelgehalt im Schiffstreibstoff bis zu 3,5 Prozent betragen darf. „Das ist 3500 Mal so viel wie bei Lkw-Diesel“, schimpft Dietmar Oeliger, Leiter der Verkehrspolitik beim NABU, in der Süddeutschen Zeitung. Hinzu kommt ein hoher Ausstoß an Rußpartikeln und Stickoxiden. Zwar will die Politik den Einsatz von Treibstoffen mit einem Schwefelanteil von über 0,5 Prozent ab dem Jahr 2020 verbieten. Doch schon jetzt fordert Oeliger: „Billiges Schweröl sollte verboten werden.“

Luftverschmutzung durch Schifffahrt fordert immer mehr Todesopfer

Der NABU warnt ausdrücklich davor, dass die Gesundheit der Menschen auf dem Spiel steht. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) habe im vergangenen Jahr Rußpartikel als genauso krebserregend eingestuft wie Asbest. Und laut wissenschaftlichen Untersuchungen sei die internationale Schifffahrt in Europa für über 50.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich.

Um die Umweltbelastung zu reduzieren, stellt NABU an Reeder konkrete Forderungen. Sie sollen möglichst schnell auf Treibstoff mit einem Schwefelgehalt von höchstens 0,005 Prozent umsteigen. Zudem sei es notwendig, Stickoxid-Katalysatoren und Rußpartikelfilter in die Schiffe einzubauen. Derzeit fahren die meisten Frachter ohne Abgastechnik.

Doch die Kosten von etwa 500.000 Euro pro Schiff ließen sich im hart umkämpften Markt nicht einfach auf Spediteure und Warenhersteller abwälzen, argumentiert ein Sprecher des Verbands Deutscher Reeder (VDR) gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Wenn die Kunden bereit sind, die Mehrkosten zu tragen, würden wir die umweltfreundlichen Technologien auch einsetzen.“

Nachrüstung würde T-Shirt lediglich 0,2 Cent teurer machen

Aktuelle Berechnungen des NABU zeigen, dass der Verbraucher die Investition in mehr Umweltschutz zu See gar nicht merken würde. An konkreten Beispielen rechnet der Naturschutzbund vor, dass der Preis für ein T-Shirt um lediglich 0,2 Cent steigen würde. Ein Tablet-PC würde einen Cent teurer, ein verhältnismäßig schwerer Drucker gerade einmal 20 Cent. Es sei also kaum mit einem Konsumrückgang zu rechnen. 

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Von Patrick Schroeder
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