02.12.2013, 06:49 Uhr | 0 |

20 Spielfilme pro Sekunde Neue Datenstrecke zwischen Deutschland und USA mit 100.000 Megabit pro Sekunde

Erstmals können Europa und die USA Daten mit einer Rekordgeschwindigkeit von 100 Gigabit pro Sekunde austauschen. Ein Transatlantik-Netzwerktest beweist: Die bestehenden Glasfaserstrecken reichen dafür aus. 

Datenstrecke zwischen Deutschland und den USA überträgt 100.000 Megabit pro Sekunde
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100 Gigabit, also die Menge von 20 Spielfilmen in HD, überträgt die neue Datenstrecke pro Sekunde. Das kommt internationalen Forscherteams zugute, die täglich große Datenmengen austauschen müssen. 

Foto: dpa/Sven Hoppe

150 bis 200 Megabit pro Sekunde lassen sich nach dem neuesten Mobilfunkstandard LTE übertragen. Ebenso viel ist im Festnetz möglich. Das reicht, um den Text von 50 Ausgaben eines Magazins in einer einzigen Sekunde zu übertragen.

Experimentellen Wissenschaftlern reicht dieses Tempo nicht aus. Um etwa die Daten eines einzigen Experiments am LHC, dem Teilchenbeschleuniger des Cern in Genf, zu übertragen, würde es bei dieser Übertragungsrate Wochen dauern. 500- bis 1000-mal schneller sollte es schon gehen, sogar über große Entfernungen.

Und es geht. Computerwissenschaftler aus Karlsruhe haben jetzt die erste Datenstrecke eingerichtet, die zwischen Deutschland und den USA in jeder Sekunde 100.000 Megabit überträgt, das entspricht der Datenmenge von 20 Spielfilmen in HD-Qualität.

Bestehende Glasfaserstrecken reichen für Rekordverbindung aus

Für den Test musste keine neue Leitung gelegt werden. Die existierenden Glasfaserstrecken reichten aus. „Wie in einem Konzert haben wir die verschiedenen Instrumente nun zusammengefügt, um erstmals diese Rekordgeschwindigkeit von Endanwender zu Endanwender für die deutsche Wissenschaft nutzen zu können“, sagt Professor Bernhard Neumair, geschäftsführender Direktor des Steinbuch Centre for Computing (SCC), das zum Karlsruher Institut für Technologie (KIT) gehört.

Das Deutsche Forschungsnetz stellt Glasfaserverbindungen zwischen Karlsruhe und Amsterdam zur Verfügung. Dort übernimmt ein Konsortium aus sechs internationalen Wissenschaftsnetzen, das den Daten den Weg nach New York ebnet. Diese Verbindung steht zunächst zwölf Monate lang zur Verfügung.

Weltweit sollen Forscher von der schnellen Verbindung profitieren

Um Großexperimente auszuwerten, reichen Rechen- und Personalkapazitäten vor Ort längst nicht mehr aus. Die Aufgaben werden weltweit verteilt, etwa um die letzten Rätsel der Kernphysik zu lösen. Dazu sind extrem schnelle Datenverbindungen nötig.

„Der Transatlantik-Netzwerktest mit 100 Gigabit pro Sekunde ist ein wichtiger Schritt für den Ausbau dieser verteilten Computing-Umgebung im Hinblick auf die sehr viel höheren Datenmengen der nächsten LHC-Datennahme und künftiger Experimente“, so Professor Christian Zeitnitz, stellvertretender Vorsitzender des Komitees für Elementarteilchenphysik. Dieses Gremium vertritt alle deutschen Kernphysiker.

Nach derzeitiger Planung kommt 2020 ein neues Großexperiment hinzu, dessen Daten weltweit ausgewertet werden: der Fusionsreaktor Iter im französischen Cadarache. Daran sind die Europäische Union, die USA, Russland, Japan, Südkorea, China und Indien beteiligt.

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Von Wolfgang Kempkens
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