Klima & Umwelt

RSS Feeds  | Alle Themen Klima & Umwelt-Visual-138033366
20.03.2014, 08:30 Uhr | 0 |

Auch in unwegsamen Gebieten Ameisen helfen bei der Renaturierung von Regenwäldern

Ameisen sind wichtige Helfer bei der Rettung bedrohter Bergwälder. Auch in unwegsamen Landschaften und Hängen verteilen sie die Samen. Den Nachweis für diese wichtige Arbeit der Insekten erbrachte ein Wissenschaftsteam, das in den bolivianischen Anden das System der Samenausbreitung untersuchte. 

Clusia-Samen und Ameisen
Á

Der fetthaltige rote Samenmantel der Clusia-Samen ist für Ameisen eine attraktive Nahrungsquelle. Sie transportieren sie in ihre Nester, wo die Samen im Schutz der Streuschicht gute Keimbedingungen vorfinden.

Foto: Silvia Gallegos

Die Renaturierung stark bedrohter Regenwälder in den Tropen könnte durch Ameisen entscheidend unterstützt werden. Denn dort wo Menschen nur schwer Zugang haben, in unwegsamem Gelände oder an steilen Hängen im Regenwald sind die kleinen Tierchen große Helfer.

In den Tälern der bolivianischen Anden nahe La Paz befindet sich das Untersuchungsgebiet der Biologen: zwei etwa 3000 Hektar große Inseln ursprünglichen Bergregenwaldes. Durch Rodungen und Kokaanbau zurückgedrängt, sind diese Gebiete umgeben von degradiertem Brachland und einer Vegetation aus Farnen und Sträuchern. Das Mikroklima auf den entwaldeten Flächen ist wesentlich trockener als im Wald und macht es daher der Etablierung von Waldbäumen besonders schwer. Hier untersuchten die Biologen, wie Ameisen zur Ausbreitung einer häufigen Waldbaumart (Clusia trochiformis) beitragen und testeten, ob diese Ökosystemfunktion die Wiederbesiedlung und Renaturierung der entwaldeten Gebiete fördert.

1440 Samen auf 72 Depots an sechs Orten verteilt

Das Forscherteam des LOEWE Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F) und der Universität Halle-Wittenberg verteilte 1440 Clusia-Samen auf 72 verschiedene Depots an sechs unterschiedlichen Orten. Ein Teil der Depots wurde mit Draht abgeschirmt, damit keine Nagetiere herankommen. Damit sollte auch der Einfluss der Nagetiere auf die Verbreitung gemessen werden.

„Die Ameisen kamen innerhalb weniger Stunden und transportierten etwa 60 Prozent aller angebotenen Samen ab“, berichtet Silvia Gallegos, Leitautorin der Studie und Doktorandin der Universität Halle-Wittenberg am BiK-F.

Fünffache Menge an Keimlingen 

Auch die weiteren Ergebnisse waren erstaunlich: Nach 48 Stunden sowie nach einem Monat untersuchten die Forscher das Gebiet in einem Radius von 2,5 Metern nach Samen ab und fanden 80 Prozent der verschleppten Samen wieder. Bei den meisten Samen hatten die Ameisen den Samenmantel entfernt. Dadurch reduzierten sie die Gefahr eines Pilzbefalls – und erhöhten die Wahrscheinlichkeit, dass die Samen keimten.

Ameisen entfernen Samenmantel

Nach vier Wochen hatten sich etwa fünfmal so viele Keimlinge aus den abtransportierten Samen gebildet wie aus den nicht bewegten Samen. Je weiter die Samen verschleppt wurden, umso mehr keimten sie.

Weniger Samenraub durch Nagetiere

In ihren Nestern oder auf dem Weg dorthin entfernen die Ameisen den Samenmantel und legen sie unter eine schützende Streuschicht. Gut versteckt, werden sie dort seltener von Nagetieren oder anderen Samenräubern gefunden. Die Bedingungen für den Keimungserfolg waren zudem günstig, da das Klima unter der Streuschicht feuchter war.

„Angesichts einer wahrscheinlichen Zunahme von Trockenperioden in den Anden wird die Ökosystemfunktion der Ameisen für die Regenerierung von Bergregenwäldern in der Zukunft noch wichtiger werden“, erklärt Silvia Gallegos. Ist die Baumart Clusia erst einmal wieder ausgebreitet, könnten weitere Pflanzen und Tierarten folgen, die sich gerne in der Nähe der Clusia ansiedeln. 

Anzeige
Von Petra Funk
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden