21.01.2014, 08:29 Uhr | 0 |

Konferenz DLD 2014 Internet-Minister Dobrindt denkt an Leitungen, User an die Freiheit des Netzes

Läuft WhatsApp dem Netzwerk Facebook den Rang ab? Ist das Internet am Ende, seit die NSA mit Prism alles im Griff hat? Ist das Internet die Rettung Afrikas? Und was wird aus der Internet-Währung Bitcoin? Die führenden Köpfe des Internets suchen noch bis Dienstag nach Antworten auf der Innovationskonferenz „Digital Life Design“, kurz DLD. 

Internet-Minister Alexander Dobrindt
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Der neue Internetminister Alexander Dobrindt kündigte auf der DLD-Konferenz in München eine Offensive für den Ausbau des schnellen Internets in Deutschland an.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Welche Vordenker wären besser geeignet, auf die aktuelle Fragen die Antworten zu geben, als Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Telekom-Chef Timotheus Höttges, Amazon-Technik-Chef Werner Vogels oder Tumblr-Boss David Karp?

Als Deutschlands erster Internet-Minister Alexander Dobrindt eines der wichtigsten Treffen der weltweiten  Internet-Gesellschaft in München eröffnete, war von der Freiheit im Internet und der Bedrohung durch staatliche Horchprogramme wie Prism keine Rede. Dobrindt denkt noch in Leitungen. Er will durch einen zügigen Breitbandausbau bis 2018 Deutschland an die IT-Weltspitze führen und den klaffenden Abstand zu den USA verringern.

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Jan Komm, Gründer und Betreiber des Messaging-Dienstes WhatsApp, will so wenig wie möglich über seine Nutzer wissen. Internet-Nutzer hätten ein Recht auf Privatsphäre, sagte er auf der Internet-Konferenz DLD in München.

Foto: dpa/Marc Müller

„Wir liegen hinter den USA und den wichtigsten asiatischen Staaten weit zurück“, so Dobrindt. Um nach vorne zu kommen, möchte er in der Netzallianz Digitales Deutschland Industrieunternehmen und Politik an einen Tisch bringen. Sie soll unter anderem den Bau eines effizienten Hochgeschwindigkeitsnetzes bis 2018 ermöglichen, das Deutschland mit bis zu 50 Megabit pro Sekunde an die digitale Weltspitze führen soll.

Telekom kritisiert zu starken Wettbewerb und geringe Gewinne

Da musste Telekom-Chef Höttges, dessen Konzern das umsetzen und wohl auch noch bezahlen soll, schlucken. Er signalisierte schon mal dem Minister, dass das aufgrund derzeitiger Regulierungen fast unmöglich sei. Grund ist der scharfe Wettbewerb der IT-Konzerne in Europa, was zwar zur Freude der Verbraucher für niedrige Internet-Tarife sorgt, aber die Gewinne der IT-Unternehmen kläglich aussehen lässt. Ganz anders als in den US, wo Internet teuer und die Konzerne deshalb teure Investitionen besser stemmen können.

„Wir haben einen systematischen Fehler im Bereich der Regulierung“, so Höttges. Die EU reguliert europäische Mobilfunkriesen, indem sie beispielsweise die Roaming-Gebühren deckelt. Höttges warnte davor, dass Europa den Anschluss an die digitale Welt verlieren könnte. Die Umsätze der Telekommunikationsbranche schrumpften jedes Jahr um etwa 10 Prozent – und das, obwohl das Datenvolumen jährlich um 900 Prozent wächst.

Dieses Missverhältnis führe zu fehlenden Mitteln für den Ausbau der digitalen Infrastruktur. Um im weltweiten Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte nicht zurückzufallen, brauche Deutschland aber einen zügigen Breitbandausbau. „Wir wollen jeden Dollar, den wir haben, in die Infrastruktur investieren. Aber unser Cashflow schrumpft jedes Jahr“, so Höttges. Habe man in Europa beim Ausbau von Mobilfunknetzen einst vorn gelegen, hätten die USA bei der schnellen Funktechnik LTE mittlerweile überholt.

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Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom, Timotheus Höttges, hält es angesichts des starken Wettbewerbs und niedrigen Preise in Europa kaum für möglich, dass die Netze in der EU rasch auf High-Speed-Niveau gebracht werden können.

Foto: dpa/Sven Hoppe

Am Montag dann beschäftigte sich die Digital Life Design, eine der wichtigsten Internet-Konferenzen für Global Player und Start-ups der Internetbranche, auf Einladung des Burda-Verlages in München nicht mehr mit Leitungsnetzen, sondern mit den aktuellen Herausforderungen des Netzes. Was Dobrindt nicht erwähnte, den NSA-Skandal, machte Cyber-Security-Experte Rod Beckstrom zum Thema. Seine nüchtere Erkenntnis: Das Internet sei grundsätzlich nicht für Sicherheit gemacht, sondern für Transparenz und Offenheit. Schutz gegen Überwachung sei im System so nicht vorgesehen. Es sei für Nutzer deswegen wichtig, zu erfahren, wer welche Daten und Informationen über ihn sammelt.

Chaos Computer Club: Die User verlangen Privatsphäre im Internet 

Grundsätzlich sei hier das Vertrauen der Kunden in Unternehmen vollständig verschwunden, beklagt Frank Rieger vom Chaos Computer Club. Er erklärte, dass es heute für Unternehmen ein großes Problem sei, ihren Kunden zu beweisen, dass sie ihrer Privatsphäre nicht verletzen.

Für Jan Koum, Mitgründer und CEO des Nachrichtendienstes WhatsApp, ist die Privatsphäre im Netz entscheidend. Die Menschen müssten das Internet ohne Furcht benutzen können und verspricht für WhatsApp: „Wir wissen so wenig wie möglich über den User." Sein Unternehmen brauche nur Handy-Nummern, aber keine persönlichen Daten.

Afrika liegt Jimmy Wales besonders am Herzen, dem Mitgründer des Internet-Lexikons Wikipedia. Er will mithelfen, dass Afrika ans Netz geht und hofft auf einen Entwicklungssprung.

Und am Dienstag? Am heutigen letzten Tag diskutiert die Konferenz Cloud-Computing und Big Data, Digitale Kunst, die Zukunft von Bitcoins und ganz zum Abschluss am Mittag noch einmal die Bedrohung des Internet durch den amerikanischen Geheimdienst NSA.

Wer die Konferenz live verfolgen will, kann das natürlich per Livestream im Internet.

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Von Patrick Schroeder & Axel Mörer-Funk
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