10.10.2014, 14:47 Uhr | 0 |

Folge des NSA-Skandals Google-Chef Schmidt befürchtet Ende des Internets

Wegen der Massenüberwachung durch den US-Geheimdienst NSA könnte das globale Netz, so wie es heute existiert, bald Geschichte sein. Das jedenfalls prognostiziert Eric Schmidt. Der Google-Chef warnt vor den Folgen einer Fragmentierung.  

Google-Chef Eric Schmidt
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Google-Chef Eric Schmidt befürchtet, dass immer mehr Länder den US-amerikanischen Internetfirmen nach der NSA-Affäre misstrauen und ihre Daten lieber im eigenen Land speichern. Er verweist auf die Entscheidung der Bundesregierung, dem Internetprovider Verizon zu kündigen. 

Foto: dpa

„Am Ende droht das Internet zu zerbrechen“, sagte Google-Chef Eric Schmidt auf einer Podiumsdiskussion in Palo Alto, wo auch Vertreter von Facebook, Microsoft und Dropbox mit am Tisch saßen. Mit ausschlaggebend für das düstere Szenario sei das schwindende Vertrauen ausländischer Kunden gegenüber den amerikanischen Internetkonzernen: Nach Bekanntwerden der Spionageaffäre sei in vielen Ländern der Eindruck entstanden, die US-Unternehmen könnten sich nicht gegen die Praktiken der NSA wehren, erklärte Schmidt.

Wie die Süddeutsche Zeitung schreibt, erwähnte der Google-Chef in diesem Zusammenhang auch die Entscheidung der deutschen Bundesregierung, die Verträge mit dem amerikanischen Internetprovider Verizon zu kündigen. Dass andere Länder planten, Daten national zu speichern, könnte schwerwiegende wirtschaftliche Folgen für die Unternehmen haben, so der Google-Chef weiter. Bisher ist es allerdings so, dass sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des NSA-Skandals mit keinen konkreten Zahlen belegen lassen.

Fragmentierung könnte Internet teurer und langsamer machen

Laut itworld.com warnte Schmidt davor, dass es zu einer Art Kauft-Europäisch-Bewegung kommen könnte. Auch Colin Stretch, Chef der Rechtsabteilung bei Facebook, argumentierte in dieselbe Richtung. Die Pläne vieler Länder, Daten nicht mehr in den USA zu speichern, sondern auf lokalen Servern, widerspreche aber dem ursprünglichen Konzept eines weltweiten Netzes, sagte der Facebook-Manager.

Solche Schritte würden das Potenzial der Internets eingrenzen. Das Netz funktioniere am besten, wenn es keine Grenzen zwischen den Staaten gäbe. Außerdem betonte Stretch, dass nationale Alleingänge die User empfindlich treffen könnten, denn das Internet würde nicht nur langsamer, sondern die Dienste auch teurer werden.

Schon jetzt geben die US-Konzerne viel Geld aus, um Vertrauen zurück zu gewinnen. So haben HP und Microsoft angekündigt, Server in Deutschland und Europa aufzubauen, die nach hiesigem Datenschutz arbeiten sollen. Damit sollen vor allem Unternehmenskunden bei der Stange gehalten werden, die Clouddienste nutzen.

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NSA-Hauptquartier in Fort Meade (Maryland): Schmidt befürchtet, im Ausland sei der Eindruck entstanden, die US-amerikanischen Internetfirmen könnten den Machenschaften des US-Geheimdienstes keine Gegenwehr leisten. 

Foto: dpa

Einen Stopp der breit angelegten Überwachung forderte der Veranstalter der Podiumsdiskussion, US-Senator Ron Wyden. Telefonanrufe, SMS und E-Mails sollten privat bleiben. Die US-Regierung befinde sich mit dem digitalen Schleppnetz auf dem Holzweg. Überwachung mache das Land nicht sicherer, sondern sei eine klare Gefahr für die Internetwirtschaft.

Konzerne setzen sich für Reform ein

Die amerikanischen Internetkonzerne haben schon früh den Kontakt zur US-Regierung gesucht, um sich gegen die Überwachungstätigkeiten zu wehren. Mehrfach gab es Gespräche im Weißen Haus. Die Unternehmen setzen sich für eine Reform ein, die die Onlineüberwachung einschränkt. Außerdem arbeiten sie daran, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu optimieren, um etwa Regierungen und Hackern das Mitlesen von Mails zu erschweren.

Ans Licht gekommen waren die NSA-Spähpraktiken erstmals im Juni des vergangenen Jahres. Der ehemalige US-Geheimdienstler Edward Snowden hatte den Skandal publik gemacht. Die Öffentlichkeit erfuhr, dass die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten zugreifen konnten, unter anderem bei Facebook, Yahoo und Google. 

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Von Lisa von Prondzinski
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