17.03.2014, 14:15 Uhr | 0 |

Folge des NSA-Skandals Die USA geben Kontrolle der Internetverwaltung ab

Die US-Regierung hat angekündigt, die Verantwortung für die ICANN als zentralen Teil der Internet-Infrastruktur aufzugeben und sie in internationale Hände zu legen. Sie zieht damit Konsequenzen aus dem NSA-Skandal. Auf der nächsten ICANN-Konferenz in Singapur soll noch in diesem Monat ein Plan für den Übergang abgestimmt werden.

Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda
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Neelie Kroes, EU-Kommissarin für die Digitale Agenda, freut sich über die Ankündigung der USA, die Aufsicht über die Internetverwaltungsorganisation ICANN abgeben zu wollen. Die Internationalisierung der ICANN sei schon lange politisches Ziel gewesen. 

Foto: dpa

Die amerikanische Regierung kündigte am Wochenende in Washington an, dass sie ihre Aufsicht über die zentrale Internetverwaltung ICANN aufgeben wird. Die Non-Profit-Organisation ICANN wird auch gerne als „Weltregierung des Internets“ bezeichnet und verwaltet mehrere wichtige Infrastrukturen des Netzes.

Dazu gehört auch die sogenannte DNS-Rootzone (IANA) die die Domainendungen wie .com, .net oder .org verwaltet und auch für die Vergabe von IP-Adressen für Registrare und Protokollnummern für die Internettechnik-Arbeitsgruppe IETF zuständig ist.

Die USA geben die Verwaltung des Internet ab

Die Aufsicht über die Internet-Verwaltung lag bisher beim amerikanischen Handelsministerium. Der entsprechende Vertrag läuft im September 2015 aus und soll nicht darüber hinaus verlängert werden, teilte ICANN-Chef Fadi Chehadé in Washington mit.

Das Ministerium beauftragte jetzt die ICANN mit der Erarbeitung eines Vorschlags zur zukünftigen Gestaltung des IANA-Managements. Die neue Verwaltungsstruktur soll in die Hände von privaten Firmen, Regierungen und weiteren Mitgliedern der Öffentlichkeit übergehen.

Der Wandel beginnt schon im März

Chehadé sagte, das neue Modell müsse "die Offenheit des Internets" beibehalten. Nach Angaben des Handelsministeriums soll der Übergangsprozess bereits bei der kommenden ICANN-Konferenz am 23. März in Singapur starten.

Die spezielle Rolle der USA bei der Aufsicht über die IANA hatte in den letzten 16 Jahren zu vielen diplomatischen Auseinandersetzungen geführt, und schon seit längerem gab es Kritik an diesem Modell. Ein Vorstoß Russlands und Chinas für einen stärkeren Einfluss weiterer Staaten war noch 2012 unter anderem auf Druck der Internet-Wirtschaft abgewehrt worden. Im Zuge des Skandals um die ausufernde Überwachung des amerikanischen Geheimdienstes NSA hatte sich auch die EU vor kurzem für eine "Globalisierung der ICANN" ausgesprochen. Andere Staaten wiederum möchten die Internet-Verwaltung unter die Kontrolle der UNO stellen. So ist der Druck von allen Seiten auf die USA immer stärker geworden – bis diese am Freitag reagierte.

Der Rückzug der USA ist nicht wirklich freiwillig

Von einem freiwilligen Ausscheiden der USA als Aufsicht kann man deshalb wohl kaum sprechen. Dennoch herrscht in fast allen Medien die Darstellung einer positiven Veränderung vor, die die USA eingeleitet habe. So manche Experten sehen in dem Wechsel aber auch die Gefahr, dass andere, weniger liberale Staaten die Kontrolle über das Netz erlangen könnten und raten zur Selbstverwaltung der DNS-Rootzone. 

Die EU-Kommissarin für die Digitale Agenda Neelie Kroes gab sich nach der Ankündigung von Chehadé begeistert und twitterte, die Internationalisierung der ICANN sei schon lange politisches Ziel gewesen und die Europäische Union werde an der Übergangslösung mitarbeiten. Kroes nannte den Entschluss der USA eine “historische Ankündigung”, die das Internet wirklich global mache.

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Von Klaus Ahrens
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