03.11.2014, 15:26 Uhr | 0 |

Anonym ins Social Network Facebook richtet eigenen Zugang für Tor-Anwender ein

Facebook bietet Surfern ab sofort die Möglichkeit, sich über eine anonymisierte und verschlüsselte Verbindung anzumelden. Das soziale Netzwerk hat einen eigenen Dienst eingerichtet, über den sich Nutzer des Anonymisierungsnetzwerks Tor direkt mit Facebook verbinden können. Innerhalb des sozialen Netzwerks surft man damit aber nicht anonym.

Bunte Filzstifte rahmen ein Facebook-Logo an der Europazentrale in Dublin ein
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Bunte Filzstifte rahmen ein Facebook-Logo an der Europazentrale in Dublin ein: Jetzt will Facebook einen Zugang für Tor-Nutzer schaffen, um die Datensicherheit zu erhöhen.

Foto: dpa/Jessica Binsch

Surfer hinterlassen überall im Internet ihr Spuren. Ihre Wege im World Wide Web sind zurückzuverfolgen (Tracking), über die Adresse ihres Rechners sind sie und ihr Standort identifizierbar, auf den Routern und Servern im Web liegen ihre unverschlüsselten Daten abrufbereit herum und können von den Datenkraken der Werbetreibenden ebenso abgegriffen werden wie von Cyberkriminellen und Geheimdiensten.

Es gibt jedoch eine ganze Reihe von Möglichkeiten im World Wide Web anonym zu surfen und die Daten zu verschlüsseln, die zwischen dem eigenen und den Rechnern im Web hin- und her geschickt werden. Eine davon ist das Anonymisierungsnetzwerk Tor.

Anonyme Verbindung zum Facebook-Netzwerk

Facebook hat jetzt einen eigenen Dienst, einen sogenannten Hidden Service, speziell für Tor-Anwender eingerichtet. Die können sich ab sofort über eine spezielle Facebook-Adresse mit dem Kürzel onion mit ihren Facebook-Zugangsdaten anmelden. Das bedeutet, dass ihr Standort geheim bleibt und ihre Daten von außen nur noch schwer ausspioniert werden können, da ihre Verbindung zum Facebook-Netzwerk anonymisiert und verschlüsselt wird.

Gegenüber Facebook bleiben die Anwender dagegen nicht anonym, da sie sich mit ihren ganz normalen Facebook-Zugangsdaten anmelden. „Der Hidden Service ist ein riesiger Vorteil für Nutzer, die Privatsphäre und Sicherheit wollen, aber nicht unbedingt Anonymität“, schrieb Runa Sandvik von Tor auf Twitter.

Verbindungswege werden verschleiert

Im Tor-Netzwerk wird die Verbindung zwischen dem Nutzer und dem Seiten- oder Dienstanbieter im Web alle paar Minuten über andere Wege hergestellt, das heißt, die Verbindung wechselt ständig die Router. Außerdem werden die weitergeleiteten Daten zumindest bis auf das letzte Stück zwischen Netzwerk-Ausgang und Anbieter verschlüsselt. Auf diese Weise werden die Identität und der Standort des Surfers verschleiert und seine Daten werden sicher weitergeleitet.

addressing a New Delhi summit of internet.org, a project to make internet access affordable across the world in New Delhi, India 09 October 2014. Facebook will support the development of local-language apps and ones that help farmers and migrant workers in developing countries, the social networking site's founder and CEO Mark Zuckerberg said. There were 77.8 million internet users in India in 2013 with a penetration of just 13.7 per cent of the population, according to research firm eMarketer. EPA/STR +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf einem Internettreffen Anfang Oktober in Neu Delhi: Jetzt wirbt Zuckerberg bei Internetnutzern um Vertrauen, die per Tor-Netzwerk anonym im Internet unterwegs sind.

Foto: dpa

Facebook verschlüsselt die Verbindung zum Tor-Netzwerk zusätzlich und hat für die eigene onion-Adresse ein Sicherheitszertifikat implementiert. Das sorgt dafür, dass der Browser des Tor-Nutzers die Adresse als echt identifiziert und keine Sicherheitswarnung ausgibt, wenn die Zugangsseite aufgerufen wird. Das Tor-Netzwerk ist nur mit einem speziell dafür ausgerüsteten Browser zu nutzen, der auf Torproject heruntergeladen werden kann. Den brauchen auch Facebook-User, wenn sie das Social Network via Tor-Netzwerk erreichen wollen.

Wie der bei Facebook für sichere Infrastruktur zuständige Softwareentwickler Alec Muffet informiert, versperre das Sicherheitssystem von Facebook Tor-Nutzern normalerweise den Zugang. Die Art, wie sie ihren Standort scheinbar ständig ändern, sei nämlich dem ähnlich, wie Hacker ihre Identität zu verschleiern suchen. Daher identifiziere das Sicherheitssystem von Facebook ein gehacktes Konto, wenn sich ein Tor-Nutzer anmelden wolle und reagiere mit Kontosperrung.

Tor-Zugang als vertrauensbildende Maßnahme

Insgesamt wird die Einrichtung des speziellen Zugangs für Tor-Anwender als Vertrauen schaffende Maßnahme von Facebook gewertet. Dabei dürften regelmäßige Tor-Nutzer in der Mehrzahl versierte Surfer sein, die viel Wert auf Privatsphäre und Datensicherheit legen und Facebook eher nicht nutzen. Doch gerade bei diesen wirbt Facebook nun um Vertrauen. Wenn der Dienst funktioniert und akzeptiert wird, plant Facebook einen weiteren Ausbau seiner onion-Dienste, zum Beispiel für den sicheren mobilen Zugang.

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Von Susanne Neumann
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