08.05.2013, 14:27 Uhr | 0 |

Chinesische Spionage USA werfen erstmals konkret China Hackerangriffe auf den Westen vor

Das amerikanische Verteidigungsministerium hat China erstmals konkret vorgeworfen, mit Hacker-Angriffen das US-Militär auszuspähen. China hat die Vorwürfe zurückgewiesen und erkennt darin „das Denken des Kalten Krieges“. Vielmehr steckten die USA hinter zunehmenden Cyberangriffen auf China.

Pentagon
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Die nationale Sicherheit steht auf dem Spiel: Schon wieder hat China offenbar im großen Stil geheime Informationen der US-Amerikaner bei einem Hackerangriff gestohlen.

Foto: Archiv/dpa

Der Konflikt über angebliche Hacker-Angriffe Chinas auf die USA schwelt seit vielen Jahren. Zuletzt hatte es massive Angriffe auf Behörden und sogar Medienseiten gegeben. Zwar hatten die USA schon immer chinesische Hacker hinter den Attacken vermutet und China zum gemeinsamen Kampf gegen Cyberkriminalität aufgerufen. Doch jetzt haben die USA erstmals im Jahresbericht des Pentagon direkt die Regierung Chinas angegriffen und dem Militär vorgeworfen, hiner den Angriffen zu stellen.

China nutze seine Computernetzwerke, um Geheimdienstinformationen über diplomatische, wirtschaftliche und Verteidigungsbereiche der USA zu erhalten. So seien „zahlreiche Computersysteme auf der ganzen Welt, darunter solche der US-Regierung“, Ziel von Hackerangriffen gewesen, „von denen einige offenbar der chinesischen Regierung und dem Militär zuzuordnen sind“, heißt es in dem Pentagon-Bericht. China könne die Informationen für seine eigene Verteidigungsindustrie nutzen. Die Fähigkeiten, Systeme zu hacken, könnten auch für Angriffe auf Computersysteme insgesamt genutzt werden, hieß es.

USA werfen China Industriespionage vor

Die Verfasser des Berichtes glauben, dass die Cyber-Spionage dem chinesischen Militär Einblicke in die Ansichten der US-Führung zu China betreffenden Themen erlaubt. Die Militärstrategen könnten sich so ein Bild von den militärischen Kapazitäten der USA machen, die „während einer Krise genutzt werden könnten“. Die Cyber-Spionage sei zudem Teil einer groß angelegten Aktion zur Industriespionage, um an US- und westliche Rüstungstechnologie zu gelangen. Damit wolle Peking unabhängiger von ausländischen Waffenproduzenten werden.

China reagierte nun ebenso scharf auf die amerikanischen Anschuldigungen. Der Bericht des Pentagon sei „haltlos und kontraproduktiv“ verbreitete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua einen Tag nach dessen Erscheinen. Beide Länder hätten sich darauf geeinigt eine Partnerschaft anzustreben, die auf gegenseitigem Respekt aufgebaut sei. Das sei nun gefährdet. Der Bericht zeige, dass die USA die chinesischen Militärinvestitionen völlig falsch einschätzten und noch in den Denkmustern des Kalten Krieges steckten. Chinas Militärpolitik sei defensiv und wolle als wirtschaftliche Großmacht ausschließlich seine Handelswege schützen.

China: Größte Bedrohung von Hacker-Angriffen kommt aus den USA

Den amerikanischen Vorwurf der Cyberspionage wollte China nicht auf sich sitzen lassen und drehte den Spieß sogar um. Tatsache sei nicht nur, dass China bereits zum wiederholten Mal gegen jede Form von Computer-Hacking aufgerufen habe. Berichte zur Cyber-Sicherheit hätten vielmehr ergeben, dass die Hacker-Bedrohungen in China größer geworden seien und dass die USA die größte Quelle dieser Attacken sei.

Der durch den Pentagon-Bericht ausgelöste aktuelle Konflikt könnte die bisher erreichten zaghaften Versuche beider Länder, gemeinsam gegen Hackerangriffe vorzugehen, zurückwerfen. Erst im April 2013 war eine gemeinsame Arbeitsgruppe gegen Cyber-Kriminalität gegründet worden. US-Außenminister John Kerry und sein chinesischer Kollege Wang Yi hatten dies bei einem Treffen in Peking vereinbart. Kerry hatte betont, dass Cyber-Sicherheit „oberste Priorität“ für Washington habe und auch China ein „schnelles Vorgehen“ befürworte.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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