23.07.2013, 14:45 Uhr | 0 |

Soziale Medien in Schulen Kein Facebook für Lehrer in Baden-Württemberg

Das Kultusministerium in Baden-Württemberg hat neue Regeln für den Einsatz von Sozialen Netzwerken an Schulen festgelegt. Lehrern ist es jetzt nicht mehr erlaubt, über Facebook, Google+ oder Twitter zu kommunizieren – weder mit den Schülern, noch unter Kollegen.

Facebook-Seite
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Viele Schulen auch in Baden-Württemberg informieren mit einer eigenen Facebook-Seite wie das Walter-Eucken-Gymnasium in Freiburg. Jetzt hat das Kultusministerium des Landes Schulen und Lehrern verboten, bei schulischen Themen über soziale Netzwerke zu kommunizieren.

Foto: ingenieur.de

Die Handreichung des Kultusministeriums, die den Lehrern in Baden-Württemberg wenige Tage vor den Sommerferien in die Schulen flatterte, dürfte anhaltenden Diskussionsstoff liefern. In dem Papier wird der Lehrerschaft „die Verwendung von Sozialen Netzwerken für die dienstliche Verarbeitung personenbezogener Daten generell verboten“. Das heißt nichts anderes, als dass die dienstliche Kommunikation jeglicher Art, egal ob zwischen Lehrern und Schülern oder unter Kollegen, nicht mehr über Soziale Netzwerke laufen darf.

Die Organisation von Arbeitsgruppen, Terminabsprachen oder der Austausch von Lernmaterial kann nun nicht mehr über Seiten wie Facebook, Google+, Studi VZ oder Twitter abgewickelt werden. Auch die Chat- oder Mailfunktionen dieser Dienste sind künftig tabu. Die Lehrer sollen sich in Zukunft wieder auf bereits vorhandene Kommunikationswege wie „konventioneller Schriftverkehr“ oder „verschlüsselte E-Mails einschlägiger Anbieter“ verlassen.

„Nicht mit deutschem Datenschutzrecht vereinbar“

Auch für die Schulen und ihre Darstellung im Netz gibt es Konsequenzen durch die neuen Bestimmungen. Die Schule dürfe sich zwar auf Facebook eine „sogenannte Fanpage“ einrichten, diese solle aber nur als Zugang zur konventionellen Homepage der Schule genutzt werden und dürfe auf keinen Fall personenbezogene Daten oder Bilder von Schülern oder anderen Personen enthalten. Auch ein „like-it“ Button auf der Schulseite als Verlinkung zu Facebook ist nicht gestattet.

Als Begründung für ihre umfangreiche Verbotsliste nennt das Kulturministerium „datenschutzrechtliche Bestimmungen“. Die Datenschutzstandards von Anbietern, die ihre Server außerhalb des europäischen Wirtschaftsraumes betreiben würden, stünden nicht in Einklang mit deutschen oder europäischen Standards. Die Nutzungsbedingungen seien nicht mit dem deutschen Datenschutzrecht zu vereinbaren.

Facebook und Co. soll allerdings auch nach dem Willen des Kultusministeriums nicht komplett von den Schulen verschwinden. Als Thema bleiben die Sozialen Netzwerke im Unterricht willkommen. „Dort können beispielsweise Funktionalitäten beleuchtet werden, deren Möglichkeiten und Risiken vorgestellt und diskutiert werden. Dies könnte auch dadurch erfolgen, dass auf freiwilliger Basis bereits vorhandene Accounts von Schülern genutzt werden.“

Die Auseinandersetzung mit sozialen Netzwerken an deutschen Schulen wird regelmäßig und auf verschiedenen Ebenen geführt. Einerseits geben die Schüler selbst das Thema vor, denn zu ihrer Kommunikation gehören Facebook und andere Anwendungen ganz selbstverständlich dazu. Das ruft etwa die Landesmedienanstalten regelmäßig auf den Plan, die die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen in einem Zeitalter, in dem es kaum noch ohne Soziale Netzwerke geht, stärken wollen. Sie befürchten den allzu sorglosen Umgang mit persönlichen Daten.

Verhalten von Lehrern bei Freundschaftsanfragen im Netz

Die Lehrer, die diese Kompetenzen vermitteln sollen, haben allerdings selbst oft genug wenig Erfahrung mit Facebook und Co. und fragen sich, wie stark sie mitziehen sollen, etwa bei Freundschaftsanfragen von Schülern. Im vergangenen Jahr forderte Johann-Wilhelm Rörig, der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, dass Lehrer berufliche und private Kontakte klar voneinander trennen sollten. Freundschaftsanfragen in sozialen Netzwerken sollten von Lehrern grundsätzlich abgelehnt werden.

Der niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) wollte damals allerdings private Facebook-Kontakte zwischen Lehrern und Schülern nicht generell verbieten. Die Lehrer sollten zwar ihrer Vorbildfunktion gerecht werden, aber die Regierung könne nicht durch Auflagen etwas empfehlen, „das dem freien Recht der Nutzung unterliege“.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Jamborzek forderte gar eine „Facebook-Pflicht für Lehrer“. „Lehrer müssen einfach wissen, wie soziale Netzwerke funktionieren und was dort abläuft. Nur dann können sie ihren Schülern einen vernünftigen Umgang damit beibringen“, sagte der CDU-Politiker.

Nun führt das baden-württembergische Kultusministerium allein Datenschutzgründe an, um die Nutzung von Sozialen Netzwerken in Schulen zu reglementieren. Inwieweit die aktuellen Enthüllungen zu den groß angelegten Datenspähprogrammen etwa aus den USA hierbei eine Rolle gespielt haben könnten, bleibt bislang unklar.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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