10.07.2013, 14:16 Uhr | 0 |

Telekommunikation EU-Studie: Internetkunden kriegen zu wenig Speed

Die angegebenen Datenraten für den Download im Internet bleiben europaweit deutlich hinter den von den Netzbetreibern versprochenen Leistungen zurück. Das attestiert jetzt auch eine detaillierte Erhebung der EU-Kommission.

Neelie Kroes
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Eine große Lücke klafft laut EU-Kommissarin Neelie Kroes zwischen der Internetgeschwindigkeit am Anschluss und der in Verträgen zugesicherten.

Foto: EU

"Mit dieser Erhebung sind wir erstmals in der Lage, die Differenz zwischen den beworbenen und den tatsächlichen Breitbandgeschwindigkeiten durch vergleichbare und zuverlässige Daten aus allen EU-Mitgliedstaaten zu bestätigen", umschrieb die für Digitale Agenda zuständige EU-Kommissarin Neelie Kroes den Befund einer EU-weiten Nachforschung über die Qualität von Breitbandanschlüssen.

Verbraucher erhalten nur 74 % der gekauften Netzgeschwindigkeit

Die europäischen Verbraucher erhalten bei Breitbanddiensten nicht die Datenraten, für die sie bezahlen. Im Durchschnitt verfügen sie nur über 74 % der vertraglich vereinbarten Geschwindigkeit. An der im März 2012 durchgeführten Untersuchung nahmen 9104 Internetnutzer teil. Dabei wurden in 75,9 Mio. Einzeltests und mehr als 3 Mio. Detailmessungen EU-weit Daten ermittelt.

In absoluten Zahlen lag die durchschnittliche Download-Geschwindigkeit aller Länder und aller Techniken bei 19,47 Mbit/s in Spitzenzeiten. Glasfaseranschlüsse erreichten mit 41,02 Mbit/s die höchsten Geschwindigkeiten. Bei Kabeldiensten waren es 33,10 Mbit/s, während DSL-Dienste mit durchschnittlich 7,2 Mbit/s hinterherhinkten. 

Beim Upload betrug die durchschnittliche Geschwindigkeit 6,2 Mbit/s, was 88 % der versprochenen Geschwindigkeit entspricht. Fibre-to-the-Home- oder -Building-Dienste waren mit 19,8 Mbit/s bei Weitem am schnellsten. Kabel- und DSL-Dienste erzielten nur bescheidene 3,68 Mbit/s bzw. 0,69 Mbit/s. Die Ergebnisse beziehen sich auf die Leistung zu Spitzenzeiten zwischen 19  bis 23 Uhr an Wochentagen, wenn Spitzennutzerzeiten auftreten.

Mehr als ein Drittel der befragten Internetkunden (bis zu 41 %) gab an, dass ihre Download-Geschwindigkeiten nicht mit den in ihren Verträgen angegebenen Geschwindigkeiten übereinstimmen. Fast die Hälfte beanstandet "gelegentliche Schwierigkeiten" beim Zugang zu Onlineinhalten und -anwendungen aufgrund ungenügender Geschwindigkeiten oder Kapazitäten. Es bestehen erhebliche Unterschiede zwischen den einzelnen Mitgliedstaaten, die nach Ansicht der EU-Kommission höchstwahrscheinlich auf unterschiedliche Werbepraktiken zurückzuführen seien.

Kroes: Verbraucher benötigen mehr Informationen über Netzqualität

"Die Verbraucher brauchen mehr Informationen, um fundierte Entscheidungen treffen zu können und die werbenden Angebote mit den tatsächlich erbrachten Leistungen vergleichen zu können", sagte Kroes. Die Kommissionsvizepräsidentin kündigte an, eine weitere Studie in Auftrag geben zu wollen. Die ersten Ergebnisse der jetzt vorliegenden Studie seien ein weiterer Beleg für die Notwendigkeit eines echten vernetzten Binnenmarktes in der EU.

Die Studie biete äußerst genaue und unabhängige Ergebnisse für die Internetleistung, unabhängig von der Zugangstechnologie und den technischen Einrichtungen in den jeweiligen Haushalten, so die EU-Kommission. Die hardwaregestützte Methode wurde bereits von den nationalen Regulierungsbehörden in den USA, Großbritannien, Brasilien und Singapur erfolgreich angewandt.

Für die Folgeschritte der Studie, die bis Ende 2014 laufen soll, werden Freiwillige für weitere geplante jährliche Messungen gesucht. Internetnutzer in der EU können die Leistung ihres jeweiligen Internetanbieters messen, wenn sie sich einer Freiwilligengemeinschaft anschließen, in der alle 28 EU-Länder inklusive Neumitglied Kroatien sowie Island und Norwegen vertreten sind. Ausgewählte Verbraucher erhalten ein kleines Gerät, das sie mit ihrem privaten Internetanschluss verbinden.

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Von Thomas A. Friedrich | Präsentiert von VDI Logo
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