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30.11.2012, 19:56 Uhr | 0 |

Podiumsdiskussion Club of Rome-Bericht 2012 im Gespräch

"Die Energiewende ist nur ein Bestandteil unserer ,common future‘. Wir müssen den Menschen entwickeln", forderte die Umweltpsychologin Lenelis Kruse-Graumann auf einer Podiumsdiskussion der Bayerischen Akademie der Wissenschaften vergangene Woche in München. Anlass der Gesprächsrunde war der diesjährige Bericht des Club of Rome "2052 - Ausblick auf die nächsten 40 Jahre".

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Die Energiewende ist nur einer von vielen Bausteinen für eine bessere Umwelt

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Die Club-of-Rome-Autoren haben für die nächsten 40 Jahre u. a. extreme Wetterphänomene wie Hitzewellen, Dürren oder starke Niederschläge vorhergesagt. Die Folgen der von Menschen verursachten Umweltveränderungen sind bereits jetzt spürbar: Das betrifft nicht nur die Treibhausgasemissionen und die dadurch verursachte Klimaerwärmung. Übersäuerung und Überfischung der Meere, Artensterben, Ressourcenübernutzung und der steigende Energieverbrauch gehören ebenfalls dazu. Schlagworte, die Reinhold Leinfelder unter dem Stichwort "Anthropozän" subsumiert.

Der Paläontologe vom Institut für Geowissenschaften Freien Universität Berlin wies darauf hin, dass der Mensch zum geologischen Faktor geworden ist. Aufgrund seines Wirkens sei 30 Mal mehr Sediment umgelagert worden als in den vergangenen 500 Jahren durch natürliche Prozesse.

Club of Rome-Bericht: Der Mensch hat die Erde irreversibel verändert

Wolfgang Haber, emeritierter Landschaftsökologe von der Technischen Universität München, stellte fest, dass der Mensch die Erde irreversibel verändert habe. Eine Rückkehr zu bestimmten Zuständen sei nicht mehr möglich. Die Technologie könne aber neue Impulse geben, denn der Mensch sei ein Homo Faber: "Technologie steckt in uns Menschen drin."

Nun mag zwar die Politik zum Energiesparen auffordern und eine bessere Energieeffizienz anmahnen, sei es bei Haushaltsgeräten, bei Industrieanlagen oder Autos. "Aber die höhere Energieeffizienz verpufft, weil die Einspareffekte durch den Rebound-Effekt wieder kompensiert werden", weiß Martin Faulstich, Leiter des Lehrstuhls für Rohstoff- Energietechnologie der TU München. Wer beispielsweise sein Auto abgeschafft hat, könnte sich dazu verleiten lassen, stattdessen zum Shopping nach New York zu fliegen.

"Es gibt kaum eine menschliche Aktivität, die nicht technikgestützt ist. Deshalb ist die Diskussion: ,Die Technik wird es schon richten‘ gefährlich", meint Lenelis Kruse-Graumann, Umweltpsychologin an der Universität Heidelberg, und fordert: "Wir müssen den Menschen entwickeln – indem wir das Verhältnis von Mensch und Umwelt stärker in den Mittelpunkt rücken und dabei auch den Rebound-Effekt thematisieren."

Möglicherweise sei das Gefahrenpotenzial zu abstrakt, räsonieren die Diskussionsteilnehmer, nötig sei Handlungswissen, in welchem Bereich und wie etwas umzusetzen ist. "Die heutige Problematik ist sehr komplex. Der Einzelne kann nur schwer Systeme verändern, damit ist er im Grunde überfordert. Es hat mehr Zugkraft, wenn der Staat konkrete Vorgaben macht", gibt Martin Faulstich zu bedenken, der auch Vorsitzender der Sachverständigenrats für Umweltfragen (SRU) ist.

Wohlstand von der Ressourcennutzung entkoppeln

Eine Lösung aus dem aktuellen Umweltgutachten des SRU lautet: Den Wohlstand von der Ressourcennutzung zu entkoppeln. Denn eine höhere Energieeffizienz bringt zwar eine höhere Produktivität mit sich, und das führt zu mehr Wachstum – aber die Folge ist, dass Energie- und Ressourcenverbrauch weiter ansteigen. Ein Teufelskreis.

Im Grunde gehe es darum, wie man mit geringem oder auch ohne Wachstum zu Wohlstand kommt. "Es wäre besser, den Begriff Wohlfahrt zu verwenden, wenn man etwas über die Lebensqualität aussagen will. Denn persönliches Glück und Zufriedenheit korrelieren nur bis zu einem bestimmten Punkt mit dem Einkommen, danach sind sie losgelöst von materiellen Dingen", betont Faulstich gegenüber VDI nachrichten.

Sachverständigenrat für Umweltfragen (SRU) sieht vier zentrale Handlungsfelder

Um dieses Ziel zu erreichen, hat der SRU vier Handlungsfelder vorgeschlagen: 1. die Rohstoffwirtschaft, 2. den Bereich Lebensmittel, 3. den Güterverkehr, 4. die Mobilität. Beim ersten Punkt steht u. a. eine obligatorische Kreislaufführung im Mittelpunkt und die Einführung einer Primärbaustoffsteuer. Letztere soll die Bauindustrie animieren, Sekundärrohstoffe einzusetzen.

Das zweite Handlungsfeld bedeutet einen Verzicht auf täglichen Fleisch- und Milchproduktekonsum. Denn Verarbeitung und Transport dieser Lebensmittel sind äußerst energieintensiv.

Handlungsbedarf sieht der SRU auch beim Güterverkehr, da dessen Anteil am Verkehr kontinuierlich steigt. Um Klimaschutzziele zu erreichen, sei eine "Elektrifizierung der Straße" dringend geboten. Gemeint sind Oberleitungssysteme für elektrisch betriebene Lkw. Um diese Trolley-Trucks fahren zu lassen und auch Gütertransporte auf die Schiene zu verlagern, müsste die Regierung allerdings ihre Infrastrukturpolitik überarbeiten. Etwa in Ballungsräumen die Mobilität nur zu fördern, wenn der Anteil des öffentlichen Nahverkehrs von derzeit 20 % auf über 70 % erhöht wird. Der Ausbau der Infrastruktur für Fußgänger und Fahrradfahrer müsse Priorität genießen sowie innerorts ein generelles Tempolimit von 30 km/h für Pkw gelten.

Energiesparen ist zwar das Gebot der Stunde, notwendig ist, da ist sich die Diskussionsrunde einig, Einstellungen zu verändern und Ansprüche herunterzuschrauben. "Die Motivation zur Veränderung sollte sich aus unserem Sinn für Gerechtigkeit speisen. Aber die langfristige Perspektive fällt uns schwer", diagnostiziert Wolfgang Haber.

"Wir wollen den Wandel noch nicht", stellt Kruse-Graumann fest. Um eine Bewusstseinsänderung zu bewirken, sei eine konzertierte Aktion von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft notwendig. 

Von Evdoxia Tsakiridou | Präsentiert von VDI Logo
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