22.09.2014, 06:55 Uhr | 0 |

Kampf gegen Smog China verbietet Kraftwerken ab 2015 schmutzige Steinkohle

Die chinesische Regierung zieht die Notbremse: Sie verbietet ab 2015 in einigen Stadtregionen die Verstromung schmutziger Steinkohle mit hohem Aschegehalt, die für den größten Teil der katastrophalen Luftverschmutzung verantwortlich ist. Das trifft in- und ausländische Kohlelieferanten hart.

Smog gehört in chinesischen Großstädten zum Alltag
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Smog so weit das Auge reicht: In chinesischen Großstädten gehört er zum Alltag. Um die Luftqualität zu verbessern, verbietet die Regierung ab 2015 in einigen Regionen die Verfeuerung schmutziger Steinkohle. In vielen ländlichen Regionen bleibt sie erlaubt. 

Foto: FEATURECHINA

China’s National Development and Reform Commission hat angekündigt, dass von 2015 an keine Steinkohle mehr verfeuert werden darf, die entweder mehr als 16 Prozent Asche hinterlässt oder mehr als ein Prozent Schwefelgehalt hat. Betroffen davon sind der chinesische Kohlebergbau und die beiden Hauptlieferländer für Steinkohle, Australien und Südafrika. Mit dem Verbot soll die Qualität der Luft über den großen chinesischen Städten drastisch verbessert werden.

Die genannten höchstzulässigen Werte von 16 Prozent Aschegehalt und einem Prozent Schwefel gelten ausdrücklich nur für die bevölkerungsreichen, wohlhabenden Stadtregionen im küstennahen Ost-China. Dazu zählen unter anderem Peking, Tianjin, Hebei und die Mündungsgebiete des Jangtse und des Pearl River.

In anderen Landesteilen darf schmutzige Kohle weiterhin verfeuert werden

In ganz China darf künftig keine Steinkohle mit mehr als 20 Prozent Aschegehalt und einem Prozent Schwefelanteil transportiert werden. Mit diesem Transportverbot soll verhindert werden, dass schmutzige Kohle von der Küste in Landesteile gelangt, in denen ein strengerer Grenzwert gilt. 

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Auch in Peking ist der Smog ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung. Viele Menschen gehen nur noch mit Atemschutzmaske auf die Straße. 

Foto: dpa

In anderen Landesteilen als den ostchinesischen Küstenregionen darf weiter in gewissem Umfang schmutzige Kohle verfeuert werden. Hier gilt künftig ein Grenzwert von 40 Prozent Aschegehalt und drei Prozent Schwefelgehalt. In diesen Landesteilen, die den allergrößten Teil der Fläche Chinas ausmachen, darf künftig allerdings keine Kohle mehr abgebaut werden, die die beiden Grenzwerte überschreitet. Dass die chinesische Regierung so unterschiedliche Grenzwerte einführt, hat den Grund, dass in weiten Teilen des riesigen Landes von einer nennenswerten Luftverunreinigung bisher noch nicht die Rede sein kann.

Große Einbußen für Australien und Südafrika

Was die chinesischen Grenzwerte für große Lieferländer bedeuten, lässt sich am besten am Beispiel von Australien ablesen. 25 Prozent der gesamten Kraftwerkskohle-Ausfuhr aus Australien geht nach China. Das sind immerhin 54 Millionen Tonnen im Jahr. Ausnahmslos hat diese Kohle einen höheren Ascheanteil als 16 Prozent und einen höheren Schwefelanteil als ein Prozent. Das bedeutet, dass diese Lieferungen in Kürze nicht mehr möglich sein werden. Im Gegensatz dazu bleibt die australische Kohle für den Einsatz in der Stahlverhüttung durchweg unter den Grenzwerten, kann also auch zukünftig nach China geliefert werden. Besonders betroffen von den Lieferbeschränkungen sind in Australien die Bergbaukonzerne BHP Billiton, Rio Tinto und Glencore.

Im australischen Kohlebergbau wird derzeit intensiv nach Abhilfe gesucht. Dabei dominiert die Idee, die nach China zu verschiffende Kohle zu waschen und dann Kohlesorten aus verschiedenen Abbaugebieten so zu mischen, dass die chinesischen Höchstwerte eingehalten werden können. All das kostet Zeit und Geld. Alternativ aber bliebe nur der Verzicht auf ein Viertel des bisherigen Kraftwerkskohle-Exports. Die Schwierigkeit mit der Kohlewäsche und -mischung wird allerdings darin gesehen, dass die chinesischen Behörden dann ein umfangreiches Kontrollsystem aufbauen müssen, um sichergehen zu können, dass tatsächlich der gesamte Kohle-Import unterhalb der jeweiligen Grenzwerte bleibt.

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Von Peter Odrich
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