22.08.2013, 10:39 Uhr | 0 |

Telekommunikation Ein Modem von und für Afrika

Firmen, die Kommunikationstechnologie entwickeln, stammen meist aus Industrieländern. Die Anforderungen anderer Weltgegenden haben sie selten im Blick. Inzwischen entwickeln afrikanische Firmen ihre Technologie selbst. Frei nach dem Motto: Wenn es hier funktioniert, dann überall.

BRCK-Modem in robustem Gehäuse
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Das BRCK-Modem steckt in einem mit Standardschrauben staubdicht verschlossenen, robusten Gehäuse.

Foto: BRCK

Wer in Afrika reist oder arbeitet, weiß, dass Kommunikationsverbindungen schon wegen der unsicheren Stromversorgungen Glückssache sind. Zwar ist mittlerweile ein Großteil des Kontinents zumindest an Mobilfunknetze angeschlossen, doch was nutzt das, wenn die Antenne, der Laptop oder das Ladegerät gerade keinen Strom haben oder wegen empfindlicher Elektronik in dem extremen Klima den Geist aufgeben?

Weil die Produkte der Hersteller aus industrialisierten Ländern sie nicht befriedigten, begannen die Mitarbeiter von Ushahidi, einer Non-Profit-Technologieorganisation mit Sitz in Nairobi, Kenia, einfach selbst ein Modem für die Ansprüche des heißen Klimas und der unberechenbaren Anwendungsbedingungen zu bauen.

Ushahidi entwickelt frei verfügbare Softwaretools für die Sammlung, Visualisierung und geografische Lokalisierung von Informationen auf Karten. Hilfreich ist so etwas beispielsweise bei Katastrophen oder in Kriegsgebieten, wo sich die Mitarbeiter häufig aufhalten, um Betroffene solcher Situationen kommunikationstechnisch zu unterstützen.

Stabile Ausrüstung unverzichtbar

Gerade unter solchen Umständen ist stabiles Equipment unverzichtbar – die vorhandenen Geräte waren oft den Umständen nicht gewachsen. "Innovationen entstehen vom Rand her", schreibt das Team auf seiner Website.

Inzwischen ist nach neumonatiger Entwicklungszeit BRCK fertig. Das neuartige Modem kommt solide wie ein Ziegelstein (engl.: Brick) daher. Das Modem loggt sich in das Netz ein, das gerade verfügbar ist oder von den verfügbaren am besten funktioniert. Es fungiert je nach Situation und ohne große Einstellungen als Brücke, Router, WLAN-Hotspot oder (mit SIM-Karte) UMTS/LTE-Zugangspunkt und schließt bis zu 20 Geräte sowie acht Sensoren an das jeweils verfügbare Netz an.

Das Modem unterstützt die wichtigsten Kommunikationsprotokolle und kann diesbezüglich nachgerüstet werden. Die WLAN-Sendestärke reicht, um mehrere Räume mit Verbindungen auszustatten. Eine interne Festplatte mit 16 GByte Kapazität kann Daten aufzeichnen. Die integrierte Software ist durch Apps ansprechbar, erlaubt das Management aus dem Hintergrund und kann Daten sammeln.

Robustes Gehäuse

Das Ganze steckt in einem mit Standardschrauben staubdicht verschlossenen, robusten Gehäuse, so dass BRCK auch den Transport über Buckelpisten oder durch den Wüstensand übersteht.

Für die Konfiguration des BRCK reicht es aus, ein paar einfache Fragen auf dem Smartphone-Display zu beantworten und gegebenenfalls ein Kabel einzustecken. Und am wichtigsten: Die in dem Gerät befindliche Lithium-Polymer-Akkus reichen in voll geladenem Zustand für acht Stunden und halten ihre Energie unbenutzt sechs Monate.

Dazu passend hat Ushahidi zusammen mit einer ebenfalls in Kenia ansässigen Textil- und Lederverarbeitungsfirma eine genauso robuste Tragetasche entwickelt, mit der sich der kommunikative Backstein überall dahin bringen lässt, wo seine Vermittlungsdienste gerade benötigt werden. Weiter stellt das 25-Mann-Unternehmen eine Cloud-Anwendung zur Verfügung, die Stromversorgung und Telekommunikation jedes BRCK weltweit zur Überwachung für seinen Anwender sichtbar macht.

Über Kickstarter Geld eingesammelt

Originell auch die Finanzierung, die sich bei IT-Innovationen abseits des Mainstreams – das Fairphone war bisher das bekannteste Beispiel – einzubürgern scheint: Mehr als 1000 Unterstützer stifteten über das Crowdfunding-Portal Kickstarter rund 172 000 $, die nun in die Produktion des Geräts fließen.

Das Team hat beim Erreichen weiterer Finanzierungsziele zusätzliche Features in Aussicht gestellt. Beispielsweise wird beim Erreichen von 300 000 $ ein Softwareentwicklungskit bereitgestellt, das die Programmierung von Apps für das Gerät erlaubt.

Ab 500 000 $ werden Cloud-Applikationen wie Dropbox vorinstalliert. Die Finanzierung des ersten Ziels – 125 000 $ bis zum Aufbau der Produktion – war innerhalb weniger Wochen erreicht.

Über eine Shop-Website kann man das Gerät für 195 $ plus Versandkosten von der ganzen Welt aus bestellen. Support und der übrige weltweite Vertrieb werden gerade organisiert.

Ansonsten, so das Unternehmen, entstehen den Anwendern derzeit außer für den Netzzugang über einen Provider keine Zusatzkosten – es sei denn, die Entwickler, die später für den BRCK arbeiten, ließen sich kostenpflichtige Apps einfallen. Auch ein VPN-System, das eventuell geplant ist, könnte laut Ushahidi kostenpflichtig werden. 

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Von A. Rüdiger | Präsentiert von VDI Logo
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