08.11.2016, 13:07 Uhr | 0 |

Social Bots Studie: Gefakte Tweets von Robotern manipulieren die Wahl in Amerika

Clinton oder Trump? Das ist die Frage, die heute die Welt bewegt. Fest steht: Es wird knapp. In diesem Zusammenhang ist eine aktuelle Studie der University of Southern California (USC) höchst brisant: Sie entlarvt automatisierte Fake-Konten bei Twitter, die sich als menschliche Nutzer tarnen. Und zeigt, dass diese Software-Roboter die Präsidentschaftswahl beeinflussen. 

Clinton/Trump
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Die US-Präsidentschaftskandidaten: Demokratin Hillary Clinton und Republikaner Donald Trump. Ihr Wahlkampf: eine Schlammschlacht. Und im Netz wird heftig getwittert. Doch hinter jedem fünften Tweed steckt gar kein Mensch, sondern ein Social Bot. Und beeinflusst die echten Wähler, wie eine aktuelle Studie zeigt. 

Foto: Andrew Gombert /dpa

Sie verbreiten Lügen und nicht bewiesene Behauptungen, verstärken Trends und Meinungen und manipulieren so die echten Wähler, die sich mit ihnen bei Twitter tummeln: Automatisierte Fake-Konten bei Twitter – so genannte Social Bots – sind in den politischen Online-Diskussion äußerst präsent und beeinflussen den Präsidentschaftswahlkampf 2016 in den USA. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie von Forschern der University of Southern California (USC).  

Jeder fünfte Tweet kommt von einem Roboter

Die Wissenschaftler sammelten in der Zeit zwischen dem 16. September und dem 21. Oktober rund 20 Millionen Tweets – also Kurznachrichten bei Twitter – mit Schlüssel- und Schlagwörtern (Hashtags) zur Präsidentschaftswahl. In diesen Zeitraum fielen alle drei Fernsehdebatten der beiden Präsidentschaftskandidaten Hillary Clinton und Donald Trump sowie die Debatte der Vizekandidaten.

Besucher sitzen am 16.03.2015 auf der CeBIT in Hannover (Niedersachsen) hinter einer bemalten Glasscheibe. Die weltgrößte Computermesse CeBIT geht bis zum 20.03.2015, Partnerland ist China. Foto: Ole Spata/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Symbolbild Social Bots: Die Grenzen zwischen digitaler und realer Welt verschwimmen immer mehr. Software-Programme verschaffen sich im Netz eine menschliche Identität und betätigen sich in Sozialen Netzwerken. Und können dabei ihre unwissenden Kommunikationspartner durchaus manipulieren.

Foto: Ole Spata/dpa

Diese TV-Events wurden in den Sozialen Medien rege begleitet. Emilio Ferrara, Forschungsleiter am „USC Information Sciences Institute“, und sein Co-Autor Alessandro Bessi haben festgestellt, dass ein hoher Prozentsatz der Tweets zur Präsidentschaftswahl von Software-Robotern generiert wurden, die Pro-Trump oder Pro-Clinton programmiert waren. Und sogar von solchen mit dem programmierten Ziel, die Diskussionen zu verzerren.

Bot or not Bot?

Mit Hilfe einer Erkennungssoftware namens „BotOrNot“ konnten die Wissenschaftler aufdecken, das etwa  400.000 der insgesamt erfassten 2,8 Millionen involvierten Twitter-Benutzer so genannte „Social Bots“ waren, die sich als menschliche User tarnen. Von ihnen stammten etwa 3,8 Millionen der 20 Millionen erfassten Tweets – also knapp ein Fünftel!

Social Bots sind zwar schwer, aber zum Beispiel daran zu erkennen, dass sie pausenlos Tag und Nacht aktiv sind oder bis zu 100 Tweets und mehr pro Tag absetzen, was echte Twitter-Nutzer gar nicht schaffen können. Sie haben auffällig weniger Follower als Nutzer, denen sie selbst folgen, und verbreiten überwiegend Retweets, also Nachrichten von anderen.

Roboter twittern wie echte User

Die Macher solcher Social Bots erstellen Fake-Profile für Twitter und Facebook. Sie klauen Bilder als Profilbilder aus dem Internet, geben einem neuen Konto einen fiktiven Namen und klonen biografische Daten von bestehenden Konten. Über diese Fake-Accounts wird dann getwittert, als stecke ein echter Mensch dahinter: Die Software dieser Bots kann Nachrichten im Sinne einer programmierten Zielsetzung schicken und beantworten, teilen, kommentieren, Benutzer und Meldungen mit „Like“ quittieren und sogar anderen Twitter-Konten folgen. Das alles erhöhe den sozialen Einfluss der Bots, kommt die Studie zu dem Schluss.

ILLUSTRATION - ARCHIV - Der Schatten einer Jugendlichen mit einem Handy ist vor der Internetseite des Kurzmeldungsdienstes Twitter zu sehen, aufgenommen am 26.04.2010. Im hessischen Landtag dürfen bislang nur die Abgeordneten, nicht jedoch die Zuschauer twittern. Nach dem Willen der Opposition soll sich dies nun ändern. Foto: Armin Weigel dpa/lhe (Zu dpa-lhe KORR "Ältestenrat nimmt sich der "zwitschernden" Zuschauer an" vom 01.05.2012) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Wer twittert da? Mensch oder Maschine? Laut einer aktuellen Studie wurde ein hoher Prozentsatz der Tweets zur Präsidentschaftswahl in den USA von Software-Robotern generiert, die Pro-Trump oder Pro-Clinton programmiert waren.

Foto: Armin Weigel/dpa

„Die Präsenz dieser Bots kann sich auf die Dynamik der politischen Diskussion auswirken“, schreibt Emilio Ferrara im Journal First Mondy, in dem die Studie unter dem Titel „Social Bots Distort the 2016 U.S. Presidential Election Online Discussion" erschienen ist. "Das Ergebnis ist, dass die Integrität der US-Präsidentschaftswahl 2016 möglicherweise gefährdet ist“, folgert Ferrara.

Pro-Trump-Bots loben, Pro-Clinton-Bots kritisieren mehr

Die Analyse zeigte außerdem, dass die Pro-Trump-Roboter nahezu ausnahmslos positive Meldungen verbreiteten, um die Popularität des Kandidaten zu stärken. Die Pro-Clinton-Bots produzierten solche positiven Meldungen dagegen nur zur Hälfte, währen die andere Hälfte auf Kritik am Gegenkandidaten zielte.

Wer solche Social Bots programmiert und einschleust, konnten die Forscher nicht erkennen, dazu sei die Software zu ausgefeilt. Politische Parteien, lokale, nationale und internationale Regierungen und sogar Einzeltäter könnten über eine technische Ausstattung verfügen, mit der sie „Armeen von Social Bots“ ins Rennen schicken könnten, um politische Diskussionen zu lenken. 

Im März 2016 nahm Microsoft Research seinen Chat-Bot namens Tay nach nur 24 Stunden wieder vom Netz. Die künstliche Intelligenz sollte mit jungen Menschen kommunizieren und sich deren Jargon aneignen. Doch dann ließ sich Tay zu unmoralischen Äußerungen hinreißen. Mehr dazu finden Sie hier.

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Von Susanne Neumann
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